DIW Econ-Studie

Huawei: Der Bad Boy Trumps ist "Mr. Nice Guy" in Deutschland

| Redakteur: Jürgen Schreier

War Huawei in jüngster Zeit vor allem wegen des "US-Bannfluchs" mit (Negativ-)Schlagzeilen belegt, konnte der chinesische Konzern bei einer Pressekonferenz in Berlin mit positiven Botschaften aufwarten. Laut einer Studie von DIW Econ ist der "ökonomische Fußabdruck" von Huawei in Deutschland beträchtlich. Und auch in Sachen F&E bringt sich Huawei hierzulande sehr aktiv ein.

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Industrie 4.0 ist durch eine umfassende Vernetzung von Maschinen und Unternehmenseinheiten sowie durch Automatisierung gekennzeichnet. Zu den großen Playern auf diesem Markt gehört Huawei.
Industrie 4.0 ist durch eine umfassende Vernetzung von Maschinen und Unternehmenseinheiten sowie durch Automatisierung gekennzeichnet. Zu den großen Playern auf diesem Markt gehört Huawei.
(Bild: gemeinfrei / Pexels)

Einem Bericht des Handelsblatts zufolge geht Walter Haas, Chief Technology Officer der Huawei Technologies Deutschland GmbH, davon aus, dass der chinesische Technologiekonzern nicht dauerhaft von Boykottmaßnahmen der US-Regierung betroffen sein werde. Das Thema werde sich früher oder später lösen, so Haas am 24. Juni 2019 auf einer Pressekonferenz von Huawei in Berlin.

Im Rahmen dieser Pressekonferenz wurde außerdem eine Studie zum ökonomischen Fußabdruck von Huawei in Deutschland vorgestellt. Dieser Studie zufolge leistet das Technologieunternehmen aus Shenzhen einen starken Anteil zur Wertschöpfung und zur Festigung des Industrie Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland. Die Studie wurde von DIW Econ, dem Beratungsunternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, erarbeitet.

Wegbereiter oder Aktivierer der Digitalisierung

Danach hatte die Geschäftstätigkeit des chinesischen Unternehmens, das seit 2001 auf dem deutschen Markt aktiv ist, in Deutschland im Jahr 2018 einen Bruttowertschöpfungseffekt von 2,357 Milliarden Euro sowie einen Beschäftigungseffekt von 28.142 Personen. Huawei erzielte in Deutschland zwischen 2008 und 2018 ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 26 Prozent auf zuletzt rund 2,7 Milliarden Euro. Die Anzahl der Beschäftigten stieg im gleichen Zeitraum um durchschnittlich jährlich 13 Prozent auf zuletzt über 2600 Mitarbeiter. Im Jahr 2018 betrug die von Huawei ausgehende Nachfrage nach Vorleistungs- und Investitionsgütern aus Deutschland insgesamt 1.351,7 Mio. Euro.

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Die Studie attestiert Huawei außerdem, dass das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung in Deutschland leistet. „Mit der Bereitstellung innovativer Infrastrukturprodukte für moderne Telekommunikationsnetze sowie engen Kooperationen mit nationalen und regionalen Telekommunikationsnetzbetreibern schafft Huawei eine wichtige Voraussetzung zur Digitalisierung der deutschen Volkswirtschaft. In diesem Sinne ist Huawei aus ökonomischer Sicht ein Wegbereiter oder Aktivierer, dessen Informations- und Kommunikationstechnologien breite volkswirtschaftliche Effekte auslösen können", so die Autoren der Studie.

Aktiv in Sachen Standardisierung

Technologien von Huawei wirkten als Katalysator für systemische Innovationen wie Industrie 4.0, Smart Cities, autonomes Fahren oder intelligente Stromnetze, die in Partnerschaft mit deutschen Unternehmen realisiert würden. Dabei werde der Erfolg solcher systemischen Innovationen das zukünftige Wirtschaftswachstum und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands entscheidend mitbestimmen, so die Studie weiter.

Aktuell engagiert sich Huawei in Deutschland laut DIW Econ-Studie mit verschiedenen Partnern bei der Entwicklung digitaler Lösungen in der Automobilindustrie und Mobilitätswirtschaft. So arbeitet das Unternehmen mit 5GAA und AUTOSAR in Standardisierungsorganisation mit, in denen Lösungen für autonomes Fahren und „V2X“, d.h. die digitale Kommunikation zwischen Fahrzeugen und anderen Verkehrsteilnehmern und -infrastrukturen standardisiert und genormt werden.

Auch im Rahmen der globalen „5G Alliance for Connected Industries and Automation“ (5G-ACIA), einer Arbeitsgruppe des in Frankfurt am Main ansässigen Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), arbeitet Huawei mit der Robert Bosch GmbH zusammen, um die Anwendung von 5G in industriellen Vernetzungsszenarien zu fördern.

Huawei ist außerdem maßgeblich an europäischen und internationalen Standardisierungsprozessen – insbesondere im Kontext der Entwicklung des 5G-Standards – beteiligt. So bringt sich das Unternehmen als aktives Mitglied in die Arbeit des Europäischen Instituts für Telekommunikationsnormen (ETSI) ein, das auf europäischer Ebene für die Erarbeitung neuer IKT-Standards zuständig ist. Das ETSI tauscht sich wiederum auf globaler Ebene im Rahmen des 3rd Generation Partnership Project (3GPP) mit sechs anderen internationalen Standardisierungsgremien aus.

Forschungszentrum in München ist das größte von Huawei in Europa

Auf der Grundlage der technologischen Fortschritte einzelner Mitglieder ermöglicht diese gemeinsame Plattform die Definition globaler Standards. Dafür entsenden die einzelnen Mitgliedsunternehmen regelmäßig Berichterstatter in die Projektgremien, die über neue Patente informieren und gemeinsam mit den Berichterstattern der anderen Mitglieder über Potenziale zur technischen Standardisierung beraten.

Mit den meisten eingebrachten sowie den meisten angenommenen Standardisierungsvorschlägen zählt Huawei gemeinsam mit den europäischen Herstellern Ericsson und Nokia zu den aktivsten Mitgliedern des 3GPP, welche zwischen 2015 und 2018 insgesamt mehr als ein Drittel aller Berichterstatter entsandten (IHS Markit, 2018). Huawei ist in diesem Zeitraum mit 28 Berichterstatterinnen der am aktivsten vertretene Hersteller.

In einem weiteren Kapitel beschäftigt sich die Studie mit dem Beitrag von Huawei zum Forschungsstandort Deutschland. Die Investitionen des chinesische Technologiekonzerns in Forschung und Entwicklung wuchsen von 31 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 112 Millionen im Jahr 2018. Insgesamt hat Huawei in den letzten fünf Jahren mehr als 450 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung in Deutschland investiert. das Forschungszentrum in München ist mit mehr als 400 Mitarbeitern das größte Forschungszentrum des Unternehmens ins Europa. Darüber hinaus arbeiten in Nürnberg, Berlin und Dresden weitere Forschungsteams.

Die Studie wird am Abend im Rahmen eines Sommerfestes im Deutschen Technikmuseum in Berlin im Beisein des CEO von Huawei Deutschland, Dennis Zuo, und des CTO von Huawei Deutschland, Walter Haas, vorgestellt.

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