Chinesen auf der "Blacklist"

Bitkom: Huawei-Bann kann die Digitalwirtschaft gefährden

| Redakteur: Jürgen Schreier

Für Deals mit Huawei benötigen US-Unternehmen jetzt eine Lizenz. Einige Firmen haben bereits Konsequenzen gezogen und beliefern den chinesischen Hersteller von Smartphones und Infrastrukturausrüstung nicht mehr. Kritisch mit dieser Entwicklung setzt sich der Digitalverband Bitkom auseinander.

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Achim Berg, Bitkom: "Werden kritische Bauteile oder Software-Module nicht mehr geliefert, kann dies einen kompletten Produktions- oder Wartungsprozess zum Erliegen bringen, Unternehmen existentiell gefährden und im Extremfall ganze Volkswirtschaften ins Straucheln bringen."
Achim Berg, Bitkom: "Werden kritische Bauteile oder Software-Module nicht mehr geliefert, kann dies einen kompletten Produktions- oder Wartungsprozess zum Erliegen bringen, Unternehmen existentiell gefährden und im Extremfall ganze Volkswirtschaften ins Straucheln bringen."
( Bild: Till Budde )

Die US-Regierung macht Erbst. So ist der chinesische Netzwerkausrüster Huawei seit dem 17. Mai 2019 auf der "schwarzen Liste" der USA. Will heißen: Wer Geschäfte mit dem Smartphone-Hersteller und Netzwerkausrüster machen will, muss künftig eine Lizenz erwerben. Unterschiedliche US-Firmen wie der Chipset-Produzent Qualcomm liefern ab sofort weder Hardware noch Software an Huawei.

Inzwischen ist keineswegs nur das Geschäft mit Netzwerkinfrastruktur von dem Bann betroffen. Der Google-Mutterkonzern Alphabet hat bekannt gegeben, dass er Huawei-Smartphones künftig nicht mehr mit Android-Updates versorgen will. Für Huawei, die Nummer 2 am Weltmarkt für Smartphones, ist das eine echte Herausforderung.

Huawei und Android: Wie geht's weiter?

In dem Bestreben, seinen besorgten Kundenstamm zu beschwichtigen, sagte das chinesische Unternehmen heute, dass es weiterhin Sicherheitsupdates und After-Sales-Support für seine bestehende Produktreihe von Smartphones bereitstellen wird. Einem Bericht von TechCrunch zufolge, konnte Huawei jedoch keine Garantie dafür abgeben, dass bestehende Kunden weiterhin Software-Updates für ihre Android-Telefone erhalten. Zudem lässt der chinesische Hersteller offen, ob zukünftige Handys von Huawei mit Android oder "etwas anderem" ausgeliefert werden.

Aber nicht nur für US-Firmen hat die Entscheidung der Trump-Administration Folgen. So soll der deutsche Halbleiterhersteller Infineon nach Medienberichten Chip-Lieferungen an Huawei ausgesetzt haben.

Zu der aktuellen Entwicklung im "Fall Huawei" nimmt Achim Berg, Präsident des ITK-Verbands Bitkom, Stellung und hebt zugleich die Verantwortung Europas hervor. „Der Welthandel ist kein Nullsummenspiel. Der sich weiter verschärfende Handelskonflikt kennt auf allen Seiten nur Verlierer. Politik und Wirtschaft sollten alles dafür tun, dass aus diesem Feuer kein Flächenbrand wird, der die gesamte Tech-Welt erfasst", meint Berg.

Global Sourcing: Basis der Innovationsstärke der Digitalwirtschaft

"Gerade die digitale Wirtschaft lebt vom internationalen Austausch. Dieses Global Sourcing ist Basis der einzigartigen Innovationsstärke der digitalen Wirtschaft. Keine Region, kein Land und kein Unternehmen der Welt kann auf dieses weltweite digitale Ökosystem verzichten. Werden kritische Bauteile oder Software-Module nicht mehr geliefert, kann dies einen kompletten Produktions- oder Wartungsprozess zum Erliegen bringen, Unternehmen existentiell gefährden und im Extremfall ganze Volkswirtschaften ins Straucheln bringen", ist Berg überzeugt.

Diese gegenseitigen technologischen Abhängigkeiten seien, so Berg weiter, eine politische Verpflichtung: zum Verzicht auf willkürlichen Konflikt und zur unbedingten Suche nach Konsens. "Ideologischer Nationalismus und wirtschaftlicher Protektionismus sind ein brandgefährlicher Irrweg. Gerade wo China den Einsatz vieler westlicher Technologien und Plattformen kategorisch untersagt oder die USA Strafzölle auf Importprodukte verhängen, kann Europa Stärke zeigen: mit einem echten Digitalen Binnenmarkt, der auf Kooperation statt Abschottung setzt und einer EU, die eine hörbare Stimme in der geostrategischen Digitalpolitik ist.“

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gemeinfrei; Huawei; TUP; Till Budde; BASF; devolo; Aruba; Foto: Southside, Atmo, Credit: Matthias Rhomberg, 016, Ausschnitt bearbeitet; Valéry Kloubert; Stefan Bausewein; tuachanwatthana