Mobilfunkversorgung LTE-Ausbau: Telefónica droht Zwangsgeld der Bundesnetzagentur

| Redakteur: Jürgen Schreier

Mobilfunkbetreiber Telefónica muss mit einem Zwangsgeld der Bundesnetzagentur rechnen. Offenbar kommt das Unternehmen mit dem Ausbau des LTE-Netzes nicht hinreichend schnell voran und konnte bis zum 31. Juni 2020 die Versorgungsauflagen aus dem Jahr 2015 nicht fristgerecht erfüllen.

LTE an jeder Milchkanne? Bei Telefónica hat man das bisher noch nicht geschafft.
LTE an jeder Milchkanne? Bei Telefónica hat man das bisher noch nicht geschafft.
(Bild: Schreier)

Was den Ausbau des LTE-Netzes in Deutschland anbelangt, scheint es bei Telefónica gehörig zu klemmen. So hat die Bundesnetzagentur hat dem Telekommunikationsunternehmen (bekannt für die Markt O2) ein Zwangsgeld in Höhe von 600.000 Euro angedroht. Grund sei die nicht fristgerechte Erfüllung der Versorgungsauflage aus der Frequenzauktion 2015, heißt es in der Mitteilung der Aufsichtsbehörde.

Telefónica war verpflichtet, bis zum 30. Juni 2020 40 Prozent der noch zur Erfüllung der Versorgungsauflage erforderlichen 7600 Standorte aufzubauen. Das Unternehmen habe die erforderliche Anzahl an Standorten noch nicht vollständig realisieren können. Wenn die Standorte nicht bis zum 31. Juli 2020 aufgebaut seien, werde die Bundesnetzagentur das angedrohte Zwangsgeld festsetzen.

Telefónica nennt Covid-19 als Grund

Gründe für die Verzögerungen liegen laut Telefónica vor allem in den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, die insbesondere zu Einschränkungen bei den Lieferketten geführt habe. Dies wiederum habe die Verzögerungen beim Netzausbau nach sich gezogen.

Bei der Höhe des Zwangsgeldes gegen Telefónica würden alle Gesamtumstände gewürdigt, insbesondere, dass Telefónica 75 Prozent der bis zum Meilenstein geforderten Standorte realisieren konnte, so die Bundesnetzagentur.

Die unmittelbaren Wettbewerber des spanischen Netzbetreiber scheinen jedoch weniger Probleme mit der Corona-Pandemie (gehabt) zu haben, denn sowohl bei der Deutschen Telekom als auch bei Vodafone werden Unternehmensberichten zufolge die Optimierung des LTE-Netzes sowie der Ausbau der 5G-Infrastruktur vehement vorangetrieben. Dabei wird unter anderen das 700-MHz-Band für 5G genutzt. Außerdem kommt die Dynamic-Spectrum-Sharing-Technologie (DSS) zum Einsatz.

Versorgungsauflagen 2015

Die Bundesnetzagentur hatte in den Zuteilungen der im Jahr 2015 versteigerten Frequenzen den Mobilfunknetzbetreibern auferlegt, dass diese ab dem 1. Januar 2020 bundesweit 98 Prozent der Haushalte und je Bundesland 97 Prozent der Haushalte mit einer Mindestdatenrate von 50 MBit/s pro Antennensektor zu versorgen haben. Überdies sind die Hauptverkehrswege (Bundesautobahn und Schiene) vollständig zu versorgen.

Die Überprüfungen der Versorgungsauflage aus der Auktion 2015 durch die Bundesnetzagentur ergab zum Ende des Jahres 2019, dass alle drei Mobilfunknetzbetreiber die Versorgungsauflagen nicht vollständig fristgerecht erfüllt hatten. Allen wurde eine Nachfrist bis Ende dieses Jahres gewährt. Begleitend legte die Behörde für die drei Netzbetreiber Zwischenziele fest.

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