Netzausbau Deutsche Telekom zündet 5G-Nachbrenner

| Redakteur: Jürgen Schreier

Ab heute können über 16 Millionen Menschen in Deutschland den 5G-Mobilfunkstandard nutzen. Dafür hat die Deutsche Telekom aktuell über 12.000 5G-fitte Antennen im Live-Betrieb. Bis Ende des Jahres sollen es 40.000 sein. Aber auch LTE-Nutzer dürfen auf mehr Performance hoffen.

5G-Initiative für Deutschland : Michael Hagspihl (Geschäftsführer Privatkunden), Dirk Wössner (Telekom-Deutschland Chef) und Walter Goldenits (Technikchef der Telekom in Deutschland) stellen den 5G-Boost vor.
5G-Initiative für Deutschland : Michael Hagspihl (Geschäftsführer Privatkunden), Dirk Wössner (Telekom-Deutschland Chef) und Walter Goldenits (Technikchef der Telekom in Deutschland) stellen den 5G-Boost vor.
(Bild: Deutsche Telekom AG)

Ab heute können über 16 Millionen Menschen in Deutschland das 5G-Netz der Telekom nutzen. Der Bonner Telekommunikationskonzern versorgt momentan über 1000 Städte und Gemeinden ganz oder teilweise mit dem neuen Mobilfunk-Standard. Und: Der Ausbau läuft auf Hochtouren weiter.

Bereits Mitte Juli sollen über 40 Millionen Menschen in ganz Deutschland von 5G profitieren können. Mit moderner Technologie, intelligentem Einsatz von Spektrum, neuen 5G-Smartphones und zu 5G passenden Tarifen will die Telekom ihren Kunden den Einstieg ins 5G-Zeitalter ermöglichen.

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„Das ist die größte 5G-Initiative Deutschlands. Wir bringen 5G für die Hälfte der deutschen Bevölkerung in die Stadt und auf das Land. Und dieses Etappenziel erreichen wir jetzt schon früher als geplant“, verkündete Telekom-DeutschlNand-Chef Dirk Wössner heute bei einer Online-Pressekonferenz. „Trotz der Corona-Krise haben wir 5G ohne Umwege ausgebaut. Unsere Netze haben zuverlässig gearbeitet. Zusätzlich zur Krisensituation haben unsere Techniker über 12.000 Antennen für 5G fit gemacht. Bis Ende des Jahres werden es sogar 40.000 Antennen sein. Im ersten Schritt können ab heute rund 16 Millionen Menschen in Deutschland 5G nutzen. Ab Mitte Juli dann bereits die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands."

Telekom erwirbt vorzeitig 10 MHz zusätzliches 3G-Spektrum

Wie Walter Goldenits, Geschäftsführer Technologie der Telekom Deutschland GmbH, erläuterte, wird der schnellen Ausbau durch den variablen Einsatz von Mobilfunk-Frequenzen sowie neuen, innovativen Technologien möglich. Die Telekom nutzt dafür 15 Megahertz (MHz) im 2,1 Gigahertz-Band für LTE und 5G. Davon stammen 5 MHz aus dem bisherigen 3G-Spektrum und werden umgewidmet. Zusätzlich hat die Telekom vorzeitig 10 MHz des jetzigen 3G-Spektrums eines anderen Anbieters erworben. Auch dieses Spektrum wird für LTE und 5G eingesetzt.

Ersteigert hatte die Telekom dieses Spektrum ursprünglich für die Nutzung ab dem Jahr 2021. Durch den vorzeitigen Zukauf kann der Konzern das bisher in diesem Frequenzbereich für die neuen Technologien genutzte Spektrum erweitern, was dazu führt, dass Telekom-Kunden schon jetzt in den Genuss deutlich höherer Datenübertragungsraten bei LTE und 5G kommen.

Frequenzspektrum intelligent einsetzen

Die Telekom nutzt die unterschiedlichen Frequenzen so, dass diese sich in puncto Reichweite und Geschwindigkeit sinnvoll ergänzen. 5G funkt in Großstädten in der Regel auf einer sehr hohen Frequenz: Bei der Telekom sind das 3,6 GHz (Highband). Hohe Frequenzen bieten höhere Geschwindigkeiten, allerdings reichen diese Frequenzen nicht besonders weit.

Im Midband (2,1 GHz) sind die Reichweiten der 5G-Antennen deutlich höher. Das Prinzip ist bereits vom LTE-Ausbau bekannt: Bei LTE werden Frequenzen mit großer Reichweite vor allem für die Flächenversorgung genutzt. Frequenzen mit kürzeren Reichweiten spielen ihre Stärken im städtischen Umfeld aus und sorgen so für die gleichzeitige Versorgung sehr vieler Kunden und für noch höhere Übertragungsgeschwindigkeiten.

Mit dieser Kombination der zur Verfügung stehenden Frequenzen will die Telekom den 5G-Ausbau – gerade im ländlichen Raum – erheblich beschleunigen. Dabei ist LTE durch die 5G-Einführung keineswegs "Schnee von gestern", sondern wird durch die Technik-Offensive einen nochmaligen Schub erfahren. Kunden erhalten ein weiteres Frequenzband für die Nutzung von LTE und somit mehr Bandbreite.

