EMV diagnose:funk fordert bei 5G das Vorsorgeprinzip ein

| Redakteur: Jürgen Schreier

Anlässlich der aktuell laufenden 5G-Frequenzversteigerung fordert die Verbraucherschutz-Organisation diagnose:funk vom Bundesamt für Strahlenschutz die Anwendung des Vorsorgeprinzips. Besonders schützenswerte Personengruppen müssten auch wirklich geschützt werden.

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Antennenwald: Mit 5G wird er vermutlich noch ein bisschen größer werden. Das ruft die Verbraucherschützer auf den Plan.
Antennenwald: Mit 5G wird er vermutlich noch ein bisschen größer werden. Das ruft die Verbraucherschützer auf den Plan.
(Bild: Pixabay / CC0)

Weil sich der Mobilfunk in Deutschland das begrenzte elektromagnetische Spektrum mit anderen Techniken teilen muss, sind freie Frequenzen - ökonomisch betrachtet - knappe Güter. Im Rahmen der aktuell laufenden Versteigerung der 5G-Frequenzbereiche kommen die Frequenzen 2 GHz sowie 3,4 GHz bis 3,7 GHz unter den Hammer.

Für 5G braucht es neue "Datenautobahnen", insbesondere für anvisierte Spitzengeschwindigkeiten von 10 bis 20 GBit, weshalb die Frequenzen höher deutlich liegen als die 4G-Frequenzen. Die Folge: Die Funkantennen werden, um versprochene Bandbreite realisieren zu können, deutlich zusammenrücken müssen. Die Funkzellen werden dadurch kleiner, denn bekanntlich sinkt die Reichweite mit steigender Frequenz. Genau das aber steht in der Kritik von Verbraucherschutzorganisationen wie dem diagnose.funk e.V., der sich mit dem Schutz von Umwelt und Verbrauchern vor elektromagnetischer Strahlung befasst.

Verbraucherschützer verweisen auf Bundesamt für Strahlenschutz

Der Verband verweist in diesem Zusammenhang auf ein Statement der Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz Inge Paulini, die am 25. Februar 2019 in der 3-sat-Wissenschaftssendung nano erklärte: „Die Personengruppen, die wir besonders im Fokus haben, die besonders schützenswert sind – sind Kinder, Säuglinge, Kranke, alte Menschen. Der Ausbau der 5G-Netze sollte auf jeden Fall so erfolgen, dass sensible Orte, Orte, wo diese Menschen sich aufhalten - Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser – dass die erst mal ausgenommen werden.“ (siehe 3sat-Video ab Minute 2:20)

Jörn Gutbier, Vorsitzender von diagnose:funk, fordert deshalb, dass ungeachtet der laufenden 5G-Frequenzauktion keine 5G-Sendeanlagen ohne Technikfolgenabschätzung in Betrieb gehen dürften. "Das wäre ein Feldversuch an Menschen", so Gutbier, diplomierter Ingenieur, Baubiologe und Architekt. "Wenn die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz, Inge Paulini, in der 3sat-Sendung nano fordert, dass besonders schützenswerte Personengruppen wie Kinder, Säuglinge, Kranke und Alte vor der möglicherweise krebsauslösenden 5G-Strahlung geschützt werden müssen, dann muss sie diesen Schutz auch konsequent umsetzen: Kinder, Säuglinge, Kranke und Alte leben nämlich überall in unseren Städten und Dörfern, nicht nur in Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern. Also müssen unsere gesamten Städte und Dörfer vor dem massiven 5G-Aufbau geschützt werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz erkennt offensichtlich so langsam das Risiko von 5G und muss nun die Konsequenzen ziehen!“

Technikfolgenabschätzung muss Pflicht sein

diagnose:funk fordert von der Bundesregierung:

  • Technikfolgenabschätzung ist Pflicht. Ohne Bewertung der Forschungsergebnisse über die Wirkungen der 5G-Frequenzen auf Mensch, Tier und Natur darf 5G nicht eingeführt werden. Die Technikfolgenabschätzung muss durch eine industrie- und regierungsunabhängige Kommission unter Beteiligung bürgerschaftlicher Interessenverbände erfolgen.
  • Beweislastumkehr: Industrie und Staat müssen die Unschädlichkeit von 5G belegen.
  • Ein Netz für alle: Es braucht nur ein Mobilfunknetz für alle Betreiber und Nutzer, wie bei Strom, Gas und im Straßenbau. Verpflichtendes Roaming für alle Mobilfunkbetreiber muss dabei umgesetzt werden.

Glasfaserausbau ist Sache der Kommunen

Von den Kommunen fordert diagnose:funk:

  • Die Breitbandnetze (Glasfaser) müssen von den Kommunen als Eigenwirtschaftsbetrieb zur Daseinsvorsorge betrieben werden. Keine Vergabe von Infrastrukturprojekten an ein Monopol. Glasfasernetze bilden die Grundlage zur Umsetzung einer strahlungsarmen Mobilfunkversorgung.
  • Trennung der Indoor- und Outdoorversorgung zum Schutz der Wohnung vor Strahlung muss Grundlage jeder Mobilfunkplanung sein. Neue Technik muss nachweisbar zu weniger Elektrosmog führen. Kleinzellennetze sind nur dann sinnvoll, wenn sie zu einer deutlichen Senkung der Strahlenbelastung führen.
  • Umweltschutz ist Pflicht: Die Kommune muss über den Netzausbau ein Gutachten zum ökologischen Fußabdruck vorlegen.

Zusätzlich fordert diagnose:funk:

  • Erhalt und Schaffung von funkfreien Gebieten für elektrohypersensible Menschen.
  • Das Recht, analog leben zu können, ohne digitale Überwachung, ist ein Grundrecht. Die Datenerfassung darf nur mit ausdrücklicher Zustimmung jedes Bürgers erfolgen. Von Jugendlichen unter 16 Jahren dürfen keine Daten erfasst werden.

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