Elektronik-Distribution

Reichelt feiert 50-jähriges Bestehen

| Autor: Reinhold Schäfer

Der Elektronikdistributor Reichelt Elektronik wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Alles begann damals mit dem lokalen Verkauf von Antennenverstärkern. Heute hält der Versender über 110.000 Produkte parat und beliefert Kunden in 100 Ländern.

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Noch immer bleibt für Reichelt der Katalog ein wichtiger Umsatzgarant. Abgebildet ist das Katalogcover von 1993 (Ausschnitt).
Noch immer bleibt für Reichelt der Katalog ein wichtiger Umsatzgarant. Abgebildet ist das Katalogcover von 1993 (Ausschnitt).
( Bild: Reichelt )

Wir älteren erinnern uns noch daran: Wollten wir auch entfernte Radio- oder Fernsehsender über die Antenne empfangen und hatte man schon die größte ausgewählt, konnte nur noch ein Antennenverstärker helfen, weiter entfernte Sender zu empfangen. Auch half er, das Signal zu verstärken, um ohne Signalabschwächung parallel dazu weitere Empfangsgeräte anschließen zu können.

Und mit genau diesem Produkt begann die Reichelt Elektronik GmbH, gegründet von den Eheleuten Reichelt in Wilhelmshaven, mit ihrer Geschäftsaktivität am 1. Mai 1969. Anfangs warb man in der örtlichen Lokalzeitung und später zusammen mit weiteren Elektronikprodukten mit einem eigenen DIN-A-4-Katalog, der an mögliche Interessenten gesendet wurde. Die Elektronikprodukte waren beliebt und so wurde schon im Jahr 1976 erweitert und in neue Geschäftsräume umgezogen.

Vom Jungingenieur zum CEO

Als das Unternehmen 20 Mitarbeiter hatte, trat, nach einer umfassenden Ausbildung in den Bereichen Elektronik und Ingenieurswesen, ein junger Mann mit Namen Ulf Timmermann am 1. Juli 1986 als Abteilungsleiter ins Geschäft ein. Und nach der Scheidung von ihrem Mann, übernahm Frau Reichelt 1989 die Unternehmensführung. Timmermann sah es als wichtig an, weitere Produkte anbieten zu können und wurde immer wieder bei Frau Reichelt vorstellig, um die Erweiterung der Produktpalette voranzutreiben. Damit verbunden stieg auch die Mitarbeiterzahl auf 80 an und das erforderte 1996 einen weiteren Umzug in neue Räume in der Nachbarstadt Sande.

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Und wieder war es Timmermann, der eine Petition an Frau Reichelt sendete, in der er die Implementierung eines modernen, Hightech-Kommissionierungssystems forderte, das dann auch im Unternehmen erfolgreich eingeführt wurde. Ziel war es, maßgeschneiderte Lösungen für Reichelt zu erhalten, die besser als der Industriestandard sind. Dies prägt laut Timmermann bis heute maßgeblich die Prozesse im Unternehmen. Die Promotion, Sortierung, Verpackung und der Versand von 30.000 Produkten erforderte dann 2005 die Inbetriebnahmen eines neuen Logistik-Zentrums.

2010 ging Frau Reichelt in Rente. Timmermann leitete zu diesem Zeitpunkt die Elektronikabteilung. Mit der Übernahme des Unternehmens durch die Dätwyler Holding AG (Schweizer Zuliefererbetrieb und Distributor von technischen und elektronischen Komponenten) wurde er zum CEO und zum Leiter des dreiköpfigen Managementteams.

Weiterhin auf Wachstumskurs ausgerichtet

Der seinen Mitarbeitern für seine lebhafte Art und seine Hands-On-Mentalität bekannte Geschäftsführer ist sich sicher: „Wir sind weiterhin auf Wachstumskurs, möchten unseren Bekanntheitsgrad in Deutschland weiter steigern und das Angebot für unsere Zielgruppe ausbauen.“ Von Beginn an sei die Firmengeschichte durch Expansion geprägt: ob durch die beständige Erweiterung des Logistikzentrums oder die Vergrößerung der Belegschaft.

