Hannover Messe 2019

IDS-Datenarchitektur bereit für die kommerzielle Nutzung

| Redakteur: Jürgen Schreier

Auf der Hannover Messe 2019 präsentiert die International Data Spaces Association (IDSA) die "IDS_ready“-Zertifizierung, das IDS-Referenzarchitekturmodell 3.0 und zahlreiche Use Cases. Hinzu gesellen sich Vorträge und ein Networking-Event zusammen mit dem FIWARE e.V.

Firma zum Thema

Die International Data Spaces-Initiative ermöglicht offene Datenmarktplätze für die Wirtschaft. Auf ihnen werden Daten zwischen vertrauenswürdigen Partnern sicher getauscht. Datensouveränität aller Partner wird über die gesamte Datenwertschöpfungskette gewahrt.
Die International Data Spaces-Initiative ermöglicht offene Datenmarktplätze für die Wirtschaft. Auf ihnen werden Daten zwischen vertrauenswürdigen Partnern sicher getauscht. Datensouveränität aller Partner wird über die gesamte Datenwertschöpfungskette gewahrt.
( Bild: Pixabay / CC0 )

Mit „IDS_ready“, dem Zertifikat für einen sicheren Datenaustausch, sind die International Data Spaces (IDS) bereit für die kommerzielle Nutzung in der Wirtschaft. Unternehmen, die von der Schlüsselarchitektur für einen souveränen Datenaustausch profitieren und an Wertschöpfungsprozessen teilhaben möchten, können sich zertifizieren lassen. Auf der Hannover Messe vom 1. bis 5. April stellt die International Data Spaces Association (IDSA) die neuen Entwicklungen zum IDS-Standard in Halle 8, Stand C25, vor.

Lars Nagel, Managing Director der IDSA: „Erstmals kann die IDS-Architektur von Unternehmen außerhalb des Vereins wirklich genutzt werden.“
Lars Nagel, Managing Director der IDSA: „Erstmals kann die IDS-Architektur von Unternehmen außerhalb des Vereins wirklich genutzt werden.“
( Bild: IDSA )

„Das ist ein historischer Moment“, sagt Lars Nagel, Managing Director der IDSA. „Erstmals kann die IDS-Architektur von Unternehmen außerhalb des Vereins wirklich genutzt werden.“ Möglich macht das die Zertifizierung mit „IDS_ready“, die sicherstellt, dass Unternehmen der IDS-Referenzarchitektur und der entwickelten Norm DIN SPEC 27070 entsprechen.

Sichere und vertrauenswürdige Datenkommunikation im IoT

„Diese Maßnahmen für die Datensouveränität in IoT-Geräten sorgen dafür, dass in Zeiten der Digitalisierung und dem damit verbundenen massenhaften Einsatz vernetzter Geräte und der kollaborativen Wertschätzung eine sichere und vertrauenswürdige Datenkommunikation gegeben ist“, erläutert Sebastian Steinbuss, Director Architecture bei der IDSA.

Ob Unternehmen dem Standard entsprechen, stellt der Zertifizierungsprozess „IDS_ready“ sicher. Anhand von Kriterienkatalogen prüft eine Zertifizierungsstelle, ob Unternehmen und deren Komponenten IDS-konform sind und sich an der IDS-Datenarchitektur beteiligen können. Bei Erfolg werden die Zertifikate „IDS_ready organization“ und „IDS_ready component“ vergeben.

Aktuelles IDS-Referenzarchitekturmodell wird in Hannover vorgestellt

Basis des Kriterienkatalogs ist das „IDS Reference Architecture Modell“ (IDS-RAM), das pünktlich zur Hannover Messe 2019 in der neuen Version veröffentlicht wird. Das IDS-RAM 3.0 legt dabei nicht nur einen Schwerpunkt auf das Thema „Zertifizierung“, sondern rückt auch die Themen „Data-Security“ und „Data-Governance“ in den Mittelpunkt.

„Das Referenzarchitekturmodell definiert den Sicherheitsstandard, Kontroll- und Durchsetzungsregeln zur Datennutzung und die Nachverfolgbarkeit der Datenherkunft“, betont Sebastian Steinbuss. Zudem werden Rollen und Verantwortlichkeiten für die Data Economy und datengetriebene Business-Ökosysteme definiert.

