Projekt KoMoD

Mit V2X schnell zum freien Parkplatz

| Redakteur: Jürgen Schreier

Die Parkplatzsuche in Städten dauert mitunter länger als die eigentliche Fahrt zum Ziel. Im Rahmen des Projekts KoMoD wird jetzt erprobt, wie mit der V2X-Technologie Autofahrer zu freien Stellplätzen gelost werden können. Auch das autonome Ein- und Ausparken in Parkgaragen wird getestet.

Firmen zum Thema

In Düsseldorf kommunizieren Autos per 5G.
In Düsseldorf kommunizieren Autos per 5G.
( Bild: Valéry Kloubert )

Die Parkplatzsuche in europäischen Großstädten ist häufig zeitraubend, teuer und letztlich alles andere als umweltschonend. In London und Frankfurt suchen Autofahrer durchschnittlich 67 Stunden pro Jahr nach freien Parkplätzen. Die zusätzlichen Spritkosten, die durch das Suchen nach einem Parkplatz entstehen, belaufen sich sich für jeden Autofahrer im Schnitt auf mehr als 1250 Euro pro Jahr. Verkehrsexperten zufolge ist die Suche nach freien Parkplätzen für etwa 30 Prozent des Stadtverkehrs verantwortlich.

Herkömmliche Navis liefern nicht genügend Informationen

Dabei fehlt es keineswegs an verfügbarem Abstellplätzen für des Deutschen liebstes Kind. Denn in vielen Städten ist eigentlich genügend Parkraum vorhanden. Daten aus Großbritannien zeigen, dass der verfügbare Parkraum in vielen Städten nur zur Hälfte ausgelastet ist., weil Autofahrer keine Informationen über freie Parkplätze erhalten. „Klassische Navigationssysteme helfen uns hervorragend, unser Ziel zu erreichen. Aber sie können uns nicht dabei unterstützen freie Parkplätze zu finden – besonders in den Innenstädten“, weiß Tobias Wallerius, Ingenieur beim Automobilhersteller Ford .

Bildergalerie

Bildergalerie mit 6 Bildern

Ford und Vodafone testen deshalb eine neue Mobilfunk-Technologie, die künftig die Suche nach Parkplätzen in den Innenstädten erleichtern soll. Ein digitales Parkleitsystem informiert den Fahrer im Auto immer über die Anzahl freier Parkplätze in den Parkhäusern der Umgebung. Die Technologie navigiert den Fahrer anschließend direkt zu den freien Parkplätzen, was Zeit spart und den Stadtverkehr entlastet. Ford-Ingenieur Wallerius. „Das digitale Parkleitsystem ist eine vernetzte Fahrzeug-Technologie, die dem Fahrer helfen kann, seine Fahrt schnell zu beenden. Das spart Geld und Zeit. Und das ist gut für die Luftqualität.“

„Wenn Autos in Echtzeit Informationen mit der Verkehrsinfrastruktur austauschen, wird der Straßenverkehr ein Stück intelligenter. Autofahrer gelangen dann schneller zum Ziel. Die nervige Parkplatz-Suche kostet uns weniger Zeit und Nerven“, ist Vodafone-Innovationschef Michael Reinartz überzeugt. Ford und Vodafone testen das digitale Parkleitsystem, dass sich basierend auf Daten direkt von den Parkplätzen automatisch und in Echtzeit aktualisiert, auf dem branchenübergreifenden Testfeld KoMoD (Kooperative Mobilität im digitalen Testfeld Düsseldorf). Fahrzeuge und Parkplätze kommunizieren dabei per Mobilfunk.

Dank der Funktechnologie V2X (Vehicle-to-everything) erhalten Autos sämtliche Straßenzustands- und Parkhaus-Informationen von einem zentralen Computersystem. Kommt es auf der Route zum freien Parkplatz zu einem Verkehrsunfall oder wenn ein Parkhaus plötzlich ausgelastet ist, erhält der Fahrer auf dem Display im Armaturenbrett direkt die Empfehlungen zu alternativen Parkplätzen zu fahren.

Im Vodafone-Parkhaus parken Autos autonom

Am Vodafone Campus; wo unter anderem das autonome Fahren erprobt wird, sollen die Autos sogar fahrerlos ein- und ausparken. Dafür hat man spezielle Ultraschall-Sensoren, die von den Mobilitätsexperten von Vodafone Automotive in Italien entwickelt wurden, auf den Parkplätzen am Vodafone-Parkhaus montiert. Sie melden über das Mobilfunknetz von Vodafone, welche Parkplätze frei und welche belegt sind. Zukünftig nutzen Autos diese Informationen, um auf schnellster Router zum freien Stellplatz zu fahren.

