LPWAN Das Sigfox-0G-Netz im Kampf gegen Planenschlitzer

Redakteur: Jürgen Schreier

Organisierte Banden, die Lkw-Planen aufschlitzen und den Trailer leerräumen, sind der Schrecken jedes Spediteurs. Mobilfunkbasierte Alarmlösungen zeigen aber kaum noch Wirkung, da sich diese mit preisgünstigen Störsendern austricksen lassen. Eine Alternative stellt nun Sigfox vor: störungsfreie Alarmmeldung über das 0G-Netz.

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Der Wert der von Planenschlitzer-Banden entwendeten Waren lag 2017 bei rund 1,3 Milliarden Euro.
Der Wert der von Planenschlitzer-Banden entwendeten Waren lag 2017 bei rund 1,3 Milliarden Euro.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Sigfox, IoT-Spezialist und 0G-Betreiber, konnte sogar die Polizei von Störsicherheit seines Netzes überzeugen. Der Einsatz von Alarmmeldesystemen auf Sigfox-Basis ist von mehreren Landeskriminalämtern als äußerst zweckdienlich befunden worden, um das Aufschlitzen von Lkw- und Trailerplanen zuverlässig an Fahrzeugführer und Spediteure sowie Einsatzzentralen der Polizei und Sicherheitsdienstleister zu übermitteln.

Im Gegensatz zur gezielten Störung der 3G/4G/5G-Mobilfunknetze, die mittlerweile für organisierte Banden zur leichtesten Übung gehört, kann die Nachrichtenübermittlung über das 0G-Netzwerk nicht so einfach durch Störsender verhindert werden, die sich jedermann - illegal natürlich - im Darknet beschaffen kann.

Störsender für Sigfox 0G-Netz sind sind extrem groß und teuer

„Die hohe Störsicherheit des Sigfox 0G-Netzwerks ist dazu prädestiniert, in Alarmmeldesystemen welcher Art auch immer zum Einsatz zu kommen. Entweder als Hauptkommunikationskanal oder mindestens als Fallback, denn 3/4/5G-Mobilfunknetze können deutlich leichter gestört werden", erklärt Andreas Gießler, Geschäftsführer des Lkw-Planenherstellers Theftex.

Beim Einsatz einfacher Störsender - die zwar illegal sind, die aber jeder problemlos mitführen kann -bricht die 3G/4G/5G-Kommunikation zusammen, sodass die Diebe am Lkw zu schaffen mache könne, ohne eine Alarmübermittlung befürchten zu müssen. Die LPWAN-Technologie von Sigfox kann mit solchen Geräten jedoch nicht gestört werden.

Das Mobilfunketz zu stören, um Alarme zu unterbinden, ist für organisierte Lkw-Diebe heute kein Problem mehr. Bei einer Alarmübermittlung, die das LPWAN von Sigfox nutzt, sieht die Sache schon anders aus.
Das Mobilfunketz zu stören, um Alarme zu unterbinden, ist für organisierte Lkw-Diebe heute kein Problem mehr. Bei einer Alarmübermittlung, die das LPWAN von Sigfox nutzt, sieht die Sache schon anders aus.
(Bild: Sigfox)

Störsender, mit denen der Datenverkehr des Sigfox 0G-Netzes unterbunden werden könnten, sind extrem groß und sperrig und würden auf der Straße sofort auffallen. Außerdem sind sie selbst für organisierte Ladungsdiebe schlicht zu teuer ist. Deshalb steht nicht zu erwarten, dass Alarmmeldungen über das 0G-Netz in absehbarer Zeit gestört werden könnten.

Heimelektronik und Pkw-Reifen: Darauf fahren Planenschlitzer ab

„Einzelne Basisstationen von Mobilfunknetzen fallen bei Großveranstaltungen schnell durch Überlastung aus. Im Katastrophenfall verheerend, denn Notrufe kommen nicht mehr durch. Sigfox-Basisstationen können hingehen bis zu einer Million Devices verwalten und der Datenempfang ist bei vollem Netzausbau auch immer mehrfach redundant. Nachrichten werden dreifach im Frequenzsprungverfahren gesendet und zudem nicht nur von einer, sondern in der Regel mindestens drei Basisstationen empfangen. Das gewährleistet zusammen mit dem hohen Linkbudget eine extrem hohe Übertragungssicherheit", erklärt Aurelius Wosylus, Chief Sales Officer bei Sigfox Germany.

