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Mobilfunkausbau: Kopf-an-Kopf-Rennen der Carrier

| Redakteur: Jürgen Schreier

Die Netzbetreiber legen sich beim Ausbau der Mobilfunknetze mächtig ins Zeug. Neben dem Aufbau des 5G-Netzes steht auch der Ausbau von LTE und Narrowband-IoT auf der Agenda. Was die Carrier so alles vorhaben und was sie schon getan haben, fasst dieser Artikel kurz zusammen.

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Vodafone-Techniker aktivieren 5G in Deutschland.
Vodafone-Techniker aktivieren 5G in Deutschland.
(Bild: Valery Kloubert)

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern - pardon Mobilfunkmasten: Der Netzbetreiber Vodafone sprintet vor allem beim Aufbau "seines" 5G-Mobilfunknetzes mit Siebenmeilenstiefeln voran. Im Juli 2019 hat das Unternehmen in Deutschland das 5G-Zeitalter gestartet und als erster Netzbetreiber ein - wenn auch recht "übersichtliches" kommerzielles 5G-Netz aktiviert.

Auch bei LTE geht es zügig voran

Kunden mit den entsprechenden Smartphones können an den ersten 25 5G Stationen (60 Antennen) in Großstädten und in kleineren Gemeinden im 5G-Netz surfen. Im August sollen bereits 50 5G-Stationen mit 120 Antennen im Netz von Vodafone am Netz sein. Zeitgleich bauen die Düsseldorfer ihr LTE-Angebot weiter aus. Die Technik-Experten von Vodafone haben seit Jahresbeginn 2700 LTE-Bauprojekte geschafft und eine Fläche von 8000 Quadratkilometern erstmals mit LTE versorgt. Mit diesen Maßnahmen hat Vodafone LTE zu 1,3 Millionen weiteren Menschen gebracht. Der Telco-Konzern erreicht damit 94,5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Bis zum Ende des Geschäftsjahres folgen 2600 weitere LTE-Bauprojekte.

Vodafone-Deutschland-CEO Hannes Ametsreiter mit CTO Gerhard Mack beim Start des 5G-Handy-Netzes
Vodafone-Deutschland-CEO Hannes Ametsreiter mit CTO Gerhard Mack beim Start des 5G-Handy-Netzes
(Bild: Vodafone)

„Wir sind beim Netzausbau auf Kurs“, bekräftigt Vodafone-Deutschland-CEO Hannes Ametsreiter. „Wir bringen Deutschland ins 5G-Zeitalter und treiben für unsere Kunden den LTE-Ausbau voran – vor allem auf dem Land.“

Auch das Maschinennetz Narrowband-IoT breitet sich laut Vodafone immer weiter aus und deckt aktuell 83 Prozent der Fläche in Deutschland ab.

Für den unlängst gestarteten 5G-Betrieb nutzt Vodafone schon jetzt verfügbare Frequenzen im 3,5 Gigahertz Bereich. „Alles was groß werden will, muss einmal klein beginnen“, so Firmenchef Ametsreiter. „Wir wollen mit den ersten 5G-Stationen lernen, wann und wo unsere Kunden 5G schon heute benötigen. um unseren weiteren Ausbau zu optimieren.“ Bis zum Ende des Jahres 2020 will das Telekommunikationsunternehmen zehn Millionen Menschen mit 5G erreichen, bis zum Ende des Jahres 2021 rund 20 Millionen.

Vodafone startet kostenloses 5G-Roaming im Ausland

Kunden mit 5G-Smartphone und 5G-Tarifoption von Vodafone können die neue Mobilfunktechnologie übrigens auch im Ausland nutzen. Der Carrier startet kostenloses 5G-Roaming in Italien, Spanien und Großbritannien. Das neue 5G-Netz von Vodafone funkt in diesen Ländern an ersten Stationen in insgesamt 35 Städten - darunter wichtige Wirtschaftsmetropolen und beliebte Urlaubsziele wie Mailand, Turin, Rom, London, Madrid und Barcelona.

