Expertenkommentar

Teure 5G-Frequenzen erfordern neue Monetarisierungsstrategie

| Redakteur: Jürgen Schreier

Insgesamt 6,55 Milliarden Euro müssen Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica, 1&1 Drillisch für die 5G-Frequenzen berappen. Dabei hatte man mit sehr viel weniger gerechnet. Ekkehard Stadie und Kajetan Zwirglmaier von Simon-Kucher & Partners halten deshalb neue Monetarisierungsansätze für unumgänglich,

Firma zum Thema

Dem "Vater Staat" spülte die 5G-Auktion mehr Geld in die Kasse als erwartet.
Dem "Vater Staat" spülte die 5G-Auktion mehr Geld in die Kasse als erwartet.
( Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Versteigerung der Lizenzen für den neuen Mobilfunk-Standard 5G ist beendet. Die vier Provider Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch bezahlen für die 5G-Frequenzblöcke insgesamt 6,55 Milliarden Euro, wie die Bundesnetzagentur mitteilt. Der Betrag ist deutlich höher als erwartet – Fachleute hatten im Vorfeld nur mit drei bis fünf Milliarden Euro gerechnet. Für Ekkehard Stadie und Kajetan Zwirglmaier, Spezialisten für Monetarisierung im Telco-Sektor bei der Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners, steht fest, dass die neue Situation nach einem neuen Vermarktungsansatz verlangt. Lesen Sie dazu ihr Statement:

Dr. Ekkehard Stadie ist Global Head of Telecommunications bei Simon-Kucher & Partners.
Dr. Ekkehard Stadie ist Global Head of Telecommunications bei Simon-Kucher & Partners.
( Bild: Simon-Kucher & Partners )

Das Pricing über Datenpakete passt nicht mehr

"Die Auktion für 5G in Deutschland ist vorüber – jetzt können die Netzbetreiber Netzausbau und Vermarktung angehen. Gerade letzteres hält einige Herausforderungen bereit: Die höher ausgefallene Gesamtrechnung ist ein Weckruf, über die 5G-Monetarisierung intensiv nachzudenken. Denn durch die Einführung einer vierten Infrastruktur erhöht sich die Wettbewerbsintensität in Deutschland vermutlich. Einige internationale Märkte zeigen beispielsweise, dass hier 5G schon kurz nach Einführung zu 4G-Preisen erhältlich ist.

Für den deutschen Markt wäre diese Entwicklung toxisch. Das Pricing für Mobilfunkprodukte unterscheidet sich heute fast nur noch in der Größe der enthaltenen Datenpakete. Das ist einfach für den Kunden, aber langfristig zu simpel, um diese Produkte erfolgreich zu monetarisieren. Basis für die Vermarktung müssen andere Kriterien sein: Geschwindigkeit etwa ist ein Wert an sich, den Betreiber monetarisieren müssen, Verfügbarkeit ein zweiter. Dies gilt für Geschäftskundenwendungen noch mehr als für Privatkunden. Denn vor allem B2B-Anwendungen benötigen die 5G-Leistungsparameter höhere Geschwindigkeit und geringe Latenz.

Dr. Kajetan Zwirglmaier ist Partner im Münchner Büro von Simon-Kucher & Partners.
Dr. Kajetan Zwirglmaier ist Partner im Münchner Büro von Simon-Kucher & Partners.
( Bild: Simon-Kucher & Partners )

Bei B2B-Unternehmen, Statussuchern und Gamern sitzt das Geld lockerer

Entsprechend sind B2B-Unternehmen auch eher bereit, mehr zu bezahlen. Im Privatkundensegment gibt es erfahrungsgemäß nur zwei Spezialsegmente mit erhöhter Zahlungsbereitschaft für 5G: das Statussegment und das der Gamer. Um jedoch eine leistungsfähige digitale Infrastruktur für den Standort Deutschland aufzubauen, müssen Anbieter auch den breiten Massenmarkt dazu bekommen, für mehr Leistung mehr zu bezahlen. Dafür ist es essentiell, die höhere 5G-Leistung nicht zu unveränderten Preisen abzugeben.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Provider bei der Markteinführung umdenken. Der Geschäftskundenbereich muss eine stärkere Führungsrolle als bisher übernehmen und definieren, was für eine erfolgreiche Monetarisierung nötig ist. Ein undifferenzierter Push von 5G in den Markt und über alle Segmente hinweg würde die Monetarisierungsfähigkeit und den Return on Investment von 5G nachhaltig schädigen. Wir gehen davon aus, dass die vier Anbieter ihre Infrastrukturen nicht flächendeckend, sondern über Jahre hinweg regional unterschiedlich aufbauen. Das schreit nach regionaler Preisdifferenzierung, die international im TK-Markt bereits erfolgreich praktiziert wird. Auch ein dynamisches Pricing, das im Digitalzeitalter Preise auf Nachfrage und Netzbelastung anpasst, sollten die Unternehmen ernsthaft erwägen.

Unser Fazit: Die hohen Kosten für Lizenzen und zusätzlichen Netzaufbau lassen sich nicht über einen unveränderten Monetarisierungsansatz zurückverdienen. Eine durchdachte, zwischen den Segmenten abgestimmte und langfristig angelegte Monetarisierungsstrategie ist daher notwendig."

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45982867)

Pixabay; Clipdealer; Christian Weber / Telekom; gemeinfrei; Simon-Kucher & Partners; Ericsson; INDIGO weel; Swiss Hub Germany; u-blox; nextLAP; Tom Frohn; Harald Karcher; IMMS