Intelligente Stromzähler Rollout für Smart Meter kann beginnen

| Redakteur: Hendrik Härter

Jetzt hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) den offiziellen Startschuss für Smart Meter gegeben. Drei Hersteller haben ein Zertifikat bekommen. Doch was ist beim Einbau zu berücksichtigen und wer muss überhaupt ein Smart Meter verwenden?

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Der Energieverbrauch wird bisher über die klassischen Ferraris-Zähler gemessen. Ab jetzt kann der Einbau der Smart Meter erfolgen.
Der Energieverbrauch wird bisher über die klassischen Ferraris-Zähler gemessen. Ab jetzt kann der Einbau der Smart Meter erfolgen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Der Startschuss für das Rollout intelligenter Messsysteme, den sogenannten Smart Meter, ist gefallen. Mit der am 31. Januar 2020 veröffentlichten Marktanalyse des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat es die technische Möglichkeit zum Einbau von Smart-Meter-Gateways als Herzstück des intelligenten Messsystems festgestellt. Jetzt haben die grundzuständigen Messstellenbetreiber drei Jahr Zeit, um 10 Prozent der Pflichteinbauten abzuarbeiten. Danach weiter fünf Jahr für die 100 Prozent. „Nach einem jahrelangen Prozess kann nun die systematische Einführung intelligenter Messsysteme beginnen und eine zentrale Säule der Energiewende realisiert werden“, sagte Anke Hüneburg, Bereichsleiterin Energie im ZVEI.

Mit der Marktanalyse bestätigt das BSI, dass die zertifizierten Smart-Meter-Gateways die hohen Sicherheitsanforderungen sowie eichrechtlichen Bedingungen erfüllen. Die Smart-Meter-Gateways wurden nach Anwendungsfällen differenziert freigegeben. „Hier hätten wir uns durchaus ein offensiveres, innovationsfreundlicheres Ergebnis gewünscht, denn technisch ist bereits heute nachweislich viel mehr möglich“, bewertet Hüneburg die Marktanalyse. Das Potenzial, das sich durch die hochsichere Kommunikationsplattform des Smart-Meter-Gateways biete, müsse breit nutzbar gemacht werden. Der Prozess dazu müsse schneller und unkomplizierter laufen als bisher.

Drei Hersteller erhalten Zertifikat vom BSI

Von Seiten des BSI hatte EMH Metering aus Mecklenburg-Vorpommern das dritte Zertifikat erhalten. Das zweite Zertifikat erhielt die Firma Sagemcom Dr. Neuhaus und das erste Zertifikat der Hersteller PPC vor bereits über einem Jahr.

Peter Heuell, Geschäftsführer der EMH: „Endlich fällt der Startschuss, um die Infrastruktur für ein digitales Energiesystem auszurollen. Wir bedauern, dass die Aufgabe des Schaltens von EEG-Anlagen es nicht in die erste Runde des Rollouts geschafft hat. Das EEG muss jetzt schnell angepasst werden, damit Smart Meter diese wichtige Aufgabe erfüllen können. Technisch sind sie dazu längst in der Lage. Entscheidend ist, dass Messstellenbetreiber jetzt leistungsstarke Geräte einbauen, mit denen sie dann langfristig für neue Geschäftsmodelle gerüstet sind. Gleichzeitig müssen die Standards geschaffen werden für weitere Anwendungen, wie die E-Mobility.“

Was ist beim Einbau zu berücksichtigen?

Ein Strom-Smart-Meter für einen durchschnittlichen Haushalt mit vier Personen im Einfamilienhaus kostet pro Jahr in der Regel maximal 60 Euro. Das Sparpotenzial liegt laut Studien im Schnitt bei 60 bis 150 Euro. Pro Haushalt können zwischen 100 und 260 kg CO2 vermieden werden.

Wer Eigentümer oder Mieter einer Wohnung oder eines Hauses ist, kann auch freiwillig ein Smart Meter einbauen lassen. Mieter können das für Strom noch bis Ende des Jahres selbst entscheiden. Danach ist es Sache des Vermieters.

Freiwilliger Einbau eines Smart Meters

Für den freiwilligen Einbau eines Smart Meters gibt es zwei Ansprechpartner:

  • Messstellenbetreiber mit Smart-Meter-Angebot oder
  • Stromanbieter mit Tarifen inklusive Smart Meter.

Allerdings gelten bei einem solchen freiwilligen Wechsel keine gesetzlichen Preisobergrenzen für Smart Meter. Für Umbauten am Zählerkasten oder andere Zusatzleistungen gelten generell keine Preisobergrenzen. Bei der Auswahl eines Messstellenbetreibers oder Stromtarifs mit Smart Meter sollten Eigentümer und Mieter auch auf Schnittstellen achten. Denn nur wenige Smart Meter lassen sich bisher mit anderen Geräten wie privaten Ladesäulen für Elektroautos, Wärmepumpen oder Smart-Home-Zentralen verbinden.

Wer muss ein Smart Meter einbauen?

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wird die allgemeine Zulassung für Smart Meter erteilen. Damit greift die gesetzliche Pflicht zum Einbau von Smart Metern für Strom. Sie gilt:

  • für Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr,
  • für Betreiber von stromerzeugenden Anlagen wie Solaranlagen mit einer Nennleistung von über 7 Kilowatt (kW) und
  • für Nutzer von Wärmepumpe oder Nachtspeicherheizung mit verringertem Netzentgelt.

