Swisscom startet private 5G-Dienste

In der Schweiz gehen die "5G-Uhren" vor

| Redakteur: Jürgen Schreier

Wer es nicht mehr erwarten kann, den schnellen Mobilfunkstandard 5G selbst zu testen, der sollte eine Reise in die Schweiz ins Auge fassen. Ab Mai 2019 geht es los und bis Jahresende will die Swisscom das 5G-Netz komplett ausgebaut haben. Passend dazu beglückt der Carrier die Eidgenossen mit den ersten 5G-Smartphones.

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1,86 GBit/s: Ergebnis des 5G-Speed-Tests am 10. April 2019.
1,86 GBit/s: Ergebnis des 5G-Speed-Tests am 10. April 2019.
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In der Schweiz gingen die Uhren anders wird behauptet. Im Vergleich zu Deutschland, wo die 5G-Frequenzversteigerung munter in immer neue Runden geht, ist das in der Schweiz alles längst erledigt. Ab Mai 2019 will die Swisscom das 5G-Zeitalter auch für den "normalen" Handynutzer ausrufen und präsentiert das erste kommerziell verfügbare 5G-Smartphone in der Eidgenossenschaft. Mit dem Oppo Reno 5G soll der neue Mobilfunkstandard 5G für Privatkunden Realität werden. Das Angebot an 5G-fähigen Geräten werde laufend erweitert, heißt es. Bis Ende soll die ganze Schweiz von der Swisscom mit 5G versorgt werden.

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Bisher war 5G für Privatkunden reine Theorie, denn es fehlten die Endgeräte und somit die Möglichkeit, die 5G-Technologie und ihre Vorteile auch zu nutzen. Nun ist das Warten vorbei. Nach den ersten Prototypen Ende 2018 kann Swisscom nun gleich vier Endgeräte für den Verkauf ankündigen. Das allererste 5G-Gerät im Swisscom Shop stammt vom chinesische Hersteller Oppo (früher bekannt für seine edlen Blueray-Player). Weitere Marken wie LG (ab Mai), Samsung (ab Juli) und Huawei (3. Quartal) folgen.

Oppo Reno: erstes 5G-Smartphone in der Schweiz

In Fernost gehören die Smartphones von Oppo inzwischen zu den beliebtesten Endgeräten, weltweit gehört Oppo zu den führenden Herstellern. Oppo Reno 5G, ihr erstes 5G-Smartphone, gibt es ab Mai im Swisscom Shop. Es punktet mit einem fast randlosen Screen, einem 10-fachen Hybridzoom, einem speziellen Nachtbildmodus und basiert auf einem Qualcomm-Chipsatz. Es richtet sich insbesondere an ein jüngeres, kreatives Publikum. Die aktuellen inOne mobile Smartphone-Abos unterstützen 5G bereits. Wer noch mehr Geschwindigkeit will, kann eine Premium-Speed-Option dazu erwerben.

Mit den Geräten werden sich die Anwendungen vervielfachen. Swisscom präsentierte am Medienanlass reale Anwendungen rund um Virtual- und Augmented Reality und im Gaming. Es kommt nicht von ungefähr, dass diese zu den ersten gehören. Sie zeigen beispielhaft die Möglichkeiten der neuen Technologie wie Geschwindigkeit, geringe Latenz und hohe Kapazität. Urs Schaeppi, CEO von Swisscom, sagt: "Bisher hat jeder Technologiesprung im Mobilfunk zu einem fundamentalen Wandel des Alltags geführt."

Das volle Potenzial von 5G werden - auch in der Schweiz - zunächst die Unternehmen nutzen. "Dafür braucht es einen Full-Service-Provider wie Swisscom, der die Möglichkeiten von 5G mit dem Internet der Dinge, der Cloud oder auch mit Data Analytics kombiniert. So profitieren Unternehmen. Sie können langfristig Kosten sparen und neue Chancen nutzen", so Swisscom-Chef Schaeppi. Swisscom erforsche die Möglichkeiten von 5G zusammen mit Partnern im Programm "5G for Switzerland" seit 2016.

Schweiz ist im 5G-Ausbau Europas Spitzenreiter

Sobald das Bundesamt für Kommunikation die Konzession erteilt, wird Swisscom das mit Technologiepartner Ericsson aufgebaute 5G-Netz einschalten. Die ersten 5G-Geräte laufen auf einer bewährten Frequenz im 3.5 Gigahertz-Band, die bis dahin etwa für TV-Außenreportagen genutzt und vom Bund nun für den Mobilfunk freigegeben wurde.

