Neues Gutachten Echte Glasfasernetze schlagen "Kupfer" in Sachen Energieverbrauch

Redakteur: Jürgen Schreier

Echte Glasfasernetze (Fiber to the home) leisten einen wichtigen Beitrag zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Der Netzbetreiberverband BREKO hat dazu ein Gutachten der TH Mittelhessen (Prof. Dr.-Ing. Kristof Obermann) vorgelegt. Untersucht wurde die Nachhaltigkeit von reinen Glasfasernetzen und kupferbasierten Telekommunikationsnetzen (Fiber to the curb).

Bei der Breitbandverkabelung sind Glasfaserlösungen wesentlich energieeffizienter als Netze auf Kupferbasis.
Bei der Breitbandverkabelung sind Glasfaserlösungen wesentlich energieeffizienter als Netze auf Kupferbasis.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Vorteile der Digitalisierung sind für viele Menschen und Unternehmen in den letzten Wochen und Monaten erlebbar geworden - ob im Home Office, beim Homeschooling, in Videokonferenzen oder beim abendliche Videostreaming am Smart-TV-Gerät. Das alles braucht Bandbreite und folglich einen forcierten Breitbandausbau. Am besten mit Glasfaser im Sinne von Fiber to the home – FTTH, denn die optische Datenübertragung hat einen "Nebeneffekt", der nicht zu unterschätzen ist.

Echte Glasfasernetze (Fiber to the home – FTTH) leisten nämlich einen wichtigen Beitrag zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Dies bestätigt ein aktuelles Gutachten von Prof. Dr.-Ing. Kristof Obermann von der Technischen Hochschule Mittelhessen, das die Nachhaltigkeit von reinen Glasfasernetzen und kupferbasierten Telekommunikationsnetzen (Fiber to the curb – FTTC; VDSL2 Vectoring, Super-Vectoring) untersucht hat. Der Schwerpunkt der Untersuchung lag auf einer vergleichenden Darstellung des Energiebedarfs im laufenden Netzbetrieb.

Das Einsparpotenzial steigt mit der Datenrate

Bezogen auf den Stromverbrauch pro Bitrate kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, dass kupferbasierte Netze bei einer angenommenen Auslastung von 50 bis 100 Prozent um das Drei- bis siebzehnfache mehr Strom verbrauchen als echte Glasfasernetze. Bei einer deutschlandweiten Versorgung mit echten Glasfasernetzen lassen sich pro Gigabit bis zu 1100 Megawatt (MW) an elektrischer Leistung gegenüber kupferbasierten Netzen einsparen. Zum Vergleich: Das siebtgrößte deutsche Kohlekraftwerk „Schwarze Pumpe“ erreicht eine Leistung von 1600 MW.

„Obwohl wir in Bezug auf FTTC-Netze einige optimistische und für FTTH-Netze sehr konservative Annahmen getroffen haben, sind FTTH-Netze in jedem Szenario (deutschlandweit, städtische- und ländliche Gebiete) nachhaltiger als FTTC-Netze. Das Gutachten zeigt außerdem klar: Je stärker die Datenraten steigen, desto größer ist das Einsparpotenzial der Glasfaser“, erklärt Prof. Dr. -Ing. Kristof Obermann.

„Die Ergebnisse des Gutachtens der Technischen Hochschule Mittelhessen bestätigen einmal mehr, dass die mehr als 200 Netzbetreiber, die im Glasfaserverband BREKO organisiert sind, mit ihrem klaren Fokus auf den zukunftssicheren und jetzt auch wissenschaftlich bestätigten nachhaltigen Glasfaserausbau die Weichen richtig gestellt haben. Mit jedem neu errichteten Glasfasernetz ebnen wir den Weg in eine nachhaltige digitale Zukunft“, unterstreicht BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers.

FTTH-Netze - wichtiger Hebel für die Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele

Der BREKO hat sich zudem mit dem heute veröffentlichten Positionspapier „Glasfasernetze und digitale Anwendungen für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland und Europa“ zum Thema Nachhaltigkeit klar positioniert und konkrete Forderungen an die Politik formuliert. So fordert der Verband unter anderem den Start einer europäischen Kampagne zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im 2. Halbjahr 2020.

„Wenn wir es ernst meinen mit dem European Green Deal und den Klimazielen 2030 müssen wir Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammen denken und stärker miteinander verknüpfen. Glasfasernetze, die einen nahezu unbegrenzten Datentransport ermöglichen, sind dabei ein wichtiger Baustein und die Grundlage für den Einsatz von digitalen Anwendungen zur Energie- und Ressourcenoptimierung. Die Politik muss die Digitalisierung unter Einsatz der Glasfasernetze als wichtigen Hebel für die Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele anerkennen und in ihre Strategien einbeziehen“, unterstreicht Prof. Dr. Gerold Janssen vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden und Mitglied des BREKO-Beirats. Janssen hat an der Erstelung des Papiers wesentlich mitgewirkt.

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