Studie von Capgemini

Großindustrie interessiert sich für 5G-Campus-Netze

| Redakteur: Jürgen Schreier

Demnächst startet in Deutschland die Vergabe lokaler 5G-Frequenzen per Antragsverfahren. Wie die Studie "5G in Industrial Operations" des Capgemini Research Institute zeigt, haben insbesondere große Industrieunternehmen ein ausgeprägtes Interesse am Erwerb solcher Frequenzen, um eigene Campus-Netzwerke aufzubauen.

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Von Campus-Netzwerken versprechen sich die potenziellen Betreiber mehr Autonomie und ein Plus an Sicherheit.
Von Campus-Netzwerken versprechen sich die potenziellen Betreiber mehr Autonomie und ein Plus an Sicherheit.
( Bild: gemeinfrei / Pixabay )

In Deutschland ist die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen beendet und somit der Startschuss für die Einführung der 5G-Technologie gefallen. Groß ist das Interesse bei Industrieunternehmen am Erwerb von eigenen Lizenzen zum Aufbau von Campus-Netzen. Nach Ergebnissen der Studie "5G in Industrial Operations: "How Telcos and Industrial Companies Stand to Benefit" des Capgemini Research Institute haben insbesondere große Unternehmen mit mehr als zehn Milliarden Dollar Umsatz ein starkes Interesse daran, eine eigene Lizenz zu beantragen.

5G - entscheidend für die digitale Transformation

75 Prozent der Führungskräfte von Industrieunternehmen glauben, dass 5G der Schlüsselfaktor für ihre digitale Transformation in den nächsten fünf Jahren sein wird. Damit messen sie der 5G-Technologie die zweitgrößte Bedeutung nach Cloud Computing (84 Prozent) bei und stellen sie noch vor Innovationstreiber wie Automatisierung und Künstliche Intelligenz/maschinelles Lernen.

Das Interesse an lokalen 5G-Frequenzen ist regional unterschiedlich ausgeprägt. Die Nase vorn haben die USA und Frankreich.
Das Interesse an lokalen 5G-Frequenzen ist regional unterschiedlich ausgeprägt. Die Nase vorn haben die USA und Frankreich.
( Bild: Capgemini )

In Deutschland sehen 79 Prozent der Befragten 5G sogar als wichtigsten Faktor an – gleichauf mit Cloud-Anwendungen. Allgemein sind Unternehmen davon überzeugt, dass die Eigenschaften von 5G dazu beitragen werden, die Herausforderungen im Zusammenhang mit Konnektivität zu meistern und zukünftige Anwendungsfälle zu unterstützen.

Steffen Elsässer, Managing Director von Capgemini Invent Central Europe, sagt dazu: „5G hat unter anderem aufgrund einer kürzeren Latenzzeit sowie einer höheren Übertragungsrate im Vergleich zu den heutigen Kommunikationstechnologien das Potenzial, diese abzulösen. Damit werden vielseitige Anwendungen, von der Effizienzsteigerung und Automatisierung im Bereich Smart Manufacturing zu Angeboten einer digitalisierten Customer Experience durch Augmented und Virtual Reality sowie Autonomem Fahren ermöglicht.“

Industrieunternehmen wollen 5G schnell umsetzen

Das Vertrauen in das Potenzial von 5G ist so groß, dass weltweit fast zwei Drittel der befragten Industrieunternehmen (65 Prozent) planen, die Technologie innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Verfügbarkeit einzusetzen. Demnach streben 75 Prozent der Unternehmen in Großbritannien und Italien, 69 Prozent in Spanien und 68 Prozent in den USA und Norwegen eine Implementierung innerhalb von ein bis zwei Jahren an.

In Deutschland jedoch geben nur 49 Prozent der befragten Unternehmen an, 5G innerhalb der ersten zwei Jahre nach Verfügbarkeit implementieren zu wollen. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass nur knapp ein Drittel (29 Prozent) der deutschen Führungskräfte der Meinung sind, dass ihre aktuellen Konnektivitätslösungen ihre Initiativen zur digitalen Transformation bremsen, verglichen mit 44 Prozent der Befragten weltweit.

Die größten Industrieunternehmen werden 5G höchstwahrscheinlich zuerst implementieren: 74 Prozent der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über zehn Milliarden Dollar erwarten den Einsatz in den ersten zwei Jahren, verglichen mit 57 Prozent mit einem Umsatz zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar.

5G-Campus-Netzwerke

Die Bundesnetzagentur hat insgesamt 100 MHz zwischen 3,7 und 3,8 GHz für lokale Anwendungen reserviert. Damit sollen zum Beispiel Industriebetriebe sogenannte 5G-Campus-Netzwerke für ihre Standorte aufbauen und nutzen können. Die Frequenzen werden in 10-MHz-Blöcken zugeteilt und stehen nur für TDD-Nutzung zur Verfügung. TDD heißt: Sende- und Rückkanal teilen sich die gleiche Trägerfrequenz. Die Nutzungsrechte sind auf zehn Jahre befristet. Werrden die Frequenzen vom Erwerber nicht genutzt, kann die Bundesnetzagentur die Lizenz widerrufen.

