Mobilfunknetze LTE-Ausbau kommt weiter voran - weil er muss

| Redakteur: Jürgen Schreier

Auch in der Krise arbeiten die Carrier am Ausbau ihrer Mobilfunknetze. So hat Vodafone in den letzten Wochen mehr als 1000 LTE-Bauprojekte fertig gestellt. Bei der Telekom geht es ebenfalls hurtig voran. Allerdings macht die Bundesnetzagentur den drei Carrieren (also auch Telefónica) ordentlich Druck.

In der Welt des Mobilfunks gibt es keine Ruhepause. Die Carrier treiben auch in der Covid-19-Krise den Ausbau ihrer LTE- und 5G-Netze voran.
In der Welt des Mobilfunks gibt es keine Ruhepause. Die Carrier treiben auch in der Covid-19-Krise den Ausbau ihrer LTE- und 5G-Netze voran.
(Bild: Schreier )

Angesichts der Coronakrise stehen weite Teile der Wirtschaft still. Der Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur kommt hingegen voran. So meldet Netzbetreiber Vodafone, dass in den letzten vier Wochen über 1000 neue LTE-Projekte realisiert worden seien.

Funkloch in Niedersachsen mit temporärer Mobilfunk-Station geschlossen

LTE-Bauprojekte wurden in insgesamt mehr als 80 Städten und Landkreisen abgeschlossen. Verbessert hat sich dadurch die LTE-Versorgung in Städten wie Aachen, Karlsruhe und Essen. Erstmals ans LTE-Netz angebunden wurden Vodafone-Kunden unter anderem in Schlüchtern, Straelen, Kranzberg, Bernried und Großengottern. Auch ein Funkloch in Niedersachsen wurde mithilfe einer temporären Mobilfunk-Station in Mühlenberg geschlossen, die bis zur Platzierzung des stationären Mobilfunk-Masts funken soll. .

Den aktuellen Stand des Netzausbaus von Vodafone zeigt eine interaktive Infografik.

Vodafone setzt auf Ausbau "mit Augenmaß"

Das Ziel ist sei für Vodafone eine möglichst flächendeckende Mobilfunk-Versorgung der Bevölkerung -. wenn auch nicht um jeden Preis. So müssten die Netze störungsfrei sein und bleiben - nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Situation, in der Home Office einen besonderen Stellenwert erreicht habe, so das Telekom-Unternehmen. Deshalb verzichte Vodafone aktuell auf Um- oder Ausbaumaßnahmen, bei denen Mobilfunk-Stationen für einen längeren Zeitraum abgeschaltet werden müssten.

Trotzdem gebe es noch immer weiße Flecken auf der Mobilfunk-Landkarte - vor allem beim Mobilfunk-Empfang innerhalb von Gebäuden und bei der LTE-Versorgung. Deshalb will der Düsseldorfer Netzbetreiber auch im weiteren Verlauf des Jahres 2020 den LTE-Ausbau parallel zum Aufbau des 5G-Netzes vorantreiben.

Telekom-LTE-Netz erreicht 98,1 Prozent der Haushalte

Die Telekom ist nach eigener Mitteilung auf ihrem Weg einer flächendeckenden Mobilfunkversorgung ebenfalls einen Schritt weiter gekommen. Deutschlandweit erreichte das LTE-Netz der Telekom Ende vergangenen Jahres 98,1 Prozent der Haushalte. Damit wurden die Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur aus der Frequenzauktion 2015 bundesweit erfüllt. Vorgeschrieben war eine bundesweite LTE-Abdeckung von 98 Prozent und für die einzelnen Bundesländer jeweils 97 Prozent.

Jedes Jahr investiert die Telekom mehr als fünf Milliarden Euro in die Infrastruktur in Deutschland. Allein 2019 hat die Telekom im Schnitt jeden Tag rund vier neue Standorte in Betrieb genommen - insgesamt 1380. Hinzu kommen 560 Standorte, die erstmals mit LTE aufgerüstet wurden. Seit Beginn des Jahres 2020 sind weitere 330 neue Standorte in Betrieb gegangen. Damit funken deutschlandweit über 30.000 Mobilfunkstandorte im Netz der Telekom.

Dadurch liegt die LTE-Haushaltsabdeckung der Telekom in den einzelnen Ländern bei folgenden Werten (Stand: Ende 2019): Bayern 97,6 Prozent, Berlin 99,9 Prozent, Brandenburg 97,5 Prozent, Bremen 99,9 Prozent, Baden-Württemberg 96 Prozent, Hessen 98,4 Prozent, Hamburg 99,9 Prozent, Mecklenburg-Vorpommern 97,5 Prozent, Niedersachsen 98,6 Prozent, Nordrhein-Westfalen 99,3 Prozent, Rheinland-Pfalz 96,5 Prozent, Saarland 95,4 Prozent, Sachsen 98,1 Prozent, Sachsen-Anhalt 98,5 Prozent, Schleswig-Holstein 98,5 Prozent, Thüringen 97 Prozent.