In UK funktioniert das 5G-Roaming außerdem in Birmingham, Bristol, Liverpool, Manchester und Glasgow. Erste 5G-Stationen hat Vodafone außerdem in kleineren Städten wie Lancaster oder Birkenhead aufgeschaltet. In Italien hat Vodafone in diesem Monat 5G-Standorte in Mailand, Turin, Bologna, Rom und Neapel gestartet. In Spanien ist 5G momentan in insgesamt 15 Städten verfügbar. 5G-Antennen funken auch in Valencia und Sevilla.

„Wir verfügen über das größte 5G-Roaming-Netz in Europa. Die 5G-Stationen in Italien, Spanien und Großbritannien funken auch für unsere Kunden aus Deutschland“, so Vodafone-Deutschland-Chef Ametsreiter.

Narrowband-IoT fast flächendeckend verfügbar

Mit Mobilfunk (2G, 3G, LTE, 5G) versorgt der Düsseldorfer Konzern aktuell rund 99,8 Prozent der Bundesbürger. Von täglich 78 Millionen mobilen Telefonaten sind im Vodafone-Netz mehr als 99,6 Prozent der Anrufe von Anfang bis Ende erfolgreich. Täglich brechen im Netz von Vodafone bundesweit 58.000 Telefonate weniger ab als vor einem Jahr.

Das Vodafone-Maschinennetz (Narrowband-IoT), das beim Ausbau ebenfalls Priorität besitzt, ist speziell für die strom- und kostensparende Vernetzung von Sensoren. Zum Beispiel in der Industrie oder in der Landwirtschaft. Im Herbst funkt das Netz speziell für das Internet der Dinge auf einer Fläche von rund 95 Prozent in Deutschland. Dafür aktivieren die Vodafone Techniker spezielle Module an den bestehenden LTE-Stationen. Aktuell versorgt Vodafone 83 Prozent der Fläche in Deutschland mit dem Maschinennetz.

Mehr LTE, höhere Geschwindigkeiten und eine noch einmal deutlich verbesserte bundesweite Mobilfunkversorgung – das besitzt für Telefónica Deutschland Priorität. Allein im bisherigen Jahresverlauf hat das Unternehmen 4400 neue LTE-Sender in ganz Deutschland in Betrieb genommen. Mit insgesamt rund 10.000 geplanten LTE-Aufrüstungen setzt Telefónica Deutschland in diesem Jahr das größte LTE-Ausbauprogramm seiner Unternehmensgeschichte um.

Telefónica hat eigenes LTE-Netz weiter verdichtet

„Mit unserer LTE-Ausbauoffensive verbessern wir die Mobilfunkversorgung in der gesamten Bundesrepublik. Das kommt in allererster Linie unseren Kunden zugute, die von einem kontinuierlich besseren Netz profitieren“, sagt Cayetano Carbajo Martín, Chief Technology Officer (CTO) von Telefónica Deutschland. „LTE ist und bleibt eine zentrale Technologie für die Digitalisierung in Deutschland. Die Leistungsgrenze für Alltagsanwendungen ist noch längst nicht erreicht. Im Sinne unserer Kunden bringen wir daher mit Hochdruck schnelles Internet auch in die Fläche.“

Cayetano
Cayetano Carbajo Martín, Chief Technology Officer (CTO) von Telefónica Deutschland: "LTE ist und bleibt eine zentrale Technologie für die Digitalisierung in Deutschland. Die Leistungsgrenze für Alltagsanwendungen ist noch längst nicht erreicht."
(Bild: Telefónica Deutschland)