Eigene 5G-Lizenz soll mehr Autonomie und Sicherheit bringen

Rund ein Drittel der befragten Unternehmen beabsichtigt, eigene Lizenzen für die industrielle Nutzung zu beantragen. In Deutschland sind dies 28 Prozent. Weltweit haben besonders große Unternehmen, die einen Umsatz von mehr als zehn Milliarden Dollar erzielen, das größte Interesse an eigenen Lizenzen (47 Prozent). Dies wird durch den Wunsch nach mehr Autonomie und Sicherheit in Verbindung mit der Sorge, dass die Telekommunikationsunternehmen bei der Einführung öffentlicher 5G-Netze zu langsam sind, gefördert.

Gunther May, Leiter Technologie und Innovation, Geschäftsbereich Automation und Elektrifizierung der Bosch Rexroth AG, sagt: „Als Hersteller beobachten wir die 5G-Landschaft genau und glauben, dass es mehrere Vorteile hat, eine eigene Lizenz zu besitzen. Dies würde uns ermöglichen, die volle Kontrolle über unsere 5G-Strategie zu behalten, indem wir die Freiheit haben, das Netzwerk entweder allein oder mit einem Telekommunikationsanbieter zu betreiben.“

Mehr Effizienz durch 5G

Mehr als die Hälfte der Unternehmen, begründen ihre Investitionen in 5G damit, dass sie dadurch ihre Abläufe sicherer gestalten (54 Prozent) und sich effizientere Betriebsabläufe sowie Kosteneinsparungen (52 Prozent weltweit) realisieren lassen könnten. Damit geht die Erwartung einher, dass 5G dazu beitragen wird, Anwendungsfälle wie Echtzeit-Edge-Analysen, Videoüberwachung, Fernsteuerung der verteilten Produktion, KI-fähige oder ferngesteuerte Bewegungen, Remote-Operationen über Augmented Reality/Virtual Reality, etc. zu ermöglichen oder zu verbessern.

„Das 5G-Netzwerk stellt lediglich die Infrastruktur dar, die von wertschaffenden Anwendungen genutzt wird. Ausgangspunkt für eine erfolgreiche und profitable Nutzung von 5G müssen deshalb industriespezifische und differenzierende Anwendungsfälle sein. Unternehmen sollten für eine erfolgreiche Implementierung von 5G-Anwendungen deshalb nicht nur auf spezialisierte Technologiepartner setzen, sondern auf Transformationsexperten die aus Erfahrung um die Herausforderungen in Servicedesign, Markterschließung und organisatorischer Verankerung neuer Technologien wissen,“ meint Steffen Elsässer von Capgemini Invent.

Für Premium-Dienste mehr bezahlen?

Obwohl die Befragten Unternehmen sich nicht sicher darin sind, wie schnell es zur Bereitstellung der Technologie durch die Telekommunikationsunternehmen kommt, wären sie bereit, mehr für eine verbesserte 5G-Abdeckung zu zahlen: 72 Prozent der Industrieunternehmen würden mehr für eine höhere mobile Breitbandgeschwindigkeit und größere Kapazität bezahlen, aber nur 54 Prozent der Telekommunikationsanbieter schätzen dies so ein. Diese Bereitschaft der Unternehmen, für Premium-Dienste zu bezahlen, bietet also den Telekommunikationsunternehmen die Chance, ein hochprofitables 5G-Geschäftsmodell aufzubauen.

Zusammenfassung

Ergebnisse der Studie "5G in Industrial Operations: "How Telcos and Industrial Companies Stand to Benefit" für Deutschland:

  • 79 Prozent der Unternehmen sehen 5G als wichtigsten Faktor für ihre Digitale Transformation an - gleichauf mit Cloud-Anwendungen.
  • 49 Prozent der befragten Unternehmen wollen 5G innerhalb der ersten zwei Jahre nach Verfügbarkeit implementieren.
  • 28 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, eigene Lizenzen für die industrielle Nutzung zu beantragen, weltweit tun dies 33 Prozent.

Globale Ergebnisse:

  • Die größten Industrieunternehmen werden 5G höchstwahrscheinlich zuerst implementieren: 74 Prozent der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über zehn Milliarden Dollar erwarten den Einsatz in den ersten zwei Jahren, verglichen mit 57 Prozent mit einem Umsatz zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar.
  • Mehr als die Hälfte der Unternehmen begründen ihre Investitionen in 5G damit, dass sie dadurch ihre Abläufe sicherer gestalten (54 Prozent) und sich effizientere Betriebsabläufe sowie Kosteneinsparungen (52 Prozent weltweit) realisieren lassen könnten.
  • 72 Prozent der Industrieunternehmen würden mehr für eine höhere mobile Breitbandgeschwindigkeit und größere Kapazität bezahlen, aber nur 54 Prozent der Telekommunikationsanbieter schätzen dies so ein.

Für die Studie wurden mehr als 800 Führungskräfte von Industrieunternehmen (124 davon aus Deutschland) sowie 150 Führungskräfte der Telekommunikationsbranche aus zwölf Ländern befragt.

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