6E oder 5G-Campusnetz? Wi-Fi 6E - die Datenautobahn im 6-GHz-Band

| Redakteur: Jürgen Schreier

Wi-Fi 6E - so die neue Bezeichnung für das 6-GHz-Wi-Fi - werde rasch seine Vorteile ausspielen können, sobald es verfügbar ist, meint man bei der Wi-Fi Alliance. Dabei sehen manche Hersteller im schnellen Wi-Fi 6E sogar eine Alternative zum 5G-Campusnetz.

Firmen zum Thema

Die Nutzung des 6-GHz-Bands soll für mehr Speed, geringere Latzenz und weniger Störungen im WLAN sorgen. Der entsprechende Wi-Fi-Standard heißt ab sofort Wi-Fi 6E.
Die Nutzung des 6-GHz-Bands soll für mehr Speed, geringere Latzenz und weniger Störungen im WLAN sorgen. Der entsprechende Wi-Fi-Standard heißt ab sofort Wi-Fi 6E.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Die Wi-Fi Alliance führt eine neue Terminologie ein, um die Wi-Fi-6-Geräte, die im 6-GHz-Bereich betrieben werden können, von den "normalen" Wi-Fi-6-Geräten - sie funken im Bereich 2,4 bis 5 GHz - unterscheiden zu können. Der 6-GHz-Bereich ist ein Teil des unlizenzierten Spektrums, der in Kürze von den Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt zur Verfügung gestellt werden könnte.

Während sich der neue WLAN-Standard 802.11ax (= Wi-Fi 6) bisher erst langsam durchsetzt, kann Wi-Fi 6E künftig auch offiziell auf 6 GHz senden. Die Nutzung des 6 GHz-Bandes soll für geringerer Latenz und höhere Datenraten bei Wi-Fi-Devices sorgen . Die Wi-Fi Alliance erwartet, dass Wi-Fi-6E-Geräte nach der Genehmigung durch die Regulierungsbehörden schnell verfügbar sein werden, wobei diese zusätzliche Frequenzkapazität genutzt wird, um, wie es hießt, kontinuierliche Wi-Fi-Innovationen für Verbraucher, Unternehmen und die Wirtschaft zu liefern.

IDC: Im Wi-Fi-6E-Markt ist viel Dynamik drin

Wi-Fi ist bereit, das 6-GHz-Frequenzspektrum zu nutzen, sobald es weltweit verfügbar sein wird. Die Wi-Fi-Allianz unterstützt weiterhin die internationalen Bemühungen, dieses zusätzliche Spektrum für Wi-Fi-Nutzer verfügbar zu machen und gleichzeitig die vorhandenen Geräte in diesem Band zu schützen. Wi-Fi wurde als grundlegende Technologie für das Internet der Dinge anerkannt, als notwendige Ergänzung zur Bereitstellung von 5G, um Kommunikationsnetzwerke in unterversorgte Gebiete zu bringen.

6 GHz sei gut geeignet, um das Wachstum von Wi-Fi in diesen Gebieten zu erleichtern, da es an 5 GHz angrenzt, wo Wi-Fi bereits funktioniere, so die Wi-Fi-Branchenorganisation. Wi-Fi 6E Devices zeichneten sich auch durch geringere Störanfälligkeit aus als die alten Wi-Fi-4- oder Wi-Fi-5-Geräte.

"Wenn es die regulatorische Landschaft erlaubt, erwarten wir, dass die Hersteller zügig mit Produkten von Geräten voranschreiten, die im 6-GHz-Bereich arbeiten, weil sie den enormen Wert erkennen, den dieser Teil des unlizenzierten Spektrums für ihre Kunden bringt", ist Phil Solis vom Marktforschungsunternehmen IDC überzeugt. "Wenn das Spektrum zur Verfügung gestellt wird, erwarten wir, dass die Marktdynamik bei Produkten, die den Betrieb im 6-GHz-Bereich unterstützen, sehr schnell ansteigt. Die Kapazität von 6 GHz ist enorm und wird von Wi-Fi 6 und neueren Versionen von Wi-Fi effizient genutzt werden."

