Kommentar USA geben grünes Licht für 6-GHz-Wi-Fi

| Autor / Redakteur: Ralf Koenzen / Jürgen Schreier

US-Regierungsbehörde FCC gibt etwa 1200 MHz des Frequenzspektrums im 6-GHz-Frequenzbereich für die WLAN-Nutzung frei. Damit werden Übertragungsgeschwindigkeiten von 2 Gbit/s für Smartphones, PCs und dergleichen und Latenzzeiten von weniger als 2 ms möglich. Doch wann wird Europa nachziehen?

Ralf Koenzen ist Geschäftsführer der Lancom Systems GmbH. Das Unternehmen stellt Netzwerk- und Security-Lösungen (WAN, LAN, WLAN & Firewalls) für Wirtschaft und Verwaltung her.
Ralf Koenzen ist Geschäftsführer der Lancom Systems GmbH. Das Unternehmen stellt Netzwerk- und Security-Lösungen (WAN, LAN, WLAN & Firewalls) für Wirtschaft und Verwaltung her.
(Bild: Paul Hiller)

Die Nachrichtenticker der Technologie-Medienunternehmen liefen in der vergangenen Woche heiß: Die US-Regierungsbehörde FCC hatte einstimmig beschlossen, etwa 1200 MHz (5925-7125 MHz) des Frequenzspektrums im 6-GHz-Frequenzbereich für die WLAN-Nutzung freizugeben.

Das sind ebenso großartige Neuigkeiten für Wi-Fi-Enthusiasten, Technikfans und Unternehmen. Als Produzenten sind wir über diesen entscheidenden Schritt sehr froh. Auch wenn die Entscheidung auf US-Territorium beschränkt bleibt, muss man vorerst alle Neidgefühle beiseite schieben und den Schritt der FCC als das loben, was er ist: ein Meilenstein für die WLAN-Industrie.

Turbo-Boost für Szenarien mit hoher Dichte

Im März zeigten die ersten Vorführungen eines Chipsatzherstellers, wie leistungsfähig das mittlere Spektrum des 6-GHz-Frequenzbereichs wirklich ist. Übertragungsgeschwindigkeiten von 2 Gbit/s für Smartphones, PCs und dergleichen und Latenzzeiten von weniger als 2 Millisekunden sprechen für sich und haben zweifellos auch die FCC tief beeindruckt.

Wi-Fi 6E, wie die Wi-Fi-Allianz WLAN im 6-GHz-Bereich nennt, kann vor allem in Umgebungen mit hoher Dichte seine Vorteile zur Geltung bringen. WLAN-Szenarien in Fußballstadien, Konzerthallen, aber auch in Kongresszentren, Messehallen, Flughäfen und Universitäten, Schulen und Krankenhäusern dürften dank des neuen Spektrums einen Turboschub erhalten.

Mehr noch: Wi-Fi 6E erreicht bei deutlich geringeren Investitionskosten Leistungswerte, die bisher weitgehend als Markenzeichen lokaler Industrienetze mit dem neuesten Mobilfunkstandard 5G galten. Modernste IoT- oder VR-Anwendungen können dank der FCC-Entscheidung nun auch von kleinen und mittleren Unternehmen kostengünstig realisiert werden.

Corona-Krise hat Bedeutung von WLAN gezeigt

Die FCC hat mit ihrer Entscheidung die Bedeutung und Wichtigkeit lizenzfreier drahtloser Technologien sowohl für den privaten als auch für den geschäftlichen Bereich unmissverständlich unterstrichen. Nicht zuletzt die Corona-Krise hat nachdrücklich gezeigt, wie wichtig WLAN für den Alltag von Menschen und Unternehmen ist. Damit ist nun der Weg für die Drahtlostechnologie in die Zukunft geebnet.

Jetzt sind die Regulierungsbehörden in Europa aufgerufen, diesem Beispiel zu folgen, um sicherzustellen, dass Privatpersonen und Unternehmen so bald wie möglich in den Genuss der Vorteile von Wi-Fi 6E kommen können. Wir sind sehr optimistisch, dass auch wir Europäer im Frühjahr 2021 die Freigabe des 6-GHz-Bereichs für WLAN feiern können.

Diesseits des Atlantiks wird das zusätzliche Spektrum jedoch nicht so breit sein wie in den USA; "nur" etwa 500 MHz (5925-6425 MHz) sind in Planung. Dennoch ist auch dies ein wichtiger Schritt.

Ralf Koenzen ist Geschäftsführer der Lancom Systems GmbH.

Bei dem Artikel handelt es sich um die leicht gekürzte Übersetzung eines englischsprachigen Blog-Beitrags.

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