Globaler Standard für den Datentransfer

Mit der IDS-RAM 3.0 und der Zertifizierung „IDS_ready“ wird die IDS-Datenarchitektur zu einem neuen globalen Standard für Datentransfer, Datensicherheit und Datensouveränität. Das bietet neues, breites Potenzial für die Wirtschaft. Wie dieses Potenzial in Geschäftsmodelle überführt werden kann, zeigen anwendungsorientierte und unternehmensübergreifende Use Cases, die IDSA-Mitgliedsunternehmen auf der Hannover Messe 2019 zeigen.

Die Use Cases

  • Cefriel: „OLOGER – Smart Logistic 4.0“ – sensorgestützte Qualitätsüberwachung bei Warenlieferungen.
  • DATA AHEAD: „TWINSTRUCTION“ – Bottom-up-Digitalisierung der Baustromverteilung – granular steuerbares Strommanagement auf komplexen und investitionsintensiven Großbaustellen
  • Deutsche Telekom / Setlog: „Logistics Cost Reduction based on predicted lead times“ –Risikomanagement in komplexen Logistikprozessen – Data-Analytics-basierte Ankunftsvorhersage, transparente Transportwege, koordinierte Prozesse ermöglichen kostenreduzierte und zeitpunktgenaue Lieferung.
  • IBM / thyssenkrupp: „Industrial Additive Manufacturing Services“ – Ökosystem für den Transfer vertraulicher Engineering-Daten zwischen Auftraggeber und Lieferant, umgesetzt durch Integration von IDS und IBM Blockchain zum Schutz geistigen Eigentums und zur Nachvollziehbarkeit qualitätsrelevanter Prozessdaten.
  • Innovalia: „Digital Feedback/Forward Loops for Manufacturing Excellence“ – smart defect forecasting and predictive maintenance tasks planning.
  • nicos: „motic®-Broker for a Secure Data Room“: Autorisierungs- und Benutzungs-Kontrollen für Produktionsstätten – der motic-Broker adressiert die Fragen, wer welche Daten, zu welchem Zweck, für welchen Zeitraum, unter welchen Bedingungen nutzen darf und stellt die Datensouveränität im IDS-Eco-System sicher.
  • Orbiter: „Smart Mobility Payment Solution“: Blockchain basierte Plattform, die ein sicheres, automatisiertes Data Sharing zwischen Maschinen im Internet of Things ermöglicht.

Die ersten IDS-Daten-Ökosysteme sind live

Das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST stellt die ersten Daten-Ökosysteme auf Basis der IDS-Referenzarchitektur auf der Hannover Messe (Halle 2, Stand C22) vor. Die Deutsche Telekom gehört zu den ersten Telekommunikationsunternehmen, die diese Architektur in die Unternehmensrealität umgesetzt hat. Am Beispiel Glasflaschen zeigt die Telekom auf dem Fraunhofer-Stand, wie man Daten verschiedener Stufen der Wertschöpfung branchenübergreifend analysieren kann.Das Daten-Ökosystem besteht aus dem Telekom Data Intelligence Hub, dem Low-Cost-Tracker und dem ersten von der International Data Space Association als »IDS ready« bestätigten Connector.

Ein Glashersteller beispielsweise produziert im Auftrag eines Saftproduzenten Flaschen. Schon während der Produktion fallen unterschiedlichste Daten an, die Aussagen über die Qualität des Produktes ermöglichen. Weitere Daten werden beim Transport der Paletten mit den Glasflaschen erzeugt. Denn diese legen auf ihrem Weg zur Abfüllanlage etliche Kilometer per Lkw, Bahn oder Schiff zurück. Der Low-Cost-Tracker der Telekom kann die Position der Palette bestimmen sowie Bewegung, Schockeinwirkungen und Temperaturverlauf abrufen. Der wasserfeste Sensor registriert Stöße, Lage, Kippwinkel, Beschleunigungen und Temperatur der Palette. Zudem werden Daten an der Abfüllanlage erzeugt.

