Network-Slicing Weltweit erste Ende-zu-Ende-5G-Datenübertragung in zwei Network-Slices

| Redakteur: Jürgen Schreier

Deutsche Telekom, Ericsson, Nokia und Qualcomm arbeiten an einem vollständigen Network-Slicing - vom Endgerät bis zum Core. Die weltweit erste Ende-zu-Ende-Datenübertragung in zwei Network-Slices, die auf einer Plattform mehrerer Anbieter („Multi-Vendor“ Plattform) basiert, wurde jetzt im Labormaßstab realisiert.

Firmen zum Thema

Im Rahmen des Network Slicing - einer rein virtuellen Technologie - können pro Slice je nach Kundenbedarf unterschiedliche Dienstmerkmale und Qualitätsparameter bereitgestellt werden.
Im Rahmen des Network Slicing - einer rein virtuellen Technologie - können pro Slice je nach Kundenbedarf unterschiedliche Dienstmerkmale und Qualitätsparameter bereitgestellt werden.
(Bild: Deutsche Telekom )

Die Deutsche Telekom, Ericsson, Nokia und Qualcomm haben gemeinsam die weltweit erste Ende-zu-Ende-Datenübertragung in zwei Network-Slices realisiert. Sie basiert auf einer Plattform mehrerer Anbieter („Multi-Vendor“-Plattform) und integriert ein 5G New Radio von Ericsson sowie ein 5G-Core von Nokia.

Beide beruhen auf einer Standalone-5G-Architektur. Qualcomm liefert das Endgerät für die Datenübertragung. Die in einer Laborumgebung gewonnenen Ergebnisse bestätigen die Machbarkeit von 5G-Network-Slicing. Vor allem für Angebote, die speziell auf Unternehmenskunden zugeschnitten sind.

5G-Netzwerk-Slicing soll vollständig automatisiert werden

Network-Slicing ist ein wesentliches Merkmal der 5G-Netzarchitektur. Es beinhaltet die virtuelle Aufteilung von Netzwerkressourcen in sogenannte Network-Slices. Pro Slice können dann je nach Kundenbedarf unterschiedliche Dienstmerkmale und Qualitätsparameter bereitgestellt werden.

Wie funktioniert Network Slicing?

Mit Network Slicing ist es möglich, physische Netzwerkinfrastrukturen in virtuelle Netzwerkpartitionen mit unterschiedlichen Eigenschaften aufzuteilen. Die Technik ist auf die komplette Infrastruktur drahtloser Mobilfunknetze inklusive Access- und Core-Netzwerke anwendbar.

Zur Realisierung kommen Software-Defined Networking (SDN) und Network Functions Virtualization (NFV) zum Einsatz. Die verschiedenen Netzwerk-Slices stellen spezifische Funktionen und Leistungsmerkmale für unterschiedliche Anwendungsfälle bereit. Beispielsweise lassen sich Slices schaffen, die besonders hohe Übertragungsraten oder minimale Latenzzeiten ermöglichen.

Mittels Network Slicing können Netzwerkbetreiber bedarfsgerechte, an die verschiedenen Anforderungen der Anwendungen angepasste Netzwerke rein softwarebasiert ohne jegliche Veränderung der Hardware implementieren.

Weitere Informationen

"Vollständiges 5G-Network-Slicing wird unseren Unternehmenskunden völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Wir wollen Kunden in die Lage versetzen, verschiedene Anwendungsfälle mit unterschiedlichen Anforderungen an das Netz gleichzeitig zu betreiben“, sagt Alex Jinsung Choi, SVP Strategy & Technology Innovation der Deutschen Telekom. „Wir freuen uns, auf die weitere technische Umsetzung mit unseren Partnern und wollen als nächstes vollständig automatisches Slicing realisieren und so den wahren Wert von 5G für Unternehmenskunden zu erschließen.“

Arun Bansal, Präsident und Leiter von Ericsson Europa & Lateinamerika, sagt: "Um das volle Potenzial des Ende-zu-Ende-Network-Slicing zu nutzen, müssen sowohl 5G-Standalone New Radio als auch 5G-Core eingesetzt werden. Vollständige Automatisierung ist der Schlüssel für die zukünftige Netzwerk-Slicing-Architektur. Die Ericsson-Lösung mit unserer neuesten Softwareversion bietet Netzanbietern die nötige Differenzierung, um 5G-Investitionen mit fortgeschrittenen Anwendungsfällen über mobiles Breitband hinaus zu monetarisieren. Wir bei Ericsson treiben die Innovation weiter voran und schaffen damit einen Mehrwert für unsere Kunden."

"Dank 5G-Network-Slicing können Netzbetreiber bald eine Vielzahl unterschiedlicher Dienste und Anwendungen schnell und kostenoptimiert bereitstellen", erläutert Jan van Tetering, Senior Vice President Europe bei Nokia. "Der 5G-Core von Nokia verfügt über Funktionen, die speziell für den Cloud-Einsatz konzipiert sind. Diese ermöglichen es der Deutschen Telekom zukünftig, 5G-Network-Slicing in vollem Umfang zu betreiben und das ganze Potenzial von 5G schnell zu realisieren."

"5G dient als die grundlegende Technologie, die es allen und jedem ermöglicht, nahtlos zu kommunizieren und zu interagieren. Network-Slicing kann die Effizienz, Flexibilität und Agilität erhöhen, um auf spezifische Kundenbedürfnisse einzugehen und neue Geschäftsmodelle zu schaffen", so Enrico Salvatori, Senior Vice President und Präsident, Qualcomm Europe/MEA.

Details zur Laborumgebung

Die Datenanrufe wurden mit einem 5G-Testgerät übertragen, dass mit einem Snapdragon X55 5G Modem-RF von Qualcomm ausgestattet wurde. Diese Version des Snapdragon-Modems ermöglicht die zeitgleiche Datenübertragung über zwei verschieden Netzwerk-Ebenen. Das Set-up im Labor umfasst ein integriertes 5G NR Standalone (SA) RAN von Ericsson und den 5G Core (5GC) von Nokia. Beide, RAN und Core, wurden in der Infrastruktur der Telekom in Deutschland eingesetzt.

Standalone vs. Non-Standalone

5G Standalone (SA): Bei dieser Option werden ein 5G-Core und New Radio 5th Generation NodeB eingesetzt. Standalone bietet den vollen Funktionsumfang von 5G: Network Slicing, eMBB, mMTC und URLLC. Erst mit diesem Ausbaustand kann 5G den Geschwindigkeitssprung (bis zu 100-mal höhere Datenraten) gegenüber LTE schaffen. Jedoch ist diese Option nicht rückwärtskompatibel zu 4G.

5G Non-Standalone (NSA) oder EN-DC (E-Ultra New Radio Dual Connectivity). bei dieser Netztopologie wird ein 4G-EPC (Evolved Packet Core) mit einem 5G-Knoten (gNB) verwendet. Dabei stützen sich die 5G-Basisstationen auf vorhandene 4G-Kernnetze. Dabei sieht die NSA-Spezifikation ein Dual-Connectivity-Konzept (DC) vor. Dies bedeutet, dass neue 5G-NR-Basisstationen ein LTE-Netz um zusätzliche Knoten ergänzen. Diese Option ist vor allem bei Mobilfunkbetreibern beliebt, die rasch 5G-Geschwindigkeiten unter Verwendung bestehender LTE-Bereitstellungen realisieren wollen. Die NSA-Option ermöglicht jedoch keine echten 5G-NR-Funktionen wie Network Slicing, URLLC und Unterstützung für IoT mit hoher Kapazität (z.B. mMTC).

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46387456)