Vodafone und das Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen zeigen, wie die Fahrzeuge basierend auf diesen Informationen autonom einparken. Auf Basis der durch den zentralen Server (Vodafone Control Hub) bereitgestellten Informationen weiß das Testfahrzeug der RWTH Aachen welche Parkplätze frei sind und steuert eigenständig dort hin.

Im Vodafone-Parkhaus steigt der Fahrer aus dem Testfahrzeug aus. Per App sagt er dem Auto, dass es auf einem der freien Stellplätze einparken soll. Dem Auto werden der Zielparkplatz sowie Routeninformationen übermittelt, um auf schnellstem Wege zum Parkplatz zu gelangen. Auf dieser Basis steuert das RWTH-Testfahrzeug vollautomatisiert im Vodafone-Parkhaus und dort bis zum freien Stellplatz. Auf Wunsch des Fahrers wird das Fahrzeug per App zur Abholung zurückgerufen. Das Auto parkt eigenständig aus, findet den Weg zum Fahrer.

KoMoD-Projektpartner erforschen vernetzte Anwendungsszenarien

Die Kooperationspartner Ford und Vodafone erforschen beim Projekt KoMoD weitere vernetzte Anwendungsszenarien, die die Straßen künftig entlasten sollen:

  • Ampel-Assistenzsysteme informieren Autofahrer über die Dauer von Rot- und Grünphasen von Ampeln. Das kann das abrupte Abbremsen vor roten Ampeln vermeiden, die Sicherheit erhöhen, den Kraftstoffverbrauch reduzieren und den Verkehrsfluss optimieren. Denn Fahrer können die Geschwindigkeiten vorausschauend anpassen.
  • Tunnel-Informationssysteme geben Autofahrer vorab Informationen über Sperrungen von Fahrspuren, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder langsam fahrenden Fahrzeuge in Tunneln.
  • Vernetzte Vario-Tafeln entlang der Hautverkehrsadern liefern aktuelle Informationen zu Großveranstaltungen, die den Nahverkehr beeinflussen können. Dazu zählen zum Beispiel Ausstellungen, Konzerte oder Fußballspiele mit vielen Zuschauern.
  • Intelligente Verkehrsleitsysteme auf der Autobahn verbessern durch die kurzfristige Anpassung von Geschwindigkeitsbegrenzungen den gesamten Verkehrsfluss.
  • Die smarte Verkehrsschild-Erkennung sendet Geschwindigkeits- und Gefahrenschild-Informationen per Mobilfunk direkt an die Autos. Während die Verkehrszeichenerkennung mit Kameras in vielen Fahrzeugen vorhanden ist, ist die Funktionsweise bei schlechtem Wetter oder umgeben von großen Fahrzeugen in Frage eingeschränkt. Die Übertragung von Verkehrsschild-Informationen an das Fahrzeug über eine Mobilfunkverbindung direkt vom Schild gewährleistet, dass alle Fahrer wichtige Sicherheitshinweise sehen.
  • Die Schlechtwetter-Warnung übermittelt aktuelle Wetterbedingungen (z.B. plötzlicher Starkregen) automatisch von einem Fahrzeug an alle Autos in der Umgebung. Wenn beispielsweise die automatischen Scheibenwischer eines Fahrzeugs Regen erkennen, wird diese Information direkt mit anderen Fahrzeugen geteilt.

Digitale Ampel-Vorhersage verbessert Verkehrsfluss

Deutsche Autofahrer verbringen jährlich mehr als 120 Stunden im Stau. Das zeigt eine aktuelle Studie des Verkehrsinformationsanbieters INRIX. Demnach ist Berlin die Hauptstadt beim stockenden Verkehr. Vor allem an den Ampeln, wo Autos, Fahrräder, LKWs und Fußgänger ihre Wege kreuzen, kommt es oft zum Stillstand. Weil Autofahrer meist nicht wissen, wann eine Ampel von rot auf grün schaltet, können sie die eigene Fahrweise nicht anpassen. Das daraus oftmals resultierende abrupte Abbremsen kostet Zeit und Sprit. Im Ernstfall kann das sogar die Ursache für Auffahrunfälle sein.

Vodafone und ZF entwickeln für dieses Problem jetzt gemeinsam eine digitale Lösung. Getestet wird diese in Düsseldorf auf der Teststrecke des Projekts KoMoD (Kooperative Mobilität im digitalen Testfeld Düsseldorf). Lichtanlagen teilen dabei ständig Informationen über die aktuelle Ampelphase mit den vernetzten Autos in der Umgebung. Diese Informationen werden dem Fahrer im Display der ZF-Testfahrzeuge in Echtzeit visuell angezeigt. .

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 46009647)