Zu viele Verbindungsabbrüche entlang der Bahnstrecken

In den Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland bestand Ende 2019 noch Nachholbedarf. Die Telekom hat seither ihren Ausbau in den genannten Bundesländern forciert. Seit Ende 2019 gibt es neue Regelungen zum LTE-Ausbau in Grenzregionen, die helfen. Mittlerweile liegt im Saarland die Versorgung der Telekom bei 97,3 Prozent, in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wird die Versorgung durch die Telekom bis Frühsommer bei 97 Prozent liegen.

Auch 97,6 Prozent der Autobahnen und 96,4 Prozent der Schienenstrecken verfügen über LTE von der Telekom. Insgesamt gibt es aber gebe noch zu viele Verbindungsabbrüche, so der Konzern. Als Grund nennt er Verzögerungen bei den Genehmigungen und eine oft problematische Standortsuche entlang der Verkehrswege.

Die Telekom habe eine mögliche Versorgung entlang von Autobahnen und ICE-Strecken zu 100 Prozent mit Standorten beplant, allerdings hätten einige dieser Standorte wegen verschiedener Ausbauhindernisse bisher noch nicht fertiggestellt werden können. Die Telekom sei daher in konstruktiven Gesprächen u.a. mit der Deutschen Bahn, um neue Mobilfunkstationen zu erschließen und auch die Verstärkung der Mobilfunksignale innerhalb der Züge zu verbessern. Hinzu kommen Kooperationen mit Wettbewerbern. Die gemeinsamen Anstrengungen gerade im Bereich neuer Standorte müssen jedoch weiter erhöht werden.

Interaktive Karten zum Netzausbau der Telekom finden Sie unter diesem Link.

Versorgungsauflagen nicht fristgerecht erfüllt

Was den LTE-Ausbau anbetrifft, macht die Bundesnetzagentur inzwischen ordentlich Druck. So wurde Überprüfung der Berichte zur Erfüllung der Versorgungsauflagen aus der Frequenzversteigerung 2015 der Mobilfunknetzbetreiber Telefónica, Telekom und Vodafone abgeschlossen. Fazit: Alle drei Mobilfunknetzbetreiber haben die Versorgungsauflagen nicht im vollen Umfang fristgerecht erfüllt.

"Unser oberstes Ziel bleibt, dass die Versorgung mit mobilem Breitband in der Fläche vorankommt"", sagte gestern Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. "Wir wollen in den nächsten Monaten nachprüfbare Verbesserungen sehen, die sicherstellen, dass die Auflagen bis zum Jahresende vollständig erfüllt werden. Das umfasst ausdrücklich auch, dass wir gegebenenfalls Zwangs- und Bußgelder verhängen."

Telefónica schwächelt beim Netzausbau

So haben die Überprüfungen durch die Bundesnetzagentur ergeben, dass Telefónica die Auflagen in allen 13 Flächenbundesländern und für die Hauptverkehrswege nur zu rund 80 Prozent erfüllt hat. Besser siegt es bei der Telekom aus. Der Telko-Konzern hat die Auflagen in insgesamt drei Flächenbundesländern (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland) knapp verfehlt und für die Hauptverkehrswege mit 97 Prozent für die Autobahnen und 96 Prozent für die Schienenwege ebenfalls nicht nicht erfüllt.

Für Vodafone haben die Überprüfungen der Bundesnetzagentur ergeben, dass die Auflagen in insgesamt vier Flächenbundesländern (Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) und für die Hauptverkehrswege nicht fristgerecht erfüllt wurden. Die Hauptverkehrswege liegen mit einem Versorgungsgrad von 96 Prozent bei den Autobahnen und 95 Prozent bei den Schienenwegen unterhalb der Versorgungsauflage.

Bundesnetzagentur setzt "Nachfrist" und droht mit Pönalen

Die Bundesnetzagentur hat die Unternehmen nun aufgefordert, die Auflagen bis spätestens 31. Dezember 2020 vollständig zu erfüllen. Hierbei wurden den Unternehmen auch Teilfristen für Meilensteine im Juni und September gesetzt, um weiteren Verzögerungen möglichst frühzeitig entgegenwirken zu können.

Der weitere Ausbau wird durch ein scharfes Monitoring seitens der Bundesnetzagentur begleitet. Die Mobilfunknetzbetreiber müssen monatlich über den weiteren Ausbau berichten. Die Inbetriebnahme von Standorten wird auch durch eigene Messungen der Bundesnetzagentur vor Ort überwacht.

Falls die Meilensteine und die vollständige Erfüllung nicht fristgerecht erreicht würden, werde die Bundesnetzagentur Zwangsgelder androhen und festsetzen, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Darüber hinaus kann die Bundesnetzagentur im Rahmen einer Gesamtbetrachtung Geldbußen verhängen, sollten die Auflagen auch Ende dieses Jahres nicht erfüllt sein.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46502271)