Digitale Ökosysteme Hannover Messe 2020 im Zeichen von Cloud, KI und 5G

| Redakteur: Jürgen Schreier

Wurden bis vor Kurzem Prozesse und Techniken noch separat betrachtet, steht auf der Hannover Messe 2020 eine ganzheitliche Darstellung von Abläufen und Lösungen im Vordergrund. Im stark wachsenden Ausstellungsbereich Digital Ecosystems werden alle relevanten Themenbereiche abgebildet.

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Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Messe AG: „Die Industrie hat die Hebel in der Hand. Wandel muss gestaltet werden. Auf der Hannover Messe 2020 zeigen die rund 5500 Aussteller, wie Transformation gelingen kann und wie aus Wandel Wachstum und Fortschritt werden.“
Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Messe AG: „Die Industrie hat die Hebel in der Hand. Wandel muss gestaltet werden. Auf der Hannover Messe 2020 zeigen die rund 5500 Aussteller, wie Transformation gelingen kann und wie aus Wandel Wachstum und Fortschritt werden.“
(Bild: Deutsche Messe)

Der technologischer Wandel sowie die wirtschaftspolitischen Herausforderungen bewegen die Industrie weltweit. In dieser Zeit will sich die die Hannover Messe als Wegweiser für die globale Industrie: „Die Art wie wir leben, produzieren und arbeiten, verändert sich gerade rasend schnell“, sagt Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Messe AG. „Die Industrie hat die Hebel in der Hand. Wandel muss gestaltet werden. Auf der Hannover Messe 2020 zeigen die rund 5500 Aussteller, wie Transformation gelingen kann und wie aus Wandel Wachstum und Fortschritt werden.“

Daten: Rohstoff der digitalen Transformation

Rohstoff und Basis der digitalen Transformation sind Daten. Die Datenmenge steigt in der industriellen Produktion in gigantische Höhen. Zeitgleich wächst aber auch die Fähigkeit, diese Daten sinnvoll zu interpretieren und gewinnbringend einzusetzen. Köckler: „Der stark wachsende Anteil an Cloudanbietern auf der Hannover Messe zeigt, dass wir am Anfang von ganz neuen Entwicklungen stehen. So wie die ersten Apps im Jahr 2007 ihren Siegeszug auf jedes Smartphone angetreten haben, wird die Auswertung von Daten über Cloud oder Edge-Computing in jede Fabrik einziehen.“

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Wo bis vor Kurzem noch Prozesse und Techniken separat betrachtet wurden, steht auf der Hannover Messe 2020 eine ganzheitliche Darstellung von Abläufen und Lösungen im Vordergrund. „In Zeiten von Industrie 4.0 geht es um die flexible Fertigung, eigenständig miteinander kommunizierende Maschinen und Systeme sowie den autonomen Austausch von Prozessinformationen. Essentieller Bestandteil dafür ist die Software, die diese Prozesse abbildet.

"Auf der Hannover Messe werden im stark wachsenden Ausstellungsbereich Digital Ecosystems alle relevanten Themenbereiche abgebildet“, erläutert Hubertus von Monschaw, Global Director Digital Ecosystems bei der Deutschen Messe AG.

Plattformökonomie im Kommen

Folgerichtig spielen Business Plattformen auf der Hannover Messe 2020 eine wesentliche Rolle. Dabei funktionieren sie nur im Verbund mit anderen Schwerpunkten. „An Plattformen führt kein Weg vorbei. Was im Consumer-Bereich längst etabliert ist, entwickelt sich für die produzierende Industrie mit etwas Verzögerung. Doch es steht außer Frage, dass die Plattformökonomie im B2B-Bereich eine immer größere Rolle spielen wird“, so von Monschaw.

Die Hannover Messe 2020 zeigt, welche Plattformanbieter der Industrie zur Verfügung stehen. Nachfolgend eine Auswahl:

Auf dem Microsoft-Stand in Halle 17 dreht sich vieles um die Cloud-Plattform Azure. Es wird erklärt, wie (mittelständische) Unternehmen ihre (industriellen) Anwendungen in die Cloud bekommen. Eine weitere Rolle spielt Microsoft Dynamics 365. Mit diesen Cloud-basierten ERP- und CRM-Anwendungen können wichtige Erkenntnisse rund um das eigene Geschäft gewonnen werden. Damit lässt sich beispielsweise die Wertschöpfungskette eines Unternehmens komplett abbilden - vom Einkauf bis zur Produktion.

