Oliver Schonschek

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IT-Fachjournalist, News Analyst und freier Lead News Analyst bei Insider Research

Startschuss oder Schnellschuss?

Business Cases mit 5G - was geht hier wirklich?

| Autor/ Redakteur: Oliver Schonschek / Jürgen Schreier

Technik-Messen kommen gegenwärtig an dem Thema 5G nicht vorbei. Das galt natürlich für den MWC 2019 in Barcelona, das gilt aber auch für die Hannover Messe 2019. Doch ist 5G wirklich schon so weit, dass über konkrete Business Cases gesprochen werden kann? Wie steht es zum Beispiel um die Sicherheit und um die Datenanalysen in 5G-Projekten?

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5G gilt als Hoffnungsträger, wird aber für erfolgreiche IoT-Projekte nicht ausreichen, denn es geht nicht nur um Übertragungsbandbreite. Die Monetarisierung der IoT-Daten erfordert deren Auswertung nahezu in Echtzeit.
5G gilt als Hoffnungsträger, wird aber für erfolgreiche IoT-Projekte nicht ausreichen, denn es geht nicht nur um Übertragungsbandbreite. Die Monetarisierung der IoT-Daten erfordert deren Auswertung nahezu in Echtzeit.
( Bild: Pixabay / CC0 )

Deutschland soll Weltspitze bei der digitalen Infrastruktur und Leitmarkt für 5G werden, sagt die Bundesnetzagentur. Die neue Mobilfunkgeneration 5G solle die Entwicklung innovativer Dienste und Anwendungen (wie Industrie 4.0, automatisiertes Fahren, Internet der Dinge) fördern. Dafür würden Frequenzen frühzeitig und bedarfsgerecht bereitgestellt, damit Deutschland bei diesem Technologiesprung voranschreitet. Bis etwa zum Jahr 2022 sei mit einer flächendeckenden Versorgung zu rechnen. Teilnetze könnten bereits früher in Ballungsgebieten verfügbar sein, erklärt das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik).

Die Hannover Messe 2019 möchte bereits den Startschuss für den Einsatz des schnellen Mobilfunks mit 5G in der Industrie geben. Bei dem neuen Standard werde momentan noch viel über neueste Smartphones und Privat-Anwendungen diskutiert, aber gerade im industriellen Einsatz könne 5G seine vielen Vorteile voll ausspielen.

Doch gibt es sie wirklich bereits, die Business Cases für 5G in der Industrie? Ist die Industrie und sind die Mobilfunkanbieter überhaupt bereits 5G-fähig?

Arthur D. Little (ADL) hat seinen 5G Country Leadership Index veröffentlicht. Bei einem Benchmarking von mehr als 40 Ländern ist Südkorea klarer Leader vor den USA. Andere 5G-Leader sind Australien, Katar, die Schweiz, Finnland, Spanien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Frankreich und Deutschland sind weiter entfernte 5G-Follower.
Arthur D. Little (ADL) hat seinen 5G Country Leadership Index veröffentlicht. Bei einem Benchmarking von mehr als 40 Ländern ist Südkorea klarer Leader vor den USA. Andere 5G-Leader sind Australien, Katar, die Schweiz, Finnland, Spanien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Frankreich und Deutschland sind weiter entfernte 5G-Follower.
( Bild: Arthur D. Little )

Was bedeutet 5G-Readiness für die Datensicherheit?

Mit 5G ändert sich alles, meint Palo Alto Networks und unterstreicht dabei die Folgen für die Datensicherheit: Kritische Anwendungen wie die Fernwartung, -überwachung und -steuerung von Stromnetzen ebenso wie selbstfahrende Autos würden in Zukunft alle auf 5G-Technologien basieren. Die Netzwerke werden dann stärker verteilt sein, und viele kritische Anwendungen sollen künftig am Rand von 5G-Netzwerken und über Edge-Clouds gehostet werden.

Angreifer werden sich die Automatisierung zunutze machen, um mehrstufige Angriffe zu starten und die am schlechtesten geschützten Bereiche der 5G-Netze zu finden, warnt Palo Alto Networks.

Damit Mobilfunknetze wirklich 5G-fähig sind, ist daher ein neuer Sicherheitsansatz erforderlich. Auch wenn Standards und Netzwerkarchitekturen für 5G noch in der Entwicklung sind, ist es für Mobilfunkbetreiber nicht nur eine Option, sondern unerlässlich, die richtigen Sicherheitsfunktionen zu integrieren, so Palo Alto Networks.

Um die Netze 5G-fähig zu machen, müssten Mobilfunkbetreiber eine robuste und umfassende End-to-End-Sicherheitsstrategie umsetzen. Dies bedeute:

  • Vollständige Transparenz, Inspektion und Kontrolle, die auf allen Ebenen des Netzwerks angewendet werden, also auf Anwendungs-, Signalisierungs- und Datenebene
  • Bedrohungsanalysen in der Cloud basierend auf maschinellem Lernen (ML), die über die verschiedenen Standorte und Umgebungen des Mobilfunknetzes hinweg genutzt werden
  • Eine Cloud-fähige Plattform, die eine konsistente Sicherheitsüberwachung über alle Netzwerkstandorte hinweg gewährleistet

Noch haben die Mobilfunkbetreiber also einiges zu tun, um die Sicherheit rund um 5G zu gewährleisten. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat Eckpunkte für eine Erweiterung des Katalogs an

Sicherheitsanforderungen für den Betrieb von Telekommunikationsnetzen veröffentlicht. Im Rahmen ihrer Sicherheitskonzepte müssen Unternehmen zukünftig die erweiterten Sicherheitsanforderungen erfüllen. Das gilt insbesondere auch für den anstehenden Ausbau des 5G-Netzes in Deutschland, das eine zentrale kritische Infrastruktur für Zukunftstechnologien darstellt.

