Magere VoLTE-Bilanz Voice over LTE: Das unbekannte Mobilfunkwesen?

| Redakteur: Jürgen Schreier

Ernüchternd fällt die Bilanz vier Jahre nach Einführung von Voice over LTE (VoLTE) aus. Der Infodienst LTE-Anbieter.info hat die drei Mobilfunkprovider in Deutschland befragt. Fazit: Telefonie in Top-Qualität im LTE-Netz ist nach wie vor nur für einen Teil der Mobilfunkkunden möglich.

Bltzschnellen Verbindungsaufbau und Top-Sprachqualität verspricht Voice over LTE. Um VoLTE aber nutzen zu können, muss das Smartphone diese Technologie auch untersützen.
Bltzschnellen Verbindungsaufbau und Top-Sprachqualität verspricht Voice over LTE. Um VoLTE aber nutzen zu können, muss das Smartphone diese Technologie auch untersützen.
(Bild: Pixabay / CC0 )

Glasklare Sprachqualität, gepaart mit blitzschnellem Verbindungsaufbau: Das versprechen alle drei Mobilfunkprovider seit Jahren. Die technische Grundlage dafür bietet das sogenannte "Voice over LTE" (VoLTE). Dabei wird das LTE-Netz nicht nur zur Daten-, sondern auch für eine Sprachübertragung genutzt. Vodafone führte diese "Netzinnovation" im März 2015 sowohl bundes- als auch europaweit als erstes Telco-Unternehmen ein. Wenig später folgten O2 und die Deutsche Telekom.

Aber wie wird die vielversprechende Mobilfunktechnik von den Kunden angenommen und wie hoch ist der Anteil an Verbrauchern, der VoLTE heute nutzen kann? In Interviews mit der Deutschen Telekom, Vodafone und O2 Telefónica hat sich LTE-Anbieter.info bei allen LTE-Providern zur aktuellen Lage in Sachen Voice over LTE (VoLTE) erkundigt.

Telefónica: Ein Drittel der Kunden nutzt VoLTE

Dabei äußerte sich Andreas Stach von Telefónica Deutschland als einziger konkret zum aktuellen Anteil: "Derzeit nutzt knapp ein Drittel unserer Kunden VoLTE in unserem Netz". Hierzu sollte man wissen, dass O2 seit März 2018 VoLTE sämtlichen Netzkunden zur Verfügung stellt, also sogar über virtuelle Provider und Prepaidanbieter, wie etwa Aldi-Talk.

Telekom: Großteil der Kunden hat Zugriff auf VoLTE

Dirk Wende von der Deutschen Telekom hält sich, was die Nutzungszahlen angeht, bedeckter. Demnach haben die meisten der rund 11,6 Mio. Mobilfunkkunden Zugriff auf LTE und ein Großteil davon auch auf VoLTE. Aber: "Voice over LTE ist zurzeit noch Kunden mit Laufzeitverträgen vorbehalten. Unsere MagentaMobil Prepaid Tarife beinhalten alle LTE Max mit bis zu 300 Mbit/s im Download. Eine Entscheidung über VoLTE ist noch nicht gefallen".

Vodafone: keine konkreten Angaben

Für Vodafone wollte Dr. Arif Otyakmaz ebenfalls keine konkreten Angaben zur Nutzung machen. "Alle Kunden mit Vodafone RED Tarifen können VoLTE für die qualitativ hochwertige Telefonate nutzen", so das Statement des Managers. Das schließt unter anderem die hauseigenen Callya-Nutzer (Prepaid) aus, wie auch sämtliche virtuellen Netzbetreiber im Vodafone-Netz.

Viele Smartphones unterstützten VoLTE gar nicht

Neben tarifpolitischen Beschränkungen, nennt LTE-Anbieter.info noch zwei weitere Hindernisse für die Verbreitung der mobilen LTE-Telefonie. So muss das genutzte Smartphone Voice over LTE technisch unterstützen. Verbraucher mit günstigen oder älteren Modellen bleiben deshalb außen vor. Eines der Haupthindernisse ist und bleibt aber providerübergreifend der Ausbau bei den LTE-Funknetzen. Dies soll sich laut den Planungen aller drei Unternehmen in 2019 aber deutlich ändern.

Ausbaupläne der Telcos für 2019

Ist kein passender Funkmast in Reichweite, telefoniert man weiterhin über 3G oder gar 2G. Besonders auf Autobahnen, im ländlichen Raum oder in Zügen der Deutschen Bahn, ist die 4G-Abdeckung auch Anfang 2019 weiterhin lückenhaft. Das Problem hat unlängst auch die Politik erkannt.

Als Turbo für den weiteren 4G-Ausbau könnte sich daher ausgerechnet die anstehende 5G-Frequenzauktion erweisen. Denn wer Funkbänder für die kommende Netzgeneration ersteigern möchte, hat entsprechende Auflagen zum Netzausbau einzuhalten. Dies wirkt sich bereits jetzt auf die Bemühungen der Anbieter aus.

Die Agenda von Vodafones für 2019 sieht vor, mit 4000 Bauprojekten LTE in die Fläche zu bringen. Der Kraftakt soll für eine erweiterte Netzabdeckung von rund 22.000 km². Bei der Deutschen Telekom stehen 2000 neue Basisstationen auf dem Plan und O2 Telefónica plant nach 6700 neuen Masten in 2018, den Ausbau dieses Jahr deutlich intensivieren. Im Raum steht dabei die Zahl von 10.000 Funkstationen.

Voice over LTE wird sich weiter nur langsam etablieren

Virtuelle Netzwerkanbieter und Prepaid-Kunden werden demnach mittelfristig nur im O2-Netz in den Genuss von bester Sprachqualität kommen, so das Fazit von LTE-Anbieter.info. "Wir erwarten, dass VoLTE bei Vodafone und der Deutschen Telekom weiter Vertragskunden vorbehalten bleibt", meint Sebastian Schöne, Mobilfunkexperte bei LTE-Anbieter.info.

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