Indoor-Digitalisierung

Wege zum digitalen Airport: Bluetooth, WiFi oder mobiles Breitband?

| Redakteur: Jürgen Schreier

Angesichts rapide steigender Fluggastzahlen können IoT-Technologien den Flughafenbetrieb reibungsloser und effizienter machen. Die Rolle, die moderne Wireless-Technologien wie private LTE- oder 5G-Netze dabei spielen, thematisiert ein Whitepaper von Huawei und ABI Research.

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Es gibt gute Gründe, warum die Konnektivitätsplattform auf dem gesamten Flughafen einheitlich sein sollte.
Es gibt gute Gründe, warum die Konnektivitätsplattform auf dem gesamten Flughafen einheitlich sein sollte.
( Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Huawei und ABI haben gemeinsam das Whitepaper "Digital Future of Airports" veröffentlicht, in dem die Rolle von 5G und mobilem Breitband (MBB) bei der Digitalisierung von Airports erläutert wird. Dem Whitepaper zufolge ist die Indoor-Digitalisierung der einzige Weg für den Übergang von zu 5G und die beste Wahl für die Bereitstellung von 5G-Abdeckung an Flughäfen.

Flughäfen sind nicht nur ein Ort für Reisende, sondern auch Marketing-, Technologie- und Wirtschaftszentren, die Einnahmen aus dem Luftverkehr und dem Non-Aviation-Bereich generieren. Flughäfen sind somit intelligente Städte im Kleinformat, da sie mehrere Interessengruppen vereinen: Fluggesellschaften, Einzelhändler, Werbetreibende, Passagiere, Transport- und Sicherheitsunternehmen, die unterschiedliche Ziele verfolgen und jeweils spezifische Bedürfnisse befriedigen.

Für mehr Passagiere braucht man leistungsfähigere Netze

Obwohl es strenge Vorschriften für die Sicherheit auf Flughäfen gibt, setzt jeder dieser Stakeholder auf Technologien, die speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnitten sind. Das gilt auch für die Konnektivität. Es gibt jedoch mehrere Gründe, warum eine Konnektivitätsplattform auf dem gesamten Flughafen einheitlich sein sollte.

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Dazu gehört das rapide Wachstum im Luftverkehr: Bis zum Jahr 2040 wird die Anzahl der Flüge allein in Europa um 53 Prozent (Basis 2017) auf 16,2 Millionen steigen. Obwohl 111 Flughäfen eine Kapazitätssteigerung um 16 Prozent planen, wird das Wachstum des Flugaufkommens zu einer Kapazitätslücke führen. Deshalb erreichten viele Flughäfen neue Terminals sowie Start- und Landebahnen.

Darüber hinaus werden Flughäfen immer mehr zu Testfeldern für neue Technologien. Dazu gehören unter anderem Fluggastidentifikationssysteme, Sensor- und Barcodelesegeräte, automatisierte Passkontrollsysteme, mobile Anwendungen, Sensoren und vernetzte Kameras. Ein weiterer Technologietrend ist auch die Elektrifizierung des Flughafentransports, wobei Elektrofahrzeuge für die Reduzierung des CO2-Footprints sorgen sollen

Sensoren "dirigieren" das Reinigungspersonal

Auch im in der Gebäudebewirtschaftung hält das Internet der Dinge Einzug. So verfügt der Flughafen Schiphol in den Niederlanden über 70.000 Sensoren, die Echtzeitinformationen über die Auslastung und den Zustand von Aufzügen, Rolltreppen und Gehwegen erfassen. Zudem Lassen sich mit Wearables, mit denen Flughafenmitarbeiter ausgestattet werden, Effizienzsteigerungen im Facility Management bewirken.

So konnte beispielsweise der Betreiber des Northern Kentucky International Airport in Cincinnati die Gebäudewirtschaft durch eine Lösung verbessern, die mobile Geräte, intelligente Sensoren und ein Mobilfunknetz kombiniert. So melden Sensoren die Nutzung von Toilettenanlagen und die damit verbundene Notwendigkeit einer Reinigung. Dadurch kann das Reinigungspersonal zielgerichteter eingesetzt werden.

Und last but not least erwarten auch die Fluggäste personalisierte digitale Experiences auf Flughäfen. In Schiphol wurde für Reisende ein umfangreiches Digitalangebot geschnürt, das von einer 24/7-Hilfe und Informationen für Reisende bis hin zur Lebensmittelzustellung an das Gate reicht. Solche digitalen Services kommen natürlich auch den Anbietern von Non-Aviation-Dienstleistungen wie dem Einzelhandel zugute.

5G im Fokus

Aktuell kommen an den meisten Flughäfen unterschiedliche drahtlose Netzwerktechnologien zum Einsatz. Dazu gehören hauptsächlich Mobilfunknetze (derzeit 4G/LTE), WiFi, Bluetooth und Projekt 25 (P25). Unter Berücksichtigung von Faktoren wie Leistung, Kosten und empfiehlt das Whitepaper, bei der Indoor-Digitalisierung verstärk auf eine einheitliche Konnektivitätsplattform und hier perspektivisch auf 5G zu setzten, da dieser Standard den Bau bzw. die digitale "Ertüchtigung" von Flughäfen laut Huawei und ABI Research wesentlich unterstützt und fast alle Herausforderungen bei der Netzwerkanbindung lösen könne.

Außerdem zeigt das Whitepaper, dass traditionelle Distributed-Antenna-System-(DAS)-Lösungen weder die Anforderungen eines "digitalen" Flughafens erfüllen noch eine reibungslosen Migration zu 5G ermöglichen. Als Alternativen empfiehlt das Whitepaper Digital Indoor Systems (DIS) oder Digital Radio Systems (DRS). wobei Teile der bestehenden Verkabelung weitergenutzt werden können.

Das private LTE/5G-Netz - die Lösung aller Probleme?

So hat sich beim Bau des neuen Flughafens in Istanbul für DIS entschieden. Konkret genutzt wird die LampSite-Technologie von Huawei, mit der innerhalb von drei Monaten eine komplette Indoor-Digitalisierung realisiert wurde. Das neue Netzwerk wurde von Turkcell eingerichtet, wobei der Netzwerkbetreiber als Host für alle anderen Netzbetreiber fungiert, die dieselbe Infrastruktur nutzen. Dieser neue Flughafen verfügt nun über eine einheitliche 4G-Konnektivität in allen Hallen, an den Gates und in den Außenbereichen, wobei das Netzwerk bei Bedarf auf 5G aufgerüstet werden kann.

Mit der gleichen Technologie können auch private Mobilfunknetze für die Flughafenadministration eingerichtet werden. Der Netzbetreiber kann die volle Netzkapazität nach Belieben nutzen, da er Uplink-, Downlink- und Radio Access Network (RAN) nach seinen Bedürfnissen konfigurieren kann. Darüber hinaus hat der Eigentümer des des privaten LTE-Netzes die Möglichkeit festzulegen, welche Nutzer sich ins Netz einwählen dürfen.

Er kann außerdem den Datenverkehr priorisieren werden und die Latenz und Zuverlässigkeit zur Unterstützung bestimmter Anwendungen - zum Beispiel kritischer Basisdienste - optimieren.

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