Digitalisierung

Das Internet feiert 50. Geburtstag

| Redakteur: Jürgen Schreier

Einen runden Geburtstag feiert das Internet. Am 30. August 1969 nahm der erste Knoten des Internet-Vorläufers Arpanet seinen Betrieb auf. Anfang der 1990er-Jahre begann dann der Siegeszug des World Wide Web. 2018 war mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung per Internet vernetzt.

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Rund die Hälfte der Weltbevölkerung ist heute per Internet vernetzt. Im Jahr 2001 - damals wurden die ersten Nutzerdaten erhoben - waren es acht Prozent.
Rund die Hälfte der Weltbevölkerung ist heute per Internet vernetzt. Im Jahr 2001 - damals wurden die ersten Nutzerdaten erhoben - waren es acht Prozent.
(Bild: gemeinfrei / Pexels)

Ursprünglich war das Internet etwas kleiner geplant, als man es heute kennt. Gerade einmal vier Universitäten in den USA sollte das sogenannte Arpanet verbinden, als die Pläne für eine Vernetzung von Computern Ende der 1960er Jahre Gestalt annahmen.

Das Arpanet (Advanced Research Projects Agency Network) war ein Computer-Netzwerk, das ursprünglich im Auftrag der US Air Force ab 1968 von einer kleinen Forschergruppe unter der Leitung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und des US-Verteidigungsministeriums entwickelt wurde. Paul Baran (RAND-Studie) und Donald Watts Davies (dezentrale Netzstruktur und Paketvermittlung) lieferten wichtige Erkenntnisse aus dem Bereich der teilvermaschten Netztopologie und der paketvermittelten Netze, die als Kommunikationsgrundlage in die Entwicklung des Arpanets einflossen.

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Arpanet - Computer kommunizieren per Telefon

Mit dem Arpanet sollte ein dezentrales Netzwerk geschaffen werden, das unterschiedliche US-amerikanische Universitäten, die für das Verteidigungsministerium forschten, miteinander verband. Das damals revolutionäre dezentrale Konzept enthielt schon die grundlegenden Aspekte des heutigen Internets. Die Verbindungen wurden über Telefonleitungen hergestellt.

Der erste Knoten des Arpanet, ein sogenannter Host an der Universität von Los Angeles, nahm am 30. August 1969, seinen Betrieb auf. Er legte die Grundlage für das Internet und eine weltweite Erfolgsgeschichte ohne Beispiel. Im vergangenen Jahr war nach Zahlen der International Telecommunications Union (ITU) erstmals mehr als die Hälfte der gesamten Weltbevölkerung online.

So nutzen 2018 rund 3,9 Milliarden Menschen das Internet. Im Jahr 2001 (in diesem Jahr wurden diese Zahlen erstmals erhoben), waren es gerade einmal 495 Millionen oder acht Prozent der Weltbevölkerung. In Deutschland nutzen nach Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat aktuell 92 Prozent der Menschen in der Altersgruppe zwischen 16 und 74 Jahren das Internet, was 57 Millionen Nutzern entspricht.

„Die Köpfe hinter dem Arpanet hatten die Vision, Computer miteinander zu vernetzen, um den wissenschaftlichen Austausch voranzubringen. Sie stellten dabei die bis dato gültigen Regeln der Punkt-zu-Punkt-Kommunikation auf den Kopf. Niemand konnte vor 50 Jahren ahnen, wie sehr dieses Vorhaben die Welt verändern würde“, sagt Achim Berg, Präsident des Digitalverbandes Bitkom. „Wir sollten uns öfter an die Geschichte des Arpanets erinnern, wenn wir über Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz oder Blockchain sprechen.“

Internetprotokolle werden 1981 spezifiziert

Bis das Arpanet nach dem Startschuss im August 1969 wirklich Computer vernetzte, verging noch etwas Zeit. Zunächst wurde am 1. Oktober der zweite Knotenpunkt in Stanford aktiviert und es dauerte bis Dezember, bis auch Santa Barbara und die Universität von Utah angeschlossen waren. Die Mittel für das Projekt, das den Grundstein für das heutige Internet legte, kamen aus der staatlichen Advanced Research Projects Agency (ARPA), die dabei helfen sollte, die technologische Vorherrschaft der USA gegenüber der Sowjetunion sicherzustellen.

Obwohl nach dem Start des Arpanet 1969 schrittweise weitere Knoten hinzukamen, dauerte es noch drei Jahre, bis das Wachstum des Netzes richtig Fahrt aufnahm: 1972 wurde mit der E-Mail eine Art Killer-Anwendung für das neue Netz öffentlich vorgestellt. Waren davor durch das Arpanet in erster Linie Computer miteinander verbunden, so wurden nun auch Menschen vernetzt. Das World Wide Web, das viele heute mit dem Begriff Internet verbinden, kam übrigens erst viel später und setzte 1989 auf die bereits vorhandene Vernetzung der Computer auf.