Neben Microsoft sind auch Amazon mit der Cloud-Plattform AWS und Google Cloud auf der Messe vertreten. Die Google-Cloud-Plattform kommt zum Beispiel bei Siemens, Airbus und Sandvik zum Einsatz, vorwiegend in Bereichen, in denen es um vernetzte Produkte, optimierte Lieferketten oder vorausschauende Wartung geht. Darüber hinaus rücken vermehrt spezielle Anwendungen wie Google Cloud Edge IoT Core in den Fokus der Fertigungsindustrie. Damit lässt sich mithilfe geeigneter Machine-Learning-Algorithmen der Produktionsausschuss deutlich reduzieren.

Dasselbe gilt für den Einsatz von Amazon Web Services (AWS) in der Fertigung. Auch hiermit lassen sich KI-gestützte Produktionsprozesse entwickeln und realisieren. So können isolierte Anlagendaten grenzüberschreitend in gemeinsame Datenpools überführt werden, und das basierend auf Technologien wie Greengrass und Machine Learning, die sowohl für das Verarbeiten von Echtzeitdaten eingesetzt werden können als auch bei Prädiktivanalysen von Produktionsanlagen.

Künstliche Intelligenz auf einem einzigen Chip

Intel informiert auf der Hannover Messe 2020 über Künstliche Intelligenz und zeigt anhand existierender Produkte und Lösungen, wie sich beispielsweise das vorausschauende Warten von Industrieanlagen (Predictive Maintenance) mithilfe der Intel-Plattform realisieren lässt. Dazu gehören die aktuellen Xeon-Prozessoren, der Intel-Nervana-Prozessor für neuronale Netzwerke sowie die Movidius Myriad Vision Processing Unit (VPU). Damit können KI-Anwendungen auf einem einzigen Chip implementiert werden.

Auf dem IBM-Stand spielen Themen wie vernetzte Fabriken und Künstliche Intelligenz eine große Rolle. Es werden zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten der IBM Watson IoT-Plattform gezeigt. Denn mithilfe geeigneter KI-Algorithmen werden Industrieanlagen digitaler, IoT-Netzwerke sicherer und Fabriken schlauer. Darüber hinaus werden IBM-Cloud-Plattformen wie Red Hat gezeigt.

In der Halle 15 präsentiert die Software AG ihre IoT-Plattform Cumulocity und zeigt, wie sich Anlagen und Maschinen mithilfe einer einzigen Software-Plattform vernetzen lassen. Aus Dingen wie Gebäuden, Fahrzeugen, Wasserzählern oder Industrieanlagen entsteht ein riesiges IoT-Netzwerk, dessen Daten mithilfe von Cumulocity in jeder Cloud-Umgebung und in jeder Anwendung landen. Und das dank spezieller Tools wie dem Streaming-Analytics-Engine mit relativ geringem Aufwand.

der französische IT-Dienstleister Atos zeigt das Entstehen „virtueller Produkte“ entlang einer kompletten Wertschöpfungskette. Die Teilbereiche hierzu sind Design, Produktion, Wartung, Qualitätskontrolle und Verkauf nebst Service. Damit lassen sich auch intelligente Fabriken realisieren.

CAD, PLM und Businessplattformen verschmelzen

Das Verschmelzen der verschiedenen Disziplinen lässt sich auch sehr gut mit anhand von CAD, PLM und Businessplattformen erläutern. Dort, wo noch vor einigen Jahren Unternehmen wie AutoCAD rein auf die digitale Abbildung eines Werkstücks oder Maschinenteils fokussiert waren, bilden Firnmen wie Dassault Systèmes mit ihren Software-Plattformen heute die komplette Wertschöpfungskette ab: von der Konstruktion über die Bauteilbeschaffung bis hin zur Qualitätskontrolle.

Auch Virtual und Augmented Reality werden immer häufiger im industriellen Umfeld angewandt - zum Beispiel beim Design von Triebwerken. Brauchten Ingenieure zuvor Tage, um die Parameter eines Entwurfes durchzurechnen, so liefert ein Algorithmus heute 2000 Designs im gleichen Zeitraum. Anschließend können 3D-Modelle in einem Virtual-Reality-Labor bis zur letzten Schraube auseinandergenommen, vermessen und zusammengesetzt werden.

