Dr. Craig Labovitz, CTO von Nokia Deepfield Netzwerke bewältigen Anstieg des Datenverkehrs gut

| Redakteur: Jürgen Schreier

Nach mehreren Wochen im Lockdown bleibt die Internetnutzung auf sehr hohem Niveau. Dr. Craig Labovitz, CTO von Nokia Deepfield, fasst in seinem aktualisierten Blogbeitrag einige Erkenntnisse über die Wochen im März 2020 zusammen.

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Den stark gestiegenen Datenverkehr stecken die Netze gut weg.
Den stark gestiegenen Datenverkehr stecken die Netze gut weg.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Unmittelbar nach dem Lockdown wurde ein deutlicher Anstieg des Datenverkehrs beobachtet – an Wochentagen um mehr als 45 Prozent und in einigen Fällen sogar um mehr als 50 Prozent. An den Wochenendabenden legte der Datenverkehr um um mehr als 20 bis 40 Prozent gegenüber den Werten vor dem Lockdown zu.

Abgesehen von ein paar Ausreißern haben sich die Netze in Europa mit Blick auf die Datenspitzen an den Wochenenden weitgehend stabilisiert. Sie liegen aber weiterhin deutlich über dem Niveau der Vor-Pandemie-Zeit. Vor allem abends an den Wochenenden muss sich immer wieder beweisen, ob die Netze die zusätzliche Nachfrage bewältigen können.

Am Wochenende ist der Datenverkehr am höchsten

Nach wie vor ist der größte Teil des Datenverkehrs zu den Spitzenzeiten (Freitag bis Sonntag, 21.00 bis 23.00 Uhr) durch Videostreaming bedingt. Ein Spitzenwert wurde am 4. April in Spanien erreicht. Einen Tag zuvor hatte Netflix die mit Spannung erwartete vierte Staffel der beliebten Serie „Haus des Geldes“ (Original: „La Casa de Papel“) veröffentlicht.

Beim Upstream (d.h. wenn User die Daten senden) ist im März 2020 ein 30-prozentiger Anstieg des Datenverkehrs gegenüber den Werten vor der Pandemie festzustellen (am Beispiel ausgewählter Netze in den USA). Dieser Anstieg ist wahrscheinlich eine Folge des enormen Wachstums bei Videokonferenzen und Co. Auch bei der Office-Suite von Microsoft ist angesichts der vielen Menschen, die im Home Office arbeiten; eine Zunahme des Upstream-Datenverkehrs zu sehen.

Web-Browsing feiert Renaissance

Ein weiterer interessanter Befund ist, dass sowohl an Wochentagen als auch am Wochenende das Web-Browsing auf Platz 2 der datenhungrigsten Anwendungen (nach den Videoanwendungen) liegt – mit einem viel höheren Volumen als es etwa Gaming oder die Nutzung sozialer Netzwerke verursachen.

Von Februar bis Anfang April zeigen die Analysen einen stetigen Anstieg von DDoS-Angriffen (+40 Prozent). Dieser Anstieg könnte mit der signifikanten Zunahme von DDoS-Angriffen im Zusammenhang mit Glücksspielen zusammenhängen.

Großes Plus bei DDoS-Angriffen

DDoS-Angriffe zielen mit verschiedenen Techniken darauf ab, Websites oder Online-Dienste funktionsunfähig zu machen. Sie bedrohen dadurch die Existenzgrundlage und den Ruf von Unternehmen. Wenn man die möglichen Folgen solcher Angriffe bedenkt, steht gerade jetzt viel auf dem Spiel, da Breitbandkonnektivität vor allem im industriellen Umfeld (IIoT) immer wichtiger wird.

"Der Spitzenverkehr nimmt in allen Regionen weiter zu, hauptsächlich als Folge des Streaming-Video- und Videokonferenzverkehrs, aber der Anstieg verlangsamt sich. Die Netzwerke scheinen diesen Anstieg gut zu bewältigen", so das Fazit von Dr. Craig Labovitz.

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