Bei 6 GHz haben die USA eine Vorreiterrolle

Auf dem 6-GHz-Markt nehmen die USA ganz klar eine Führungsrolle ein, wobei auch Europa und die APAC-Regionen den Zugang zu diesem Band erkunden. Sobald 6 GHz von den Regulierungsbehörden zur Verfügung gestellt wird, werden nach Einschätzung von Analysten zunächst Wi-Fi 6E-Access Points im Consumer-Segment sowie 6E-fähige Smartphones auf den Markt kommen, gefolgt von entsprechenden Access-Points in Industriequalität.

Es wird erwartet, dass sich Wi-Fi 6E nicht zuletzt in Industrieumgebungen durchsetzen wird, um damit Anwendungen wie Maschinenanalysen oder Fernwartung bereitzustellen. Wi-Fi 6E soll Verbrauchern und Industrie außerdem genügend Bandbreite für anspruchsvolle Anwendungen in Bereichen Augmented (AR) und Virtual Reality (VR) liefern.

"6 GHz wird dazu beitragen, den wachsenden Bedarf an Wi-Fi-Spektrumskapazität zu decken, um sicherzustellen, dass Wi-Fi-Nutzer weiterhin die gleiche Benutzererfahrung mit ihren Geräten haben", sagt Edgar Figueroa, Präsident und CEO der Wi-Fi Alliance. "Die Wi-Fi Alliance führt jetzt Wi-Fi 6E ein, um sicherzustellen, dass die Industrie sich auf eine gemeinsame Terminologie einstellt, damit Wi-Fi-Nutzer Geräte, die den 6-GHz-Betrieb unterstützen, identifizieren können, sobald das Spektrum verfügbar wird."

Mehr Performance auch in dichten Umgebungen

6 GHz behebt die Wi-Fi-Spektrumsknappheit durch die Bereitstellung von zusammenhängenden Frequenzblöcken, die 14 zusätzliche 80-MHz-Kanäle und sieben zusätzliche 160-MHz-Kanäle aufnehmen. Diese werden für Anwendungen benötigt, die einen schnellere Datendurchsatz erfordern. Dazu gehören unter anderem hochauflösendes Video-Streaming sowie AR/VR-Anwendungen.

Zudem werden die Betreiber von Wi-Fi-6E-Geräten selbst in sehr dichten und überlasteten Umgebungen von einer besseren Netzwerkleistung profitieren. Die Wi-Fi-Allianz arbeitet an der Entwicklung von Interoperabilitätstests für Wi-Fi 6E, die den Wi-Fi-Nutzern Vorteile bringen werden, sobald das Spektrum verfügbar ist.

"Obwohl Europa weniger Frequenzen für WLAN öffnen wird als die USA, werden 6 GHz immer noch einen echten Schub für Wi-Fi 6 bringen. Wir erwarten eine Verdoppelung der Datenraten und eine Halbierung der Latenzzeiten - was Wi-Fi zu einer unschlagbaren Alternative zu 5G in Campusnetzwerken macht", glaubt Jan Buis, Vizepräsident Business Development des in Würselen ansässigen Netzwerktechnik-Spezialisten LANCOM Systems GmbH.

Wi-Fi 6E bietet Raum für weitere Innovationen

"Wi-Fi 6E eröffnet bis zu 1,2 GHz zusätzliche Frequenzen und gewährleistet so kontinuierliche Innovation und Unterstützung für die ultrahohe Konnektivität, die für die heutigen Märkte für Privathaushalte, Unternehmen und Kraftfahrzeuge benötigt wird. Marvell, jetzt NXP, gehörte zu den ersten Unternehmen, die die Wi-Fi-Zertifizierung 6 erhielten, und NXP spielt weiterhin eine führende Rolle bei der Unterstützung der Wi-Fi-Allianz bei der Innovation und der Einführung leistungsstarker neuer Technologien wie Wi-Fi 6E", so Mark Montierth, Vice President und General Manager für drahtlose Verbindungen beim niederländischen Chip-Hersteller NXP Semiconductors.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46331598)