SIG launcht Reichweitenkalkulator

Die Bluetooth-Myth-Busters räumen auf

| Redakteur: Jürgen Schreier

Bei Bluetooth halten sich hartnäckig allerlei (Vor-)Urteile. Eines davon ist, dass sich dieser Funkstandard nur für kurze Strecken eignet. Dem ist aber nicht so. Ein Online-Reichweitenkalkulator der Bluetooth Special Interest Group (SIG) hilft Entwicklern abzuschätzen, wie weit ihre Anwendung in welcher Konfiguration funktioniert.

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Eine typische Bluetooth-Anwendung sind Laserscanner, die ihre Daten über eine Bluetooth-Verbindung senden.
Eine typische Bluetooth-Anwendung sind Laserscanner, die ihre Daten über eine Bluetooth-Verbindung senden.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Bei maximal 30 Metern ist Schluss. Jeder, der schon einmal ein Headset oder Fitness-Tracker mit seinem Smartphone per Bluetooth verbunden hat, weiß, dass in wenigen Metern Entfernung die Verbindung abreißt. Oder er ist zumindest dieser Auffassung. Und die ist falsch. Denn Bluetooth LE (Bluetooth Low Energy) schafft sehr viel mehr – je nach Konfiguration und Anwendungsbereich mehr als einen Kilometer.

Die Bluetooth-Dachorganisation hat daher einen Reichweitenkalkulator live gestellt, anhand dessen sich Entwickler von Bluetooth-Lösungen ein realistisches Bild machen können, wie weit ihre Anwendung in welcher Konfiguration funktioniert. Die Vorstellung des Online-Tools nimmt die Bluetooth Special Interest Group (SIG) zum Anlass, mit einigen gängigen Mythen in punkto Reichweite aufzuräumen:

  • Mythos #1: Bluetooth ist nur bis zu 30 Meter zuverlässig: Da die bekanntesten Bluetooth-Anwendungsfälle wie Audio und Wearables nur eine kurze Reichweite erfordern, hält sich der Mythos hartnäckig, dass der Standard nur für Kurzstrecken von 10 bis 30 Metern geeignet ist. Tatsächlich kann der effektive Abstand zwischen Bluetooth-Geräten bei mehr als einem Kilometer liegen. Eine zuverlässige Fernsteuerung von Drohnen ist sogar über den visuellen Bereich (Beyond-Visual-Range, BVR) hinaus möglich. Der Hersteller von Funkmodulen und -antennen Laird hat in einem Feldtest selbst eine Reichweite von fast 1,9 Kilometern erreicht.
  • Mythos #2: Bluetooth kann nicht durch Wände funken: Die Signalstärke reduziert sich auf dem Weg durch die Luft. Der Verlust tritt auf natürliche Weise auf und wird durch Umgebungsfaktoren wie Wände, Fenster und andere Hindernisse beeinflusst. Auch Feuchtigkeit und Niederschlag können Funkwellen reflektieren oder streuen. Das Ausmaß der Dämpfung und des effektiven Wegverlustes hängt von der Art und Dichte der Hindernisse ab. Aber: Funkwellen gehen grundsätzlich durch Objekte durch, sogar durch Betonwände und -böden. Deshalb ist ein Bluetooth-Signal nicht auf einen einzigen Raum beschränkt. Zum Beweis hat UnSeen Technologies die Reichweite von Bluetooth im Beton-Treppenhaus eines Industriegebäudes getestet.
  • Mythos #3: Bluetooth ist eine Verbrauchertechnologie: In den letzten 20 Jahren hat Bluetooth Hunderte von globalen Märkten wie Audio-Streaming und Kurzstrecken-Datenübertragung erobert. Aber Headsets, Fitness-Tracker und Smartphones sind dabei nur ein kleiner Bereich. Im Gegensatz zu anderen drahtlosen Technologien wurde Bluetooth so konzipiert, dass es eine große Bandbreite an zuverlässigen Reichweiten zwischen zwei Geräten unterstützt. Dies bietet Entwicklern eine große Flexibilität, um drahtlose Lösungen für unterschiedliche Anwendungsfelder zu erstellen. Sie nutzen Bluetooth beispielsweise, um industrielle Sensornetzwerke oder kommerzielles Asset-Tracking auf Bluetooth-Basis zu ermöglichen. Dies zeigen Anwendungsfälle aus dem Bereich der Lichtsteuerung oder der Verfolgung von Warenbewegungen in der Produktion.

Bluetooth ist, was die Reichweite anbelangt, ein sehr flexibler Funkstandard.
Bluetooth ist, was die Reichweite anbelangt, ein sehr flexibler Funkstandard.
(Bild: SIG)

"Weltweit nutzen Entwickler Bluetooth, um drahtlose Verbindungen über Distanzen von mehr als einem Kilometer zu erreichen. Diese Verbindungen sind die Grundlage für Anwendungsfälle der neuen Generation wie dem Tracking industrieller Güter und großflächige Sensornetzwerke", kommentiert Martin Woolley, Senior Developer Relations Manager, EMEA, Bluetooth SIG. "Bluetooth kann viel mehr leisten als es der Technologie zugetraut wird. Der Erfolg bei Verbraucheranwendungen hat die Vorstellungen der Potentiale von Bluetooth verengt. Tatsächlich wird Bluetooth in vielen Szenarien eingesetzt, um weniger bekannte kommerzielle und industrielle Herausforderungen zu lösen", fügte Woolley hinzu.

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