5G-Infrastruktur USA bringen neue Geschütze gegen Huawei in Stellung

Redakteur: Jürgen Schreier

Die Trump-Administration schießt weiter gegen Huawei. Agenturberichten zufolge sollen durch Änderungen der Foreign Direct Product Rule die Belieferung des chinesischen Tech-Konzerns mit auf US-Technologie basierenden SoC erschwert bzw. unterbunden werden. Davon tangiert wären auch ausländische SoC-Hersteller.

Die Trump-Administration schießt weiter gegen Huawei. So soll dem chinesischen Konzern offenbar der Zugriff auf SoC für Smartphones und 5G-Infrastruktur erschwert werden.
Die Trump-Administration schießt weiter gegen Huawei. So soll dem chinesischen Konzern offenbar der Zugriff auf SoC für Smartphones und 5G-Infrastruktur erschwert werden.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Huawei - a never ending story: Laut Reuters bereitet die US-Regierung eine neue "Attacke" gegen den chinesischen Telekom-Ausrüster vor. Unter anderem steht offenbar die Überlegung im Raum, die Belieferung an Huawei mit Chips (sogenannten SoC, System-on-Chip) zu unterbinden, die für die Fertigung von Smartphones und Netzwerkinfrastruktur unerlässlich sind.

USA planen (angeblich) Änderungen der Foreign Direct Product Rule

Im Fokus steht dabei der Halbleiterhersteller TSMC, der unter anderem die SoC für die US-Firmen Qualcomm und Apple produziert. Zwar können die Vereinigten Staaten dem taiwanesischen Hersteller keine direkten Vorgaben machen, für wen das Unternehmen produziert. Doch erwägt man anscheinend eine Änderung von US-Regularien (Foreign Direct Product Rule), die den Einsatz von US-Technologie und US-Software für die Fertigung von Chips für Huawei von einer Genehmigung der US-Regierung abhängig machen.

Dadurch könnten auch ausländische Unternehmen, die US-Technologie einsetzen, dazu gezwungen werden, dass sie sich von den USA eine Fertigung für Huawei genehmigen lassen. Dass die US-Administration eine solche Erlaubnis wohl kaum erteilen dürfte, liegt auf der Hand. Dieser Schritt würde sowohl HiSilicon, die SoC-Sparte von Huawei, als auch TSMC schwer treffen, da sich so die Fertigung zahlreicher Huawei-Produkte zumindest temporär lahmlegen ließe.

Huawei - eine Gefahr für die nationale Sicherheit?

Nach Auffassung der US-Regierung ist Huawei eine Gefahr für die nationale Sicherheit. Schon seit längerem versucht Präsident Trump "Verbündete" auch in Europa dazu zu bewegen, den chinesischen Hersteller von Mobilfunkinfrastruktur vom Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes auszuschließen. Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo und US-Verteidigungsminister Mark Esper haben diesen Standpunkt nochmals bei der Münchner Sicherheitskonferenz in der vergangenen Woche nachdrücklich "unterstrichen".

Aussagen des amerikanischen Beraters für Nationale Sicherheit, Robert O'Brien zufolge, soll sich Huawei sich durch seine Technik heimlich in Verbindungen einwählen könne. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" sollen die Amerikaner außerdem behauptet haben, in den Bauteilen von Huawei, die in deutschen Telekommunikationsnetzen vielfach verbaut sind, gebe es eine Schnittstelle, über die umfangreich Daten abgegriffen werden könnten. Huawei nutze dazu jene spezielle Vorkehrung, die dazu gedacht ist, deutschen Sicherheitsbehörden richterlich angeordnete Überwachungsmaßnahmen zu ermöglichen. Dies würde bedeuten, dass China genauso Telefone "abhören" könnte wie die deutsche Polizei, wenn auch heimlich.

US-Behauptungen verlieren an Glaubwürdigkeit

Allerdings wird immer deutlicher, dass sowohl die deutsche Industrie als auch die Bundesregierung den Behauptungen der US-Seite immer weniger Glauben schenken. Wie es heißt, fehle es einem stichhaltigen Beweis dafür, dass die besagte Schnittstelle von Huawei tatsächlich missbraucht werde könnte oder bereits missbraucht werde.