Angesichts der Bedeutung von 5G für die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Standortes muss die Technik, die beim Ausbau von 5G zum Einsatz kommt, höchste Sicherheitsstandards erfüllen, so das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Sicherheitsbedenken müssten so weit wie möglich ausgeschlossen werden. Das gilt für die eingesetzte Hard- und Software gleichermaßen.

Eigene 5G-Projekte der Industrie

Andererseits hängt 5G nicht völlig von den Mobilfunkanbieter ab. Verschiedene Unternehmen wollen eigene 5G-Netze aufbauen, berichtet der Sicherheitsanbieter Netscout:

Die Bundesnetzagentur will Industrieunternehmen, regionale Netzbetreiber und mittelständische Firmen bei der Automatisierung ihrer Geschäftsprozesse durch 5G unterstützen. Per Antragsstellung können Unternehmen künftig auf ihrem Gelände eigene 5G-Netze aufbauen – und müssen dazu nicht an einer Frequenzversteigerung teilnehmen.

Die DAX-Konzerne Siemens, Volkswagen, Daimler und BASF haben bereits ihr Interesse an eigenen lokalen Frequenzen bekundet, so Netscout. Insbesondere Produktionsanlagen sollen vernetzt und damit automatisiert werden. Eine große Rolle für den Aufbau lokaler 5G-Netze spielt, dass Unternehmen nicht erst auf den Netzausbau durch große Carrier warten wollen.

Auch eine vermeintlich höhere Netzwerksicherheit, und dass Netze flexibler an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können, sind Argumente. Inwieweit sich eigene Firmennetze jedoch wirklich ohne die Unterstützung von Carrieren umsetzen lassen, wird sich allerdings erst innerhalb der nächsten zwei Jahren zeigen.

Wie steht es um die Verarbeitung der Daten in 5G-Projekten?

5G gilt als Hoffnungsträger, wird aber für erfolgreiche IoT-Projekte nicht ausreichen, denn es geht nicht nur um Übertragungsbandbreite, so Ververica (vormals data Artisans). Die Wertschöpfung aus IoT-Daten könne es nur dann gegeben, wenn deren Auswertung nahezu in Echtzeit möglich ist.

Unternehmen erzeugen kontinuierlich immer größere Datenmengen, insbesondere Sensordaten der vernetzten Industrie 4.0. Diese Entwicklung wird in 5G-Projekten noch deutlich zunehmen. Mit 5G würden deshalb auch neue Ansätze in der Datenverarbeitung notwendig, erklärt Ververica.

Steigende Energiekosten durch 5G befürchtet

Vertiv und das Analystenhaus 451 Research veröffentlichten die Ergebnisse einer Umfrage, die einen Einblick in das Zusammenspiel aus 5G und Edge Computing geben soll. Die Mehrheit der befragten Telekommunikationsanbieter glaubt, dass die 5G-Ära regionenübergreifend im Jahr 2021 tatsächlich beginnen wird, wobei 88 Prozent der Befragten planen, 5G in den Jahren 2021/2022 einzusetzen.

Mehr als 90 Prozent der Befragten glauben jedoch, dass 5G zu höheren Energiekosten führen wird und interessieren sich für Technologien und Dienstleistungen zur Effizienzsteigerung. Dies steht im Einklang mit der internen Analyse von Vertiv, die aufzeigt, dass der Wechsel zu 5G den Gesamtenergieverbrauch des Netzwerks bis zum Jahr 2026 um 150-170 Prozent erhöhen wird – mit den größten Zuwächsen bei den Makro-, Node- und Netzwerk-Rechenzentren.

Auch solche Studienergebnisse müssen berücksichtigt werden, wenn es um die wirtschaftlichen Vorteile und Business-Chancen durch 5G geht.

Wie sich die Nutzung von 5G entwickeln soll

Cisco hat seinen neuen VNI Global Mobile Data Traffic Forecast, 2017–2022 veröffentlicht. Demnach wird 5G in 2022 noch einen bescheidenen Anteil an dem mobilen Datenverkehr erlangen:

  • 2017 unterstützten LPWA-Netzwerke (Low-Power Wide Area) 1,5 Prozent der Mobilfunkgeräte / M2M-Verbindungen, 2G 34 Prozent, 3G 30 Prozent und 4G unterstützte 35 Prozent.
  • Bis 2022 sollen LPWA-Netzwerke 14 Prozent der Mobilfunkgeräte / M2M-Verbindungen unterstützen, 2G 8 Prozent, 3G 20 Prozent, 4G 54 Prozent und 5G drei Prozent.
  • Im Jahr 2022 werden 5G-Verbindungen somit erst drei Prozent der gesamten Mobilfunkverbindungen und etwa 12 Prozent des weltweiten mobilen Datenverkehrs ausmachen.

Fazit: Industrieunternehmen sollten sich intensiv mit dem neuen Standard 5G befassen, doch bei aller Diskussion über die Vorteile von 5G für Businessanwendungen nicht vergessen, dass die Grundlagen zuverlässig gelegt werden müssen. Das gilt insbesondere für Fragen im Bereich der Sicherheit und der Verarbeitung der steigenden Datenmengen. Nicht nur die Mobilfunkanbieter haben vor dem 5G-Erfolg noch einiges zu tun, auch die Unternehmen aus der Industrie und anderen Branchen.

Oliver Schonschek ist IT-Fachjournalist und News Analyst in Bad Ems.

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