Die dafür relevanten Protokolle (IPv4, ICMP und TCP) wurden 1981 spezifiziert. Sie sind bis heute die Grundlage der meisten Verbindungen im Internet. Diese sollten nach einer knapp zweijährigen Ankündigungszeit am 1. Januar 1983 auf allen Hosts aktiv sein. Mit der Umstellung von den Arpanet-Protokollen auf das Internet Protocol begann sich auch der Name „Internet“ durchzusetzen. Dies stellt die erste globale Protokollumstellung in der Geschichte des Internets dar und dauerte fast sechs Monate, Mit dem 1984 entwickelten DNS (Domain Name System)wurde es möglich, auf der ganzen Welt Rechner mit von Menschen merkbaren Namen anzusprechen.

Das Internet verbreitete sich über immer mehr Universitäten und weitete sich auch über die Grenzen der USA aus. Dort fand das Usenet weite Verbreitung und wurde zeitweise zu der dominanten Anwendung des Internets. Es bildeten sich erste Verhaltensregeln (Netiquette) und damit erste Anzeichen einer „Netzkultur“.

Erster Web-Server steht am CERN

Im Jahr 1990 beschloss die National Science Foundation der USA, das Internet für kommerzielle Zwecke nutzbar zu machen, wodurch es über die Universitäten hinaus öffentlich zugänglich wurde. Der britische Computerwissenschaftler Tim Berners-Lee entwickelte um das Jahr 1989 am Forschungszentrum CERN im Schweizer Kanton Genf die Grundlagen des World Wide Web. Am 6. August 1991 machte er dieses Projekt eines Hypertext-Dienstes via Usenet mit einem Beitrag zur Newsgroup alt.hypertext öffentlich und weltweit verfügbar.

Mächtig Auftrieb erhielt das Internet ab 1993, als der erste grafikfähige Webbrowser namens Mosaic veröffentlicht und zum kostenlosen Download angeboten wurde. Dieser ermöglichte die Darstellung von Inhalten des WWW. Insbesondere durch den Internetdiensteanbieter AOL und dessen Software-Suite kam es zu einer wachsenden Zahl von Nutzern und vielen kommerziellen Angeboten im Internet. Da der Webbrowser fast alles andere verdrängte, wird er auch als die "Killerapplikation" des Internets bezeichnet. Das Internet ist ein wesentlicher Katalysator der digitalen Revolution.

Übrigens: Das Arpanet, mit dem alles begann, wurde offiziell am 28. Februar 1990 stillgelegt.

Darknet, Deep Web & Co.

Das Darknet ist ein versteckter Teil des Internets – unsichtbar für alle, die mit einem Standard-Browser unterwegs sind. Um Seiten im Darknet aufzurufen, wird eine spezielle Software benötigt, die Zugang zum Tor-Netzwerk bietet. Dafür verwenden die meisten den Tor-Browser (Tor = The Onion Router), eine Open-Source-Software, die auf dem Firefox basiert. Der Tor-Browser sorgt dafür, dass man im Darknet anonym bleibt. Der Datenverkehr wird verschlüsselt und über mehrere Rechner umgeleitet.

Das Darknet ist ein (kleiner) Teil des Deep Web. Das Deep Web enthält größtenteils zugangsgeschützte Bereiche, z.B. Datenbanken, die nicht in Suchmaschinen indexiert sind. Grundsätzlich sind jedoch keine besonderen Tools nötig, um auf solche Informationen zuzugreifen.

Hidden Services sind Rechner, die ihre Funktionalität innerhalb des Tor-Netzwerks zur Verfügung stellen und deren Adresse auf .onion endet. Ihre Funktion kann ein einfacher Webserver sein oder eine komplexe Dienstleistung, die aus vielen Modulen besteht. Zu den Hidden Services gehören alle Webinhalte, die nicht über Suchmaschinen auffindbar sind, also auch solche, die nicht über Google & Co. auffindbar sind. Für den Zugriff auf .onion-Adressen ist der Tor-Browser erforderlich.

Auch wenn Tor das bekannteste Verfahren zur Anonymisierung von Web-Traffic ist, ist es nicht das einzige Protokoll, das für die Anonymität der User im Deep Web sorgen kann.

Hornet (Highspeed Onion Routing Network): Das von Forscher des University College London und der ETH Zürich entwickelte Anonymisierungsnetzwerk ähnelt Tor in der Funktionsweise, arbeitet jedoch schneller.

I2P (Invisible Internet Project): I2P dagegen funktioniert im Prinzip wie ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) – und unterscheidet sich damit von Tor und Hornet.

Quelle: G-Data Software

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