Alle Daten, von der Produktion über die Lieferung bis zum fertigen Produkt, werden über die International Data Space-Infrastruktur (IDS) datensouverän für das Ökosystem bereitgestellt. Hier setzt der Connector des Telekom Data Intelligence Hub an. Im Anwendungsbeispiel wird der Data Intelligence Hub im ersten Schritt zur Datenfusion genutzt, indem die Daten aus den unterschiedlichen Industrien aufgenommen werden. Im zweiten Schritt folgt die Datenanalyse. Dafür steht auf der Plattform die KI-Werkstatt mit verschiedenen Analysetools zur Verfügung. Der Betreiber der Abfüllanlagen erhält die durch KI analysierten Ergebnisse über die Herstellung der Glasflaschen und Informationen über den aktuellen Standort der Lieferung. Auch der Produzent der Flaschen bekommt diese Daten und zusätzlich die Nutzungsdaten vom Betreiber der Abfüllanlagen.

So kann er sein eigenes Produkt verbessern. Dem Logistikanbieter werden seine Be- und Entladungszeiträume angezeigt, sodass dynamisch zum Beispiel auf Stausituationen reagiert werden kann. Im Falle einer Beschädigung der Flaschen oder Verzögerungen in der Produktions- oder Lieferkette können die Unternehmen also viel schneller handeln.

Wer welche Daten sehen und nutzen kann, regelt die Architektur des International Data Space Diese von Fraunhofer unter Leitung des Fraunhofer ISST entwickelte Architektur schafft einen Rahmen, der dem datengebenden Unternehmen die Möglichkeit gibt, Daten mit anderen Unternehmen auszutauschen und dabei stets die Kontrolle über die Verbreitung und Nutzung der Daten zu behalten. Sie schafft damit die Rahmenbedingungen für echte Datensouveränität im industriellen Kontext.

Die Termine

  • 1.4., 16:00 Uhr: Lars Nagel im Expertentalk "Sichere Datenvernetzung mit eStandards: Schnellste Blockchain für Maschinenkommunikation und Universalsprache für Maschinelles Lernen", Halle 16, A10 (Bühne Gemeinschaftsstand MWIDE NRW)
  • 1.4., 18:15 Uhr: Prof. Dr. Boris Otto, Fraunhofer ISST, im Science Slam: "The Value of Data – über den Wert einer strategischen Ressource", . Halle 2, C02, (tech transfer)
  • 2.4., 14:30 Uhr: FIWARE IDSA Booth Opening mit Dr. Reinhold Achatz (thyssenkrupp) Ulrich Ahle (FIWARE), Lars Nagel (IDSA)
  • 4.4., 10:30 Uhr: Lars Nagel und Ulrich Ahle im Vortrag "FIWARE and IDSA: Data Sovereignty for Industrie 4.0 / FIWARE und IDSA: Datensouveränität für Industrie 4.0", Halle 8, D17 (Forum Industrie 4.0)
  • 4.4., 11:00 Uhr: FIWARE IDSA Networking Event am Gemeinschaftsstand von FIWARE und IDSA, Halle 8, C25
  • 4.4., 12:30 Uhr: Thomas Hahn, Siemens / President of BDVA, im Vortrag "Industrial AI applications", Halle 8. D17 (Forum Industrie 4.0)

Die IDSA an anderen Ständen

  • Fraunhofer-Stand, Halle 2, C22:
  • Use Case von Fraunhofer ISST und Deutsche Telekom: Kostengünstiger IoT-Tracker, der Palettentransporte überwacht und per IDS-zertifiziertem Connector an den Telekom Data Intelligence Hub kommuniziert.
  • Fraunhofer ISST stellt sein Leistungsportfolio zum Aufbau von Data Ecosystems vor, informiert über die Potenziale der IDS für den souveränen Datenaustausch.
  • IBM-Stand, Halle 7, C16: Use Case von IBM und thyssenkrupp "Industrial Additive Manufacturing Services (s. o.)
  • High Tech Holland, Halle 2, D34: Showcase zur Nutzung der IDS mit Isah software, TNO und Smart Factory Kaiserslautern

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45821661)

Palo Alto Networks; Landeshauptstadt Dresden; Deutsche Messe; Pixabay; Fraunhofer-Gesellschaft; IDSA; gemeinfrei; Owasys; Telit; ©xb100 - stock.adobe.com; Small Cell Forum; iStock/rpeters86/Vodafone; Universität Stuttgart IFF/Fraunhofer IPA/Rainer Bez