„Mit dem Wachstum muss man auch intern Prozesse umstellen, um trotz der Größe noch agil zu bleiben. Deshalb haben wir ein großes Augenmerk darauf, unsere Geschäftsprozesse effektiv zu gestalten, indem wir maßgeschneiderte Lösungen entwickeln – wie zum Beispiel unser einzigartiges, smartes Kommissionierungssystem“, bekräftigt Timmermann nicht ohne Stolz. Er fährt fort: „Unsere Lösungen sind vom Design bis zur Programmierung spezifisch auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten und selbst gebaut – das heißt, wir sind unabhängig und flexibel und können uns schnell an Marktveränderungen anpassen.“ Dabei ziehen laut Timmermann alle an einem Strang, unabhängig von der Stellung im Unternehmen.

„Außerdem liegt für uns im Ausland enormes Potenzial. Wenn wir in neue Länder expandieren, stellen wir die größte Resonanz bei der gleichen Community fest, die wir auch in Deutschland ansprechen – also gleichermaßen Privatleute und Unternehmen, die in der Elektronik zuhause sind. Hier merken wir schnell, dass wir uns gut verstehen – auch wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen“, erklärt Timmermann.

Doch auch für Reichelt ist der Onlinehandel seit Jahren ein entscheidender Wachstumstreiber – gerade im Ausland, wo Reichelt laut Timmermann den größten Teil seines Umsatzes über das Onlinegeschäft erzielt: „Mittlerweile liefert Reichelt Produkte in 100 Länder. Deshalb entwickeln wir konstant unsere Website weiter, um unseren Kunden die Bestellung online zu erleichtern und sie dabei bestmöglich zu beraten – auch über Ländergrenzen hinweg.“

Bestellung per Fax nimmt immer noch zu

Trotzdem sollte man laut Timmermann die klassischen Kanäle nicht unterschätzen: „Auch in unserer digitalisierten Welt verarbeiten wir noch eine große Anzahl an Faxen am Tag – und der Zulauf nimmt nicht ab.“ Timmermann ist davon überzeugt, dass man als Unternehmen seinen eigenen Weg finden und sich nicht verrückt machen lassen darf. „Der Katalog ist neben unserem Onlineshop nach wie vor ein essentieller Bestandteil unserer Verkaufsstrategie. Das Interesse der Kunden am physischen Katalog ist ungebrochen. Auch aktuell bestellen viele Nutzer auf unserer Website den Katalog– für uns ein wichtiger Indikator, den Katalog beizubehalten.“

Tatsächlich haben viele unserer Konkurrenten ihren Katalog abgeschafft, nur um ihn danach wieder einzuführen. Sogar Amazon gibt seit Ende letzten Jahres in den USA wieder einen physischen Katalog heraus. Gerade jetzt in Zeiten der Datenschutz-Herausforderungen ist diese Art von Printwerbung für uns noch viel wichtiger geworden. Wir werden also auch in Zukunft beim Katalog bleiben. Auch das bedeutet für Timmermann Agilität: „Innovativ denken, Neues ausprobieren, aber auch den Wert des Traditionellen kennen.“

Workflows werden permanent optimiert

Timmermann sieht die Erweiterung des Sortiments für die Zielgruppe seines Unternehmens von entscheidender Bedeutung: „Wir sind kein Vollsortimenter und das ist auch nicht unser Ziel – wir werden uns weiterhin in unserer Nische der Distributionslandschaft bewegen und diese konsequent ausbauen.“ Nur so gelinge es, den Qualitätsstandard zu halten. „Als Frau Reichelt das Unternehmen 2010 verlassen hat, hatten wir rund 40.000 Produkte im Sortiment. Mittlerweile bieten wir über 110.000 verschiedene Artikel an. Dieses Wachstum ist notwendig, weil wir den steigenden Ansprüchen unserer Kunden genügen wollen“, fährt Timmermann fort.

Außerdem optimiere man kontinuierlich die Workflows, um die Markteinführungszeit der Produkte so gering wie möglich zu halten. „Ein innovatives Produkt können wir binnen zwei Stunden weltweit vermarkten. Das ist eine unserer größten Stärken“, schließt Timmermann.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal "MM Maschinenmarkt" erschienen.

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