Störsichere Alarmmeldesysteme, die das Aufschlitzen von Lkw-Planen detektieren und in Echtzeit melden, können wirkungsvoll Warendiebstahl aus Lkw unterbinden, da die Gefahr einer Ringfahndung mit einer in Folge sehr zuverlässigen Dingfestmachung der Ladungsdiebe und der bei Hehlern beliebten Waren extrem hoch ist. Einen Schwerpunkt beim Diebesgut bilden Heimelektronik und Pkw-Reifen.

Deutschlandweit soll der Wert des durch Planenschlitzer entwendeten Diebesgutes im Jahr 2017 bei knapp 1,3 Milliarden Euro gelegen haben. Fuhrparkbetreiber können störsichere Alarmmeldesysteme mit 0G-Netzwerkanbindung bei Unternehmen wie Theftex beziehen. Hierzu gibt es auch Zuschüsse vom Versicherungsmakler Schunk. Sie erhalten einen Rabatt von bis zu 400 Euro je bestellter Alarmplane.

Über 85 Prozent Netzabdeckung in Deutschland

Zum Einsatz kommen kann die Theftex-Plane mit Sigfox-basiertem Alarmmeldesystem in ganz Europa und derzeit weltweit in 70 Ländern, in denen das Sigfox-Netz entweder schon komplett ausgerollt ist oder sich im Aufbau befindlich. Deutschlandweit ist die Netzabdeckung - auch im Vergleich zum Wettbewerb - sehr weit fortgeschritten.

Über 85 Prozent Netzabdeckung werden aktuell erreicht (Stand Februar 2020) und in vielen der 2056 Städte Deutschlands sowie auch in den meisten kleineren Dörfern und Gemeinden gibt es bereits eine voll funktionsfähige Netzabdeckung zumindest für Outdoor-Applikationen. Nicht selten sogar schon dreifach redundant mit 20 dB zusätzlicher Linkbudgetmarge für Indoor-Applikationen.

Japaner vernetzen 850.000 Gaszähler über Sigfox-LPWAN

Rund 850.000 Gaszähler von Nippon Gas, die in ganz Japan installiert sind, werden bis Ende des Geschäftsjahres 2020 dank eines von UnaBiz und SORACOM entwickelten nachrüstbaren Lesers smart. Das Projekt ist eine der bisher größten Implementierungen von Smart-Utility-Lösungen überhaupt.

Das "Space Hotaru" genannte Lesegerät wurde von Nippon Gas konzipiert, um bestehende Gaszähler im Retrofit-Verfahren problemlos um smarte Funktionen erweitern zu können. Die so verfügbar gemachten Verbrauchsdaten werden über diese Network Controlling Unit (NCU) gesammelt und an die IoT-Datenplattform Nicigas Stream von Nippon Gas übermittelt. Zum Einsatz kommt hierzu das japanweite flächendeckend verfügbare 0G-Netz von Sigfox, über das bidirektional auch die Gasventile ferngesteuert werden können. Die NCU ist äußerst energieeffizient und hat mit ihren internen Batterien eine Lebenserwartung von voraussichtlich über zehn Jahren.

Bisher werden die Zählerdaten in der Regel monatlich und manuell ausgelesen wurden. Die NCU dagegen sammelt diese stündlich und sendet sie einmal am Tag an Nicigas Stream. Die erfassten Daten werden dazu verwendet, die bei Kunden in Gasflaschen gelagerte Rest- Gasmenge in den Haushalten zu visualisieren und vorherzusagen. Ermöglicht wird so auch ein schnellerer Austausch der Gasflaschen, was die Servicequalität für die Verbraucher optimiert. Darüber hinaus meldet die NCU auch wichtige Ereignisse. Für den Fall eines Erdbebens ist das Gasventil so programmiert, dass es sich automatisch schließt.

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