Auf dieser Frequenz lassen sich jetzt schon Geschwindigkeiten von bis zu 2 Gbit/s zu erreichen (fast 5G-Niveau). Bei der Medienpräsentation führte Swisscom eine Spitzengeschwindigkeit von 1.86 Gbit/s vor. "Als Nummer 1 sind wir für unser Land verantwortlich und müssen vorauszudenken", betont Urs Schaeppi. "1996 haben wir Prepaid erfunden, 2004 Mobile Unlimited als Weltneuheit eingeführt und 2012 als Erste ein 4G-Netz gebaut. Die Schweiz soll weiter Innovationsstandort bleiben. Deshalb prägen wir seit 2016 die Entwicklung von 5G in internationalen Gremien und arbeiten an einer Modernisierung der NISV mit."

Bis Ende des Jahres 2019 soll die ganze Schweiz mit 5G versorgt sein – Stadt, Land und Bergregionen (!). Ein weiterer als 5G-wide bezeichneter Ausbauschritt nutzt Frequenzen, mit denen man eine hohe Flächendeckung erreicht. So profitieren Kunden überall von schnelleren Reaktionszeiten, größeren Bandbreiten und dank Technologie-Sharing in Kombination mit 4G auch von höheren Geschwindigkeiten.

Schweizer Unternehmen nutzen bereits 5G

Während viele Anwendungen für Privatkunden noch in den Kinderschuhen stecken, ist 5G in Unternehmen bereits in den Startlöchern und ermöglicht etwa die intelligente Steuerung von Industrieanlagen. Folgende Anwendungen präsentierte Swisscom bei ihrem Medienevent am 10. April.2019:

  • Schnelles Internet über Mobilfunk: Bereits heute bietet Swisscom Fixed Wireless Access (FWA) über das 4G-Netz für KMU und Großunternehmen an. FWA macht es möglich, ohne Festnetzanschluss mit sehr schnellem Internet verbunden zu sein. Spannende Einsatzmöglichkeiten ergeben sich zum Beispiel im Baugewerbe. Zudem nutzt Softwareentwickler Edorex bereits 5G Campus Network Solution von Swisscom, um die Beschäftigten über 5G zu verbinden.
  • Nreal – Die reale Welt durch eine Brille anreichern: VR- und AR-Brillen, die zusammen mit einem Smartphone genutzt werden können, bringen Mehrwert in den Kundenservice. Mögliche Anwendungen sind Techniker, die sich beim Kunden vor Ort bei der Fehlerbehebung oder Wartung via Brille vom Backoffice unterstützen lassen.
  • Gaming: Wie schon Musik und Video wandern auch die Spiele in die Cloud, der High End PC zu Hause wird überflüssig. Die Spiele lassen sich dank 5G jederzeit und überall via Handy streamen. Entweder direkt am Großformatfernseher oder auf dem Handy.
  • Visilab – Virtuelle Brillenanprobe: Seh- oder Sonnenbrille aussuchen und probieren, daheim, unterwegs oder irgendwo. Einfach das gewünschte Modell wählen, vor der Webcam postieren und sich mit der Brille begutachten. Das Beispiel zeigt, wie sich mit Mobilfunk auch Kundenerlebnisse neu gestalten lassen.

Erster End-to-End-Datenanruf im 5G-Netz

Der Infrastrukturausrüster Ericsson und Swisscom haben bereits im September 2018 im schweizerischen Burgdorf den ersten End-to-End-Datenanruf von Europas erstem herstellerunabhängigen 5G-Non-Standalone (NSA) im 3,5-GHz-Band durchgeführt.

Der End-to-End 5G-Datenanruf erfolgte über das 3GPP-konforme Netzwerk von Swisscom mit Ericsson Radio System Funk-, Basisband- und Transportlösungen sowie dem Ericsson Cloud Packet Core, der auf einer systemgeprüften Ericsson NFVi-Lösung betrieben wird. Die Datenübertragung erfolgte mit Intels Mobile Trial Platform (MTP)-Gerät und der 5G-subskribierten SIM-Karte von Swisscom.

Swisscom will der erste Mobilfunkbetreiber in der Schweiz sein, der 5G-Dienste anbietet. Ericsson wiederum wurde im November 2017 von Swisscom als "Strategic Supplier" für Gigabit LTE and 5G ausgewählt.

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