ICNIRP Neue Richtlinien für EMF-Exposition bei 100 kHz bis 300 GHz

Redakteur: Jürgen Schreier

Was die gesundheitlichen Risiken von 5G anbetrifft, gehen sie Meinungen auseinander. Orientierung sollen die neuen Richtlinien zu 5G und anderen Funkstandards geben, die dieser Tage von der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) veröffentlicht wurden.

Mobilfunkfunkmasten stoßen bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auf Vorbehalte.
Mobilfunkfunkmasten stoßen bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auf Vorbehalte.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) hat neue Richtlinien zum Schutz von Menschen, die hochfrequenten elektromagnetischen Feldern ausgesetzt sind, veröffentlicht. Die Richtlinien decken die kommenden 5G-Technologien sowie AM- und DAB-Radio, Wi-Fi, Bluetooth und die derzeit verwendeten 3G/4G-Mobiltelefone ab.

Aktualisierte Richtlinien sollen die Menschen beruhigen

Der Vorsitzende der ICNIRP, Dr. Eric van Rongen, sagte, die Erstellung der neuen Richtlinien für elektromagnetische Felder hätten sieben Jahre gedauert. Sie seien für die höheren Frequenzen, die in Zukunft für 5G verwendet werden sollen, besser geeignet als die Richtlinien von 1998.

"Wir wissen, dass Teile der Gemeinschaft über die Sicherheit von 5G besorgt sind, und wir hoffen, dass die aktualisierten Richtlinien dazu beitragen werden, die Menschen zu beruhigen", so Van Rongen. "Die Richtlinien wurden nach einer gründlichen Durchsicht der gesamten relevanten wissenschaftlichen Literatur, wissenschaftlichen Workshops und einem umfangreichen öffentlichen Konsultationsprozess entwickelt. Sie bieten Schutz vor allen wissenschaftlich belegten gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch EMF-Exposition im Bereich von 100 kHz bis 300 GHz."

Das Gremium stützte sich auf wissenschaftliche Berichte, die für die Weltgesundheitsorganisation, die Europäische Kommission, nationale Expertengruppen und die kontinuierliche Überwachung neuer Forschungsarbeiten erstellt wurden. Dabei wurden keine Hinweise darauf gefunden, dass 5G-Technologien ein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen. So könnten 5G-Technologien keinen Schaden anrichten, wenn diese neuen Richtlinien eingehalten würden, erklärt der ICNIRP-Vorsitzende.

Detailliertere Expositionsrichtlinien für Frequenzen über 6 GHz

Die ICNIRP veröffenlichte erstmals 1998 ihre internationalen Richtlinien zum Schutz vor schädlichen Auswirkungen von Hochfrequenzfeldern. Die wichtigsten Änderungen der Richtlinien für 2020, die für 5G-Expositionen relevant sind, betreffen Frequenzen über 6 GHz. Diese beinhalten: die Hinzufügung einer Beschränkung für die Exposition des gesamten Körpers; die Hinzufügung einer Beschränkung für kurze (weniger als sechs Minuten) Expositionen in kleinen Körperregionen; und die Reduzierung der maximal zulässigen Exposition in einer kleinen Körperregion.

"Bei der Überarbeitung der Richtlinien haben wir die Angemessenheit der von uns 1998 veröffentlichten Richtlinien geprüft. Wir stellten fest, dass die vorherigen in den meisten Fällen konservativ waren und dass sie immer noch einen angemessenen Schutz für die aktuellen Technologien bieten", so Van Rongen. "Die neuen Richtlinien bieten jedoch bessere und detailliertere Expositionsrichtlinien, insbesondere für den höheren Frequenzbereich über 6 GHz, der für 5G und zukünftige Technologien, die diese höheren Frequenzen nutzen, von Bedeutung ist. Weitere kleinere Änderungen an den Richtlinien sind größere Transparenz, um die Logik und wissenschaftliche Grundlage der Richtlinien für die Gemeinschaft des Gesundheitsschutzes leichter zugänglich zu machen; zusätzliche Mittel zur Beurteilung der Einhaltung der Richtlinien; und eine größere Spezifizierung, wie komplizierte Expositionsszenarien bewertet werden können. Die vollständigen Richtlinien werden in der wissenschaftlichen Zeitschrift Health Physics - ICNIRP veröffentlicht.

Die Richtlinien zur Begrenzung der Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern (100 kHz bis 300 GHz) sind unter ICNIRP.org abrufbar.

GSMA: Aktualisierung ändert nichts an der globalen 5G-Einführung

Der Verband der Mobilfunkindustrie GSMA stellte bezüglich der Novellierung der Richtlinien fest, dass die Aktualisierung nichts an der globalen Einführung der Netze der nächsten Generation ändern würde, da die heutigen Messungen zeigten, dass "die Gesamtexposition durch alle 5G-Mobilfunksignale ähnlich wie bei den bestehenden Mobilfunknetzen ist und weit unter den aktualisierten internationalen Sicherheitsrichtlinien liegt".

Was ist bei 5G anders?

Es gibt eine Reihe von Unterschieden zwischen 5G und früheren Mobilfunkstandards wie 2G oder 3G. Einer davon ist, dass zusätzlich zu den EMF-Frequenzen, die für 3G- und 4G-Standards verwendet werden, einige 5G-Kommunikationstechnologien höhere EMF-Frequenzen verwenden (in Deutschland 2 GHz und 3,6 GHz). Elektromagentische Felder bei höheren Frequenzen dringen weniger tief in den Körper ein; die Einschränkungen in den ICNIRP-Richtlinien tragen dem Rechnung, um sicherzustellen, dass die Exposition keinen Schaden verursacht.

Ein Hauptmerkmal des 5G-Funkstandards ist das sogenannte Beamforming (Strahlformung), die es ermöglicht, die RF-Strahlung auf die Region zu fokussieren, in der sie benötigt wird (z.B. auf eine Person, die ein Mobiltelefon benutzt), anstatt sie wie bei älteren Mobilfunktechnologien über eine große Fläche zu verteilen. Dies reduziert die EMF-Exposition in Regionen, in denen keine Kommunikation erforderlich ist.

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