Wide Area Networks

Ein SD-WAN muss so einfach funktionieren wie eine Espressomaschine

| Autor/ Redakteur: David Hughes / Sebastian Human

Software-Defined WANs, kurz auch SD-WANs genannt, können eine interessante Alternative zum teuren Multiprotocol Label Switching darstellen. Das Potential der Technologie als eine Software-basierte Lösung für Weitverkehrsnetze ist durchaus vorhanden, dennoch muss sie anwenderfreundlich gedacht sein.

Fast so einfach wie Kaffeekochen: mit der richtigen Software lässt sich ein SD-WAN komfortabel nutzen.
Fast so einfach wie Kaffeekochen: mit der richtigen Software lässt sich ein SD-WAN komfortabel nutzen.
( Bild: Photo by Isaac Benhesed on Unsplash / CC0 )

Im Alltag vertrauen Menschen oft Maschinen und Systemen, die Dinge automatisch erledigen. Man denke nur an eine Espressomaschine: Starten, Wasser und Kaffeebohnen nachfüllen, auf den Knopf drücken – fertig. Ein paar Sekunden später hat man eine Tasse Espresso oder einen Caffè Crema in der Hand.

Schön wäre es, wenn auch andere Dinge so einfache funktionieren würden, etwa das Corporate WAN (Wide Area Network). Doch die Realität sieht anders aus. Immer noch herrscht die Auffassung vor, dass die Konfiguration eines Weitverkehrsnetzes auf der Ebene der Netzwerksysteme stattzufinden hat. Für Netzwerkspezialisten bedeutet dies, dass sie für jedes Gerät über die Kommandozeile komplizierte Befehle eingeben müssen.

Allerdings wollen sich CIOs nicht um Netzwerksysteme kümmern. Für sie – und die IT-Nutzer – ist es viel wichtiger, auf welche Weise Anwendungen bereitgestellt werden. Denn die sollen in einer Qualität und mit der Zuverlässigkeit bereitstehen, die den Anforderungen der Geschäftsprozesse entspricht.

Die Aufgabe eines Software-Defined WAN

Hier kommen Software-Defined WANs (SD-WAN) ins Spiel. Denn was gibt es Schöneres, als Netzwerkverbindungen für eine Applikation mit einem simplen grafischen User-Interface zu konfigurieren. Das heißt, kein mühseliges Herumhantieren mit einem Command Line Interface, kein Konfigurieren von Dutzenden von Netzwerk-Komponenten. Bei einem Software-Defined WAN stellen eine zentrale Orchestrierungs-Funktion und die Systeme am Rand des Netzwerks sicher, dass Anwendungen in der gewünschten Qualität bereitstehen – ohne manuelle Konfiguration.

Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn jeder Standort weist Eigenheiten auf, etwa einen speziellen IP-Adressraum oder individuelle IT-Sicherheitskonfigurationen. Diese Unterschiede erschwerten in der Vergangenheit eine Automatisierung von WAN-Funktionen.

Ein "Zero-Touch Provisioning" ist erforderlich

Doch exakt ein solches Zero-Touch Provisioning (ZTP) sollte eine SD-WAN-Lösung unterstützen. In der Praxis heißt das: Die Mitarbeiter in einer Niederlassung schließen ein SD-WAN-Edge-Device an die Stromdeckdose und die LAN- und WAN-Schnittstellen an, und schon ist der Standort in das Unternehmensnetz eingebunden. Um das zu erreichen, greift das SD-WAN-Edge-System auf die Orchestrierungsplattform zu und holt sich von dort die Konfigurationseinstellungen.

Die Grundlage bilden am Geschäftszweck ausgerichtete Regeln (Policies) für das Netzwerk. Ändern sich Geschäftsanforderungen, konfiguriert die IT-Abteilung die Orchestrierungslösung neu. Die Edge-Systeme werden anschließend auf den neuesten Stand gebracht.

SD-WAN benötigen mehr als Automatisierung

Doch auch das reicht nicht aus. Denn automatische Abläufe haben Probleme, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Deshalb ist es notwendig, "intelligente" Technologien zu integrieren. Ein Beispiel hierfür kann die SD-WAN-Lösung Unity EdgeConnect sein. Sie verfügt über selbstlernende Algorithmen, die permanent die Qualität der verfügbaren Netzwerkpfade überwachen.

Außerdem kombiniert sie Verfahren für die Fehlerkorrektur mit Lastausgleichsfunktionen (Load Balancing). Diese verteilen Datenpakete auf mehrere Verbindungen und verhindern auf diese Weise, dass Überlastsituationen auftreten. Der Vorteil ist eine gleichbleibend hohe Benutzererfahrung beim Zugriff auf Applikationen - auch dann, wenn im physischen Netzwerk Jitter und hohe Paketverlustraten auftreten.

Ein solcher Ansatz, der sich auf geschäftliche Anforderungen konzentriert, hat einen großen Vorteil: Administratoren müssen sich nicht um die Details dieser Algorithmen kümmern. Sie können sich auf die Anforderungen konzentrieren, die IT-User und Fachabteilungen an das Unternehmensnetz stellen.

Maschine Learning integrieren

Eine konsistente Performance von Anwendungen, die über ein SD-WAN bereitgestellt werden, lässt sich somit nur durch die Kombination von drei Faktoren in den Edge Devices erreichen:

  • Automatisierungsfunktionen,
  • Selbstlern-Algorithmen und
  • die Fähigkeit, selbstständig Anpassungen vorzunehmen.

Ein SD-WAN muss somit gewissermaßen eigenständig navigieren können und in der Lage sein, sich eigenständig wechselnden Gegebenheiten im Netzwerk anzupassen. Das lässt sich nur erreichen, wenn maschinelle Lernverfahren zum Zuge kommen. Wenn das gegeben ist, funktioniert auch das Corporate WAN (fast) ebenso automatisch wie die Espressomaschine.

Dieser Artikel ist ursprünglich auf unserem Partnerportal "Industry of Things" erschienen.

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