Ab 2020 liegt die Entscheidung über den Einbau von digitalen Stromzählern (Smart Meter ohne Kommunikationsmodul) bei den Messstellenbetreibern, ab 2021 auch bei den Vermietern. Dann ist der Einbau zu dulden.

„Der lang erwartete Smart-Meter-Rollout wird dafür sorgen, dass unsere Energie-Infrastruktur bedeutend smarter wird. Der morgige Startschuss lässt sich vielleicht am besten mit der Einführung der ersten Smartphones vergleichen: Mit der Hardware entwickeln sich völlig neue Anwendungen“, sagt Robert Spanheimer, Energieexperte des Digitalverbandes Bitkom. „Die Vielfalt der künftigen Dienste, die auf den Smart Metern aufsetzen, lässt sich derzeit nur erahnen. Die besonders abgesicherte Kommunikationsinfrastruktur bietet zudem auch anderen Branchen ganz neue Anwendungsmöglichkeiten, etwa im Gesundheitswesen.“

Agil neue Geschäftsmodelle entwickeln

Mit dem Smart Meter Gateway als Anker für Datenschutz und sichere Kommunikation können die intelligenten Messsysteme nicht nur den Stromverbrauch übermitteln, auch der der Verbrauch von Erdgas, Wasser oder Wärme kann künftig so komfortabel weitergegeben werden. Die Anwendungsmöglichkeiten gehen jedoch noch viel weiter. Die Smart Meter helfen Stromfresser in den Haushalten zu erkennen und liefern basierend auf den Daten konkrete Tipps zum Energiesparen. Darüber hinaus ermöglicht die digitale Infrastruktur das gesteuerte Laden von Elektrofahrzeugen und vermeidet damit erhebliche Kosten für einen sonst benötigten Netzausbau in Wohngebieten und leistet so einen wesentlichen Beitrag auch zur Verkehrswende.

Aus Sicht des Bitkom kommt es nun darauf an, dass in einem agilen Prozess die Funktionen und Geschäftsmodelle basierend auf den Smart Meter Gateways rasch erweitert und kontinuierlich fortentwickelt werden. So werden derzeit Standards für wesentliche Smart-Meter-Funktionen noch definiert. Das betrifft zum Beispiel das Laden von Elektroautos, wenn gerade günstiger Windstrom zur Verfügung steht, oder die Direktvermarktung von Strom aus Blockheizkraftwerken.

„Die Digitalisierung im Verteilnetz kommt nicht auf einen Schlag, sie ist ein Prozess. Dienste und Vertriebsangebote können erst entstehen, wenn eine ausreichend große Kundenzahl über das Smart Meter Gateway erreicht werden kann“, so Spanheimer. „Von entscheidender Bedeutung ist, dass die notwendigen Standards schnell weiterentwickelt werden. Nach der langen Anlaufphase bis zum Smart-Meter-Rollout können wir uns jetzt nicht schon wieder eine Pause gönnen.“

Große Bereitschaft zur Nutzung von Smart Meter

In der Bevölkerung gibt es eine große Bereitschaft, Smart Meter zu nutzen. So würden zwei Drittel (66 Prozent) der Bundesbürger Geräte wie elektrische Heizungen oder Kühlgeräte automatisch so steuern lassen, dass das Stromnetz stabilisiert wird und Ressourcen geschont werden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1.003 Bundesbürgern ab 16 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Marktanalyse „Smart Metering Systems“ vom BSI (externer Link)

WLAN-Kommunikationsadapter für Stromzähler

Als erstes Mitglied seiner neuen MCA-Produktfamilie stellt IK Elektronik zur Fachmesse E-world energy and water (11. bis 13. Februar, Essen) in Halle 5 an Stand 5-420 den MCA-WLAN vor. MCA-WLAN (MCA = „Meter to Cloud Adapter“) verbindet den Stromzähler über WLAN mit der Cloud und ermöglichst so einen Zugriff auf die aktuellen Verbrauchsdaten durch den Verbraucher bzw. Endanwender.

MCA-WLAN besitzt einen integrierten Ringmagneten und wird direkt auf die optische Datenschnittstelle von Stromzählern aufgesetzt. MCA-WLAN erfasst vom Zähler zyklisch relevante Daten und überträgt sie per WLAN in eine Cloud. Dem Verbraucher bzw. Endanwender können die Verbrauchsdaten in Form von Mehrwertdiensten zur Verfügung gestellt werden.

Dazu gehören die Visualisierung der Energieverbräuche über Smartphone-Apps und die Steuerung von Verbrauchern über Smart-Home-Systeme. MCA-WLAN kann z.B. zur optimalen Verbrauchssteuerung im Haus und in Wohnungen benutzt werden. Für Stadtwerke und Messstellenbetreiber eröffnen sich durch den Einsatz des MCA neue Geschäftsfelder mit hoher Kundenbindung.

Neben dem MCA-WLAN wird das Unternehmen zwei weitere Produktvarianten auf den Markt bringen:
- MCA-S mit Sigfox-Schnittstelle und
- MCA-M mit NB-IoT-Schnittstelle

Darüber hinaus sind durch IK Elektronik angepasste und kundenspezifische Varianten realisierbar, darunter auch abweichende Funkschnittstellen wie OMS oder Bluetooth.

Der Artikel ist ursprünglich auf unserem Partnerportal elektronikpraxis erschienen.

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