5G und IIoT

Telekom startet neue Campus-Netz-Angebote für die Industrie

| Redakteur: Jürgen Schreier

Nach erfolgreichen Pilotprojekten wird die Deutsche Telekom 2020 neue mobilfunk-basierte Produkte für die Industrie auf den Markt bringen. So soll es zwei Campus-Netz-Varianten für Großkunden und den Mittelstand geben. Hinzu kommen neue Edge-Cloud-Lösungen für die Datenverarbeitung in Echtzeit.

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Bei der "kleinen" Campusnetz-Variante gehen die Daten gehen logisch getrennt vom öffentlichen Netz an den oder die verarbeitenden Rechner. Bei der L-Variante wird ein vom öffentlichen Netz getrenntes Firmennetz aufgebaut.
(Bild: Telekom)

Im Rahmen der DIGITAL X am 29. und 30. Oktober in Köln kündigt die Deutsche Telekom zwei neue Campus-Netz-Angebote für Unternehmen an. Nach erfolgreichen Pilotprojekten bei Osram, ZF Friedrichshafen und BorgWarner (Ungarn) wird es im nächsten Jahr Produktvarianten für Großkunden und Mittelstand geben. Die Kunden können wählen zwischen den Varianten Campus M und Campus L.

„Die neuen Campus-Lösungen gehen auf die jeweiligen Bedarfe der Unternehmen ein. Diese sind je nach Branche und Größe sehr unterschiedlich. Mit unseren neuen Angeboten haben wir jetzt auch für den Mittelstand eine attraktive und günstige Lösung im Bereich der digitalen Infrastruktur geschaffen“, so Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Deutschen Telekom.

Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Deutschen Telekom: „Die neuen Campus-Lösungen gehen auf die jeweiligen Bedarfe der Unternehmen ein. Diese sind je nach Branche und Größe sehr unterschiedlich.“
Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Deutschen Telekom: „Die neuen Campus-Lösungen gehen auf die jeweiligen Bedarfe der Unternehmen ein. Diese sind je nach Branche und Größe sehr unterschiedlich.“
(Bild: Deutsche Telekom AG)

Campus-Netz „M“ für den Mittelstand

Der Aufbau und Betrieb von dedizierten Netzwerken sind aufwendig. Daher entwickelt die Telekom speziell für den deutschen Mittelstand das Produkt Campus M. Die Versorgung des Firmengeländes erfolgt dabei über das öffentliche Netz. Dafür ist eine perfekte Mobilfunkabdeckung bis in jeden Winkel des Firmengeländes entscheidend. Bei Bedarf läuft das mit extra Antennen auf dem Gelände und in den Gebäuden.

Die Daten gehen logisch getrennt vom öffentlichen Netz an den oder die verarbeitenden Rechner. Ähnlich wie im Festnetz nutzt das Unternehmen dann ein virtuelles privates Netzwerk (VPN). Durch vereinbarte Quality-of-Service Komponenten kann Campus M für unterschiedliche Kundenbedarfe angepasst werden. So stellt eine Priorisierung des privaten Datenverkehres in Überlast-Situationen einen reibungslosen Produktionsablauf sicher.

Campus-Netz L: den Großkunden im Visier

Die Variante Campus L bietet ein eigenes, privates Mobilfunknetz mit zugesicherten Netzressourcen auf dem Firmengelände. Diese Lösung richtet sich vor allem an Großkunden. Sie beinhaltet nicht nur den Aufbau einer Mobilfunk-Antenne. Zusätzlich erhält der Kunde einen eigenen Server auf dem Firmengelände, der das Backend für die private Netzinfrastruktur abbildet. Auf diese Weise bleiben die Daten auf dem Campus.

Bei beiden diesen Campus-Netz-Lösungen versorgen die Mobilfunk-Antennen das Firmengelände mit einem privaten Netz. Parallel dazu machen sie auch das öffentliche Mobilfunknetz mit gleicher Signalstärke auf dem Campus verfügbar. Diese Ressource steht beispielsweise den Mitarbeitern oder Dienstleistern auf dem Firmengelände zur Verfügung, die keinen Zugang zum privaten Netz haben (sollen). Die Versorgung des Geländes wird an die Kundenbedürfnisse angepasst und gemeinsam mit ihm geplant. Dadurch ist sichergestellt, dass Produktionsabläufe und -prozesse optimal unterstützt werden können.

Datenverarbeitung in Echtzeit durch „Edge in the Box“

Einige unternehmenskritische Anwendungen erfordern Reaktionen in Echtzeit. Dazu gehört unter anderem das Steuern zeitkritischer Produktions- und Logistikprozesse. Autonome Transportsysteme, mobile Roboter oder KI-gestützte Wartung erfordern Echtzeitanalysen. Dafür wird die Telekom die Edge-Compute-Plattform anbieten. Diese Edge-Plattform minimiert die Reaktionszeiten im privaten Netz. Und das Verarbeiten großer Datenmengen in kürzester Zeit. Edge Computing erledigt das nahe am Ursprungsort – im privaten Netz beim Kunden.

T-Systems-Chef Adel Al-Saleh: „Mit der ‘Edge in the box‘ erreichen wir ultrakurze Latenzzeiten. Das ermöglicht der Industrie ganz neue Anwendungen und Automatisierung.“
T-Systems-Chef Adel Al-Saleh: „Mit der ‘Edge in the box‘ erreichen wir ultrakurze Latenzzeiten. Das ermöglicht der Industrie ganz neue Anwendungen und Automatisierung.“
(Bild: Deutsche Telekom AG)

Die Kombination aus Mobilfunknetz und Edge Computing sorgt für Reaktionszeiten im Netz von unter 10 Millisekunden - und zwar auch im 4G-Netz. „Mit der ‘Edge in the box‘ bieten wir die perfekte Erweiterung zu den Campus-Netzen.“ Das betont Telekom-Vorstand und T-Systems-Chef Adel Al-Saleh. „Damit erreichen wir ultrakurze Latenzzeiten. Das ermöglicht der Industrie ganz neue Anwendungen und Automatisierung. Abläufe in der Produktion werden effizienter und flexibler.“

Die Deutsche Telekom testet gerade einen Prototypen gemeinsam mit Partnern. Der Test läuft in der 5G-Fabrik im „Center Connected Industry“ auf dem Campus der RWTH-Aachen. 2020 wird der kommerzielle Einsatz der Edge-Compute-Plattform starten.

Edge Cloud aus dem Netz

Ein weiterer Service nutzt die Edge Cloud. Die Telekom richtet dafür vier Edge-Cloud-Rechenzentren für das Mobilfunknetz ein. Diese Ressourcen bietet die Telekom als Add-on sowohl für Campus L als auch für Campus M an.

Beim Produkt Campus L ist die Edge Cloud Back-Up für die lokale Edge-Plattform. Das sichert den Betrieb der Edge-Anwendungen selbst bei einem lokalen Ausfall. Mit den neuen Rechenzentren können aber auch Campus M Kunden latenzkritische Anwendungen betreiben. Sie benötigen damit kein spezielles Rechenzentrum auf dem eigenen Werksgelände. Die Telekom bietet ihnen einen gemanagten Service als Zusatzoption. Der Mittelstand profitiert so von zusätzlichen Services, ohne in eigene Infrastruktur zu investieren.

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