Whitepaper von ABI Research Verzögerungen bei 5G-Normung dämpfen Umsatzerwartungen

| Redakteur: Jürgen Schreier

ABI Research hat die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den 5G-Markt untersucht. Die verschobenen Normungen (Stufe 3) verzögern den 5G-Rollout in der Industrie um mindestens ein Jahr, was die Umsatzerwartungen der Telcos spürbar schmälern dürfte.

Möglicherweise verschieben sich beim 5G-Rollout die Prioritäten: Statt der Industrie (hier fehlen noch wichtige Normen) ist vielleicht zunächst das Gesundheitswesen am Zug.
Möglicherweise verschieben sich beim 5G-Rollout die Prioritäten: Statt der Industrie (hier fehlen noch wichtige Normen) ist vielleicht zunächst das Gesundheitswesen am Zug.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Wie berichtet hat das Normungsgremium 3GPP die Veröffentlichung der nächsten 5G-Protokolle (Stufe 3 Release 16 und 17) verschoben. Stufe 3 Release 16 soll im Juni 2020 fertig gestellt werden; Release 17 im Dezember 2021. Grund dafür ist die Coronavirus.Pandemie.

Die langfristigen wirtschaftlichen Folgen dieser "erzwungenen" Verzögerungen in Sachen Normung hat das Technologieberatungsunternehmen ABI Research untersucht und dazu ein Whitepaper veröffentlicht. Die Billionen US-Dollar an Umsatzpotenzial, die man durch den weltweiten industriellen 5G-Einsatz erwartet hatte, dürften jetzt kaum noch zu halten sein.

Einführung von industriellem 5G frühestens 2022

Der Grund: Durch die die pandemiebedingten Verzögerung der Standardisierungsarbeit durch das zuständige Normungsgremium, 3GPP wird sich laut ABI Research die Einführung von industriellem 5G bis mindestens 2022 verzögern. Da die meisten Industrieunternehmen ihre Kommunikationstechnologie "eigentlich" im Jahr 202 aufrüsten wollten, bricht natürlich Geschäft am 5G-Markt weg.

Gerechnet wird damit, dass der 5G-Branche dadurch mindestens 25 Prozent der möglichen Umsätze innerhalb der Industrieunternehmen verloren gehen, angesichts der Bedeutung der industriellen 5G-Anwendungsfälle die Gesamteinnahmen aus 5G um bis zu Prozent schrumpfen lassen würde.

"Corona ist Rückschlag für die Normungsgremien und den Zeitplan von 5G", sagt Leo Gergs, leitender Analyst bei ABI Research. "Die Absage führender Branchenveranstaltungen, wie des Mobile World Congress in Barcelona, führte zu komplizierteren Arbeitsabläufen für den 3GPP. Infolgedessen wurde das Einfrieren von Release 16 (das für 5G-Anwendungen in Industrie und Logistik von zentraler Bedeutung ist) bis Juni 2020 verschoben. Dies wiederum würde die Einführung von 5G in Logistikeinrichtungen, Häfen und Fabrikhallen bis mindestens 2022 verzögern".

5G-Rollout: Ändern sich die Prioritäten?

Auch wenn diese aktuelle Pandemie die rechtzeitige Einführung von 5G in Unternehmen gefährdet, bleibt der neue Mobilfunkstandard (in der industrietauglichen Form) natürlich die Drahtlos-Technik der Wahl, wenn es darum geht, die Automatisierung von Arbeitsabläufen in den Fabriken und in anderen industriellen Umgebungen voranzutreiben.

"Wir werden außerdem erleben, dass 5G-Anwendungen in der Landwirtschaft an Fahrt gewinnen werden und eine wachsende Zahl von Ländern in Erwägung ziehen wird, den Gesundheitssektor mit 5G-fähigen Fähigkeiten zu verbessern", betont Gergs.

Zugleich hält es der Analyst für nicht ausgeschlossen, das sich infolge der Covid-19-Problematik die Prioritäten hinsichtlich eines 5G-Einsatzes verschieben könnten - und zwar weg von der Industrie hin in Richtung Landwirtschaft und Gesundheitswesen. "Das Telco-Ökosystem muss sich auf diese Verschiebung vorbereiten", rät Gergs.

(ID:46486326)