AutoID Kommissionierverfahren auf Basis passiver RFID-Tags

Autor / Redakteur: Mathias Zink / Bernd Maienschein

Im Forschungsprojekt „Pick by Tag“ wird ein günstiges Kommissioniersystem für manuelle Lager entwickelt. Es leitet den Kommissionierer mittels passiver RFID-Tags und LED an den Lagerregalen durch seine Arbeitsumgebung. Ziele: gesteigerte Kommissionierleistung, minimale Fehlgriffe, geringer Installationsaufwand und niedrige laufende Kosten.

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Illustration der Funktionsweise eines kostengünstigen „Pick-by-Tag“-Kommissioniersystems.
Illustration der Funktionsweise eines kostengünstigen „Pick-by-Tag“-Kommissioniersystems.
(Bild: Fraunhofer-SCS)

In der manuellen Kommissionierung ist Pick by Light (PbL) ein weit verbreitetes System. Die grundlegenden Elemente sind LED zur visuellen Unterstützung der Kommissionierer beim Auffinden des Entnahmefachs, ein Display zur Anzeige der Entnahmemenge und ein Taster zur Bestätigung der Entnahme beziehungsweise für Korrekturen. PbL-Systeme lassen sich generell in leitungsgebundene und drahtlose Systeme unterscheiden, wobei erstere deutlich häufiger eingesetzt werden.

Die leitungsgebundene Variante wird über Kabel oder Drähte mit einer zentralen Steuerung verbunden. Dem Vorteil einer dauerhaften Stromversorgung stehen allerdings negative Aspekte gegenüber, wie zum Beispiel ein hoher Installationsaufwand, eine geringe Flexibilität hinsichtlich Anbringung und Lagerumstrukturierungen und hohe Investitionen.

Existierende drahtlose PbL-Systeme werden zentral über Funk gesteuert

Existierende drahtlose PbL-Systeme werden zentral über Funk gesteuert. Die Funkübertragung erhöht zwar die Flexibilität und vereinfacht die Anbringung, jedoch steigt der Wartungsaufwand durch den Batteriebetrieb deutlich. Üblicherweise ist in diesem Fall ein Wechsel der Batterien alle drei bis zwölf Monate erforderlich. Deshalb werden drahtlose PbL-Anzeigen bisher selten und hauptsächlich in kleineren Lagern eingesetzt.

Ziel des Forschungsprojektes ist die Entwicklung eines Pick-by-Light-Kommissioniersystems auf Basis passiver RFID-Tags, die keine eigenständige Stromzufuhr benötigen. So sollen die Vorteile des Pick-by-Light-Verfahrens genutzt und dessen Nachteile vermieden werden. Das Pick-by-Tag-System ist derart zu gestalten, dass die Fachanzeigen an beliebigen Stellen platziert werden können.

Durch die drahtlose Funktionsweise sollen die Kosten bezüglich Anschaffung, Installation und Wartung zudem deutlich gesenkt werden. Die Fachanzeigen, die auf passiven RFID-Tags basieren, werden mithilfe eines drahtlosen Signals von einem RFID-Lesegerät aktiviert. Auf einem Display können dem Kommissionierer dabei Zusatzinformationen wie die Entnahmemenge angezeigt werden.

Wie in der Abbildung dargestellt, kann dafür zum Beispiel ein mobiles Datenterminal (MDT) (1) oder eine Installation auf einem Kommissionierwagen (4) verwendet werden. Diese senden ein RFID-Signal (2) aus, das alle auftragsrelevanten Fachanzeigen (3) aktiviert. Die niedrigen Installationsaufwände und Anschaffungskosten soll das Pick-by-Tag-Verfahren auch für KMU interessant machen, für die herkömmliche Systeme zu kostspielig sind.

Projektbeschreibung

Das Forschungsprojekt wird über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und hat zum Ziel, eine industrietaugliche Lösung für KMU zu entwickeln. Durch die Besetzung des projektbegleitenden Ausschusses mit Produktionsunternehmen und Lösungsanbietern soll eine anwendungsorientierte Entwicklung sichergestellt werden. Als Mitglied im Projektbegleitenden Ausschuss und Ideengeber bringt der Logistikspezialist FIS sein Know-how für die Softwareentwicklung und -integration in das Projekt mit ein.

Das zu entwickelnde Lösungskonzept wird am Ende der Projektlaufzeit im Rahmen von Feldtests bei den industriellen Anwendungspartnern evaluiert. Hierbei sollen nicht nur objektiv messbare (Fehlerquote), sondern auch subjektive Kriterien (Akzeptanz des Systems) in die Bewertung mit einfließen. Die Bearbeitung des Projekts erfolgt durch das Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen (IIS) in Kooperation mit der TU München – Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik (fml). Das Projektende ist für Juni 2021 geplant.

Der Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal MM-Logistik erschienen.

* Mathias Zink ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-IIS, Arbeitsgruppe für Supply Chain Services (SCS) in 90411 Nürnberg, Tel. (09 11) 5 80 61-95 80, mathias.zink@iis.fraunhofer.de

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