In Groß- und Kleinstädten hat Telefónica Deutschland das eigene LTE-Netz in den vergangenen Monaten weiter verdichtet und bestehende LTE-Standorte um zusätzliche LTE-Kapazitäten aufgerüstet. Der Fokus des LTE-Ausbaus liegt aber vor allem auf ländlichen Regionen, die bisher noch nicht mit LTE versorgt sind. Dabei verbesserte das Unternehmen im letzten halben Jahr die LTE-Abdeckung in mehreren Tausend Gemeinden aller Bundesländer – von Nordfriesland bis ins Oberallgäu und von der Eifel bis zur Oberlausitz. Der Flächenausbau wird in den kommenden Monaten weiter intensiviert, um Kunden möglichst überall ein leistungsstarkes LTE-Netz für die mobile Datennutzung zu bieten.

Gleichzeitig verbessert Telefónica Deutschland gezielt auch die LTE-Versorgung entlang wichtiger Verkehrsinfrastrukturen wie Autobahnen, Bundesstraßen und Zugstrecken. Zuletzt errichtete das Unternehmen unter anderem an der A1 bei Mechernich, der A5 bei Efringen-Kirchen und March, an der A31 bei Velen, der B45 bei Rodgau sowie entlang der ICE-Strecke bei Neuenstein (Kalter-Sand-Tunnel) neue LTE-Stationen für ein besseres Netzerlebnis seiner Kunden.

Durchschnittlichen Datenraten bei O2 Kunden gestiegen

Telefónica Deutschland startete die LTE-Ausbauoffensive mit Beginn der zweiten Jahreshälfte 2018 – parallel zur damaligen Netzintegration. Insgesamt nahm das Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 8000 neue LTE-Sender in Betrieb. Mit diesen Maßnahmen hat Telefónica Deutschland ein Sechstel der Fläche der gesamten Bundesrepublik erstmals mit schnellem LTE im O2-Netz versorgt.

Die Fortschritte des LTE-Ausbaus zeigen sich auch bei der mobilen Datennutzung von O2-Kunden. So haben sich die durchschnittlichen Datenraten bei O2-Kunden mit LTE-Max-Vertrag seitdem um 50 Prozent erhöht – von durchschnittlich 27 Mbit/s (Q2 2018) auf 39,2 Mbit/s (Q2 2019). Laut Telefónica Deutschland sind damit sämtliche digitale Anwendungen jederzeit uneingeschränkt nutzbar.

Der Erfolg der LTE-Ausbaumaßnahmen zeigt sich auch in aktuellen Netztestergebnissen. In einem Crowdsourcing-Report des Netztestspezialisten Tutela erzielte das O2-Netz in vier der fünf getesteten deutschen Großstädte – Berlin, Köln, Hamburg und München – die besten Ergebnisse bei der Netzqualität. Dafür wurde ermittelt, in wie vielen Fällen den Kunden ein exzellentes Netz (3G und 4G) für anspruchsvolle Anwendungen wie HD Videotelefonie über Skype oder Videostreaming (720p) sowie ein gutes Netz für tägliche Basisanwendungen wie WhatsApp, E-Mail oder Webbrowsing zur Verfügung stand.

Telekom treibt Rollout von LTE weiter voran

Auch die Deutsche Telekom setzt auf LTE. Im Mai und im Juni nahm das Unternehmen 141 neue Mobilfunk-Standorte in Betrieb. Alle wurden mit LTE ausgestattet. Darüber hinaus wurden hunderte weitere Standorte neu mit LTE versorgt oder die LTE-Kapazitäten wurde erweitert.

Dirk
Dirk Wössner, Vorstand Telekom Deutschland: "Mit der Frequenzauktion haben wir das Ticket für die 5G-Zukunft gelöst. Nun wollen wir 5G möglichst schnell auf die Straße, zu unseren Kunden, bringen."
(Bild: Deutsche Telekom AG)

„LTE wird auf viele Jahre hinaus, die Grundlage für die Entwicklung des Mobilfunk bleiben", sagt Walter Goldenits, Geschäftsführer Technologie der Telekom Deutschland. „Der Rollout von LTE wird deshalb weiter vorangetrieben. Und natürlich wird jeder neue Standort auch für 5G gebraucht.“

Spitzenreiter beim Ausbau ist NRW mit 30 neuen Mobilfunk-Standorten. Hier ist in acht Wochen praktisch an jedem zweiten Tag ein Mobilfunk-Standort entstanden. Gefolgt von Bayern mit 25 Standorten und Hessen und Niedersachsen mit jeweils zwölf Standorten.