Laut Telekom soll ein solcher unbefugter Datenabgriff faktisch gar nicht möglich sein. Bereits beim Aufbau der Netze sei man sich im Klaren über die Verwundbarkeit dieser Schnittstelle gewesen, weshalb deren Steuerung über ein getrenntes Netz laufe. Die Technik, die in diesem Netz eingesetzt werde, stamme nicht aus China, sondern von der deutschen Firma Utimaco, die sich auf High-Security-Appliances (Hardware Security Module) spezialisiert hat. Neben der Telekommunikationsbranche zählt der Aachener Security-Spezialist auch den Finanzsektor, die Automobilindustrie, Cloud-Dienstleister sowie den öffentlichen Dienst zu seinen Kunden. Außerdem, so die Telekom, stünden die relevanten Server in einem Hochsicherheitsbereich.

Huawei weist die Behauptungen der USA, das Unternehmen habe technische Schnittstellen zur rechtmäßigen Überwachung genutzt, entschieden zurück. Sie seien nichts weiter als der Versuch einer Verschleierung, widersprächen jeglicher allgemein akzeptierter Logik im Bereich der Cybersicherheit, heißt es in einer Stellungnahme des Telekom-Ausrüsters. Huawei habe und werde nie verdeckt auf Telekommunikationsnetzwerke zugreifen. "Wir haben nicht einmal die Möglichkeit, dies zu tun." Der Bericht des "Wall Street Journal" spiegele eine Voreingenommenheit gegenüber Huawei wider, womit die renommierte Wirtschaftszeitung ihre Glaubwürdigkeit untergrabe, so Huawei.

Huawei nimmt Stellung zu Artikel im "Wall Street Journal"

"Die Rolle von Huawei als Telekommunikationsanbieter besteht darin, wie jeder andere Anbieter auch Geräte bereitzustellen, die den 3GPP/ETSI-Standards entsprechen. Wir sind verpflichtet, branchenweit gültige Abhörstandards wie den 3GPP-Standard TS 33.107 für 3G-Netze und TS 33.128 für 5G zu befolgen. Hier enden die Verpflichtungen von Huawei in Bezug auf das rechtmäßige Abhören", heißt es in dem Statement des chinesischen Tech-Unternehmens.

Huawei selbst habe keinen Zugang zu den Schnittstellen, dieser erfolgt über Systeme von Drittanbietern unter vollständiger Kontrolle der Netzbetreiber. Huawei liefere keines dieser Drittsysteme an Netzbetreiber in Deutschland; diese würden von anderen Zulieferern bereitgestellt (siehe oben).

Ungeachtet dessen stehen die Deutschen einer Zusammenarbeit mit Huawei beim Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes durchaus mit einer gewissen Skepsis gegenüber. Das geht aus Forsa-Umfrage für die Zeitschrift “Internationale Politik” hervor.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters, der die Umfrageergebnisse vorliegen, berichtet, sind 35 Prozent der Befragten für eine Zusammenarbeit, 47 Prozent jedoch dagegen. Auffallend ist der Unterschied zwischen Ost und West: Während Westdeutsche skeptischer sind (49 Prozent Ablehnung gegen 33 Prozent Zustimmung), ist es bei Ostdeutschen umgekehrt (48 Prozent Zustimmung, 40 Prozent Ablehnung). Die Skepsis ist am deutlichsten bei Wählern der SPD, der Grünen und der FDP. 60 Prozent der Anhänger der Liberalen sind gegen eine Beteiligung der chinesischen Firma, 52 Prozent der Grünen- und 51 Prozent der SPD-Anhänger.

Pro oder contra Huawei: Deutsche Politik ist sich uneins

Vor allem in der CDU-Fraktion wird heftig gerungen. Ein Lager um den Vorsitzenden des Auswärtiges Ausschusses, Norbert Röttgen, und den Innenpolitiker Christoph Bernstiel will Huawei, wichtigster Ausrüster des bestehenden 4G/LTE-Netzes 5G-Ausbau außen vor lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen hat sich bislang gegen einen Ausschluss von Huawei beim 5G-Ausbau ausgesprochen und versucht, Politik und Wirtschaft auf Linie zu bringen.

Offenbar ist man im Kanzleramt bemüht, die Chinesen nicht zu verärgern. Schließlich drohen diese inzwischen recht unverhohlen mit wirtschaftlichen "Strafmaßnahmen" gegen die stark im Chinageschäft involvierte deutsche Industrie.

Bei den Netzbetreibern in Deutschland ist die Sache eindeutiger. Während die Deutsche Telekom erst einmal alle Pläne für einen 5G-Netzausbau mit Komponenten von Huawei auf Eis gelegt hat, positionieren sich Telefónica Deutschland und Vodafone von Grundsatz her pro Huawei. So will Telefónica Deutschland Huawei-Technologie beim Ausbau des 5G-Netzes nutzen. Bei Vodafone spricht man sich ebenfalls für eine Beteiligung von Huawei am 5G-Ausbau aus.

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