Durch den Einsatz des sogenannten Dynamic Spectrum Sharing (DSS) wird zusätzliches Spektrum für LTE-Kunden bereitgestellt, was sich wiederum positiv auf auf das "Surftempo" auswirken soll.

Mit DSS betreibt die Telekom zwei Mobilfunk-Standards parallel in einem einzigen Frequenzband. Die neue Technologie verteilt das Spektrum bedarfsorientiert zwischen LTE- und 5G-Anwendern. Das Netz passt sich so innerhalb von Millisekunden automatisch dem Bedarf der jeweiligen Kunden an. Das führt zu einem noch besseren Nutzungserlebnis.

Mehr Geschwindigkeit auf dem Land und in der Stadt

DSS und das zusätzliche Spektrum erhöhen die Datenrate: Im ländlichen Bereich werden die Geschwindigkeiten teilweise mehr als verdoppelt. Hier können Kunden jetzt mit bis zu 225 Mbit/s surfen. In städtischen Gebieten sind es 600 bis 800 Mbit/s in der Spitze. Von diesen Geschwindigkeiten profitieren nicht nur Kunden mit den neuen 5G-Smartphones, sondern auch Kunden im LTE-Netz. In Großstädten wie Berlin oder Köln funken die 5G-Antennen auf 3,6 GHz mit einer Übertragungsrate von bis zu 1 Gbit/s und mehr.

5G macht natürlich nur Sinn (und Laune) bei Verfügbarkeit passender Endgeräte und Tarife. Michael Hagspihl wies im Rahmen der Pressekonferenz am 17. Juni darauf hin, dass es 5G-Tarife bereits seit knapp einem Jahr gebe: 5G sei in allen Magenta Mobil Tarifen enthalten, so der Geschäftsführer Privatkunden der Telekom Deutschland GmbH. Knapp zwei Millionen Kunden hätten das Tarifportfolio bisher gebucht und könnten folglich 5G nutzen.

Auch ein breites Angebot 5G-fähiger Endgeräte gibt es schon. Für die neuen 2,1 GHz-Frequenzen stehen Geräte aus der Samsung S20 Serie, das OnePlus 8 und OnePlus 8 Pro sowie das Huawei P40 Pro bereit. Diese Smartphones haben bereits das notwendige Software-Update oder erhalten es in Kürze automatisch. Das Geräteportfolio für 5G wird nach und nach erweitert. Alle weiteren 5G-Geräte, die die Telekom noch in diesem Jahr einführen wird, werden die neue Technologie abbilden. Bestandskunden können überwiegend mit ihrem bisherigen Gerät ebenfalls LTE verwenden und profitieren somit gleichermaßen von DSS.

Zusätzlich will der Bonner Telco-Konzern vom 1. bis 27. Juli allen Kunden und denen, die es werden wollen, mit einer Cashback-Aktion und günstigen 5G-Smartphones von Samsung den Appetit den Umstieg in die 5G-Mobiltelefonie besonders schmackhaft machen. Zudem gelten Top-Konditionen beim Verkauf des Altgeräts über „we care“, dem nachhaltigen Handy-Kreislauf der Telekom.

Kernnetz: Chinesische Lieferanten werden "ausgephast"

Stichwort Sicherheit und China: Die Telekom hat bereits 2019 entschieden, chinesische Lieferanten (also nicht nur Huawei) aus dem sicherheitskritischen Kernnetz "auszuphasen". Dies gilt auch für das sich derzeit noch in der Standardisierung befindliche 5G-Kernnetz.

Im Kernnetz befinden sich die zentralen Elemente zur Steuerung und Verarbeitung von Daten im Netz. Dagegen besteht das Zugangs- oder Antennennetz aus den Funkmasten und den dazugehörigen Sende- und Empfangseinrichtungen. Eine Datenverarbeitung findet in diesem sogenannten „Radio Access Network“ (RAN) nicht statt.

5G ist technisch kein eigenständiges Netz, sondern baut in das bestehende 4G-Netz neue Funktionen und technische Eigenschaften ein. Eine isolierte Betrachtung von 4G und 5G widerspreche schlicht den technischen Fakten, so die Telekom. Im Bereich des Antennen-Netzes sei es technisch nicht möglich, ein 5G-Upgrade eines bestimmten Herstellers auf 4G-Komponenten eines anderen Herstellers durchzuführen. Im heutigen Bestandsnetz sind im Bereich der Antennen hauptsächlich Komponenten von Ericsson und Huawei verbaut.

Telekom unterstützt Open-RAN-Inititaive

Für die Weiterentwicklung dieses Antennennetzes von 4G auf 5G will die Telekom weiterhin Produkte der Bestandslieferanten Ericsson und Huawei nutzen. Dazu hat der Konzern jetzt mit den beiden Unternehmen Neuverträge geschlossen. Um dennoch mittelfristig mehr Komponentenvielfalt im Netz zu gewährleisten und zwischen mehr Herstellern wählen zu können, unterstützt die Telekom die so genannte Open-RAN-Initiative.

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