5G-Testfeld und zahlreiche Showcases

Nach der erfolgreichen Premiere auf der Hannover Messe 2019 wird in diesem Jahr erneut ein 5G-Testfeld aufgebaut. Sowohl Netzausrüster als auch Anwender werden im Rahmen dieses Testfelds zeigen, was mit dem neuen Mobilfunkstandard möglich sein wird. „Gerade für die digitale Vernetzung der Industrie ist die Übertragung von Daten in Echtzeit und unter hoher Datensicherheit von enormer Bedeutung. In den Hallen 3 und 21 richten wir ein echtes funktionsfähiges 5G-Netz ein.“ Zahlreiche Showcases werden dort via 5G-Standard vernetzt sein. „Diese Vielfalt von industriellen Nutzungsbeispielen an einem Ort im realen 5G-Netz ist weltweit einmalig“, weiß Messe-Chef Dr. Jochen Köckler.

Die Digitalisierung ist schon heute eine, wenn nicht gar die wesentliche Triebfeder der Intralogistik. Dies beginnt im automatisierten Lager, wo die Abläufe von Software gesteuert werden, wo Roboter und fahrerlose Transportsysteme rund um die Uhr eigenständig durch die Hallen navigieren und Waren zur richtigen Zeit in der richtigen Menge zum Zielort bringen.

Auch Produktions- und Logistikprozesse werden immer enger miteinander vernetzt, um noch effizienter und flexibler und damit kostengünstiger produzieren zu können. Aus diesem Grund nehmen die Logistik- und Intralogistiklösungen eine zentrale Rolle auf der Hannover Messe 2020 ein.

Vom Sensor in die Cloud

Anbindungsfähige Sensorik sorgt dafür, dass Daten aus der Produktion direkt in die Cloud übertragen werden, ohne dass weitere Komponenten nötig wären. „Die Digitalisierung treibt unsere Branche auch in diesem Jahr um“, sagt Dr. C. Thomas Simmons, Geschäftsführer vom AMA Verband für Sensorik und Messtechnik. „Wir erkennen einen Trend zum Retrofitting. Das heißt, bestehende Industrieanlagen werden mit neuer Technik – insbesondere mit Sensoren – umgerüstet und zukunftsfit gemacht. Zeitgleich halten Virtual Reality und Künstliche Intelligenz Einzug in die intelligente Fabrik. In der Anbindung an die Cloud durch 5G-Netze sehen wir gute Chancen für alle Akteure, vor allem durch die größere Bandbreite. Sichergestellt werden muss dabei die Abdeckung gerade dort, wo produziert wird in Deutschland: im ländlichen Raum.“

Für den Anwender in der Produktion geht es um die Frage, auf welche Weise er in Zukunft Mess- und Diagnosedaten zur Verfügung gestellt bekommt, auf deren Basis er dann Entscheidungen treffen kann. Zentral ist somit die Vernetzung der Feldgeräte in den digitalen Strukturen. „Die Digitalisierung unserer Produkte, Lösungen und Dienstleistungen gibt uns die Möglichkeit, proprietäre Hürden sicher zu überwinden, Kosten zu senken und die Methoden der modernen Datentechnik für die Verfahrenstechnik zu nutzen“, erläutert Oliver K. Stöckl, Geschäftsführer von Endress + Hauser Messtechnik GmbH + Co. KG. „Die Digitalisierung schafft Mehrwert für den Anwender und Anlagenbetreiber und soll ihnen helfen, ihre übergeordneten Ziele nach höherem Output bei gleichzeitig sinkenden Kosten zu verwirklichen.“

An Lösungen für das Industrial Internet of Things arbeitet – neben dem Sensorikgeschäft – auch die ifm-Unternehmensgruppe. „Zur Hannover Messe werden wir nicht nur unser Sensor-Portfolio für industrielle Anwendungen, sondern auch Lösungen zeigen, die Sensordaten zu Informationen umwandeln, die dann in übergeordneten Cloud-Plattformen weiterverarbeitet werden können“, erklärt Nadine Rahman von ifm electronic.

Zahlreiche Aussteller der Hannover Messe widmen sich dem Thema intelligente Sensorik – besonders in den Hallen 9 und 11. Dort sind Branchengrößen versammelt wie ABB, der AMA Verband, Endress + Hauser, ifm electronics, Jumo, Sick, Siemens, Pepperl + Fuchs und Turck.

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