Die Telekom wird die Zahl der Mobilfunk-Standorte in Deutschland von jetzt 29.000 auf 36.000 im Jahr 2021 erhöhen. Durch den LTE-Ausbau in Deutschland schließt die Telekom Lücken im Mobilfunk und erhöht die Bandbreiten. Die Bevölkerungsabdeckung wird im laufenden Jahr auf 98 Prozent wachsen.

Dieser Ausbau ist ein wichtiger Baustein für das künftige 5G-Netz. 5G ist der Standard für Kommunikation in der Zukunft. Er kombiniert Festnetz und Mobilfunk. Die Telekom spielt bei der Entwicklung dieses weltweiten Standards eine wichtige Rolle.

Telekom will bis Jahresende rund 300 5G-Antennen in Betrieb nehmen

Was das Thema 5G anbelangt, so will die Telekom bis Jahresende rund 300 5G-Antennen an mehr als 100 Standorten bauen und in Betrieb nehmen. Der Ausbau startet in sechs deutschen Städten: Zunächst in Berlin und Bonn, dann folgen Darmstadt, Hamburg, Leipzig und München. In den nächsten 18 Monaten sollen die 20 größten Städte Deutschlands mit 5G angebunden werden. Sukzessive will man dann das Netz in weniger dicht besiedelten Gebieten ausweiten. Erste Endgeräte sowie passende Tarife für 5G sind ab sofort verfügbar. 5G-Anwendungen liefert der Telekom Tech-Inkubator hubraum. 18 Startups haben in den letzten Monaten ihre 5G Produkte im Live-Netz der Telekom in Berlin entwickelt.

„Mit der Frequenzauktion haben wir das Ticket für die 5G-Zukunft gelöst. Nun wollen wir 5G möglichst schnell auf die Straße, zu unseren Kunden, bringen. Es ist unser Anspruch, immer das beste Netz zu haben – das gilt auch für 5G. In Deutschland sind bereits fast drei Viertel der Antennenstandorte mit Glasfaser angeschlossen – wir setzen darauf jetzt auf“, so Dirk Wössner, Vorstand Telekom Deutschland. „Unsere Teams arbeiten mit Hochdruck in allen Bereichen: Vom Netz über die Tarife bis zu den Geräten und Anwendungen – wir geben überall Vollgas, damit es noch in diesem Jahr mit 5G losgehen kann."

1&1 Drillisch sucht Technologiepartner

Deutlich leisere Töne schlägt man beim vierten Bieter bei der 5G-Frequenzauktion an: bei 1&1 Drillisch. So will die Muttergesellschaft United Internet nach Presseberichten über die Marke 1&1 Drillisch in Zukunft selbst Antennen-Standorte einrichten. Dafür benötigt man jedoch Technologiepartner, die die entsprechende Netzwerkinfrastruktur liefern und unterhalten können. Neben Ericsson oder Nokia kämen dafür auch chinesische Unternehmen wie Huawei oder ZTE in Frage. Hinzu kommt, dass United Internet für das 5G-Netz von 1&1 Drillisch natürlich auch geeignete Standorte für seine 5G-Basisstationen finden muss. Und das ist anspruchsvolle Aufgabe.

In Deutschland wurden schon mehr als 70.000 Antennen-Ensembles auf Masten und Türmen montiert, nachdem zuvor teils langwierige Genehmigungsverfahren und Bürgerproteste durchlaufen wurden.

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