Trendmonitor Deutschland Bei 5G ist die Kauflaune der Verbraucher noch recht verhalten

| Redakteur: Jürgen Schreier

Der aktuelle "Trendmonitor Deutschland" von Nordlight Research untersucht Image, Trends und Potenziale von 5G im Verbrauchermarkt. Grundsätzlich ist die 5G-Technologie bekannt; auch das Interesse ist da. Allerdings signalisiert die Studie eine (noch) geringe Kaufbereitschaft.

Das Angebot an 5G-fähigen Endgeräten ist derzeit noch überschaubar.
Das Angebot an 5G-fähigen Endgeräten ist derzeit noch überschaubar.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash )

Der neue Mobilfunkstandard 5G ist der großen Mehrheit der Bundesbürger (87 Prozent) mittlerweile bekannt und stößt bei vielen auch auf Interesse (62 Prozent). Trotz überwiegend positivem Verbraucherimage ist die Kaufbereitschaft allerdings noch gering: sich jetzt bereits gezielt 5G-fähige Smartphones anzuschaffen oder 5G-Mobilfunkverträge abzuschließen (jenseits ohnehin geplanter Neuanschaffungen bzw. automatischer Upgrades) kommt nur für wenige in Frage. In einzelnen Zielgruppen, wie etwa "Early Adopter" oder "Performance-Orientierte", zeigen sich für die Anbieter im Verbrauchermarkt dennoch bereits Potenziale.

Derzeit verfügen nach eigenen Angaben fast zehn Prozent der Bundesbürger bereits über 5G-kompatible Smartphones; insbesondere die Nutzer der aktuellen Premium-Modelle von Samsung oder Huawei (Apple zieht mit der 5G-Ausstattung erst im Laufe von 2020 nach).

Dies sind Ergebnisse aus der der aktuellen Ausgabe des "Trendmonitor Deutschland" des Marktforschungsinstituts Nordlight Research zum Schwerpunktthema "5G und Mobile Internet: Image, Trends und Potenziale im Consumer Market". Rund 1000 Bundesbürger ab 14 Jahren aus Haushalten mit Internetanschluss wurden repräsentativ zu den Themen 5G, Mobilfunk und mobiles Internet befragt.

Verbraucher rechnen mit höheren Preisen

Besonders attraktiv an 5G erscheinen den Deutschen vor allem die erhoffte höhere Stabilität bzw. Störungsfreiheit der Internetverbindungen (66 Prozent) sowie eine höhere Übertragungsgeschwindigkeit im mobilen Internet (55 Prozent). Mögliche Anwendungen von 5G - etwa in den Bereichen Smart Home, Smart City, automatisiertes Fahren oder Telemedizin - werden teils als attraktiv, teils aber auch als uninteressant beurteilt.

Generell gegen die Nutzung von 5G sprechen aus individueller Verbrauchersicht derzeit vor allem die erwarteten höhere Preise für 5G-Mobilfunkverträge (61 Prozent) und 5G-Smartphones (49 Prozent). Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) befürchtet zudem eine mögliche gesundheitsgefährdende Strahlung der neuen Mobilfunktechnologie.

42 Prozent der Verbraucher zeigen sich bisher grundsätzlich nicht bereit, sich wegen 5G ein neues Smartphone oder andere 5G-Endgeräte anzuschaffen. Auch die Aufpreis-Bereitschaft für 5G-Mobilfunkverträge ist bisher überwiegend gering. Je nach aktuell genutzten Anbietermarken (Smartphone, Mobilfunk) zeigen sich hier teils deutliche Beurteilungsunterschiede. Insgesamt am stärksten von 5G profitieren können aus Sicht der Bundesbürger die Unternehmen (55 Prozent) und die Gesellschaft insgesamt (32 Prozent). Nur 13 Prozent meinen, dass primär der private Endverbraucher von 5G profitieren kann.

Erst der erlebbare Mehrwert wird für Begeisterung sorgen

"5G wird im Konsumentenmarkt hierzulande erst größere Begeisterung stiften können, wenn der unmittelbare persönliche Nutzen und die Mehrwerte stärker erlebbar werden", sagt Thomas Donath, Geschäftsführer bei Nordlight Research. "Dies ist aufgrund fehlender Infrastrukturen und 5G-Geräte aktuell erst selten der Fall".

Mit der Massenverbreitung von 5G im Consumer Market kann es freilich noch dauern: Bisher liegt selbst die Durchdringung des 4G-Netzes in Deutschland (seit 2011 im Aufbau) lediglich bei rund 70 Prozent. Zu 5G gibt es derzeit erste Pilotprojekte und Pilotregionen.

Das generelle Image von 5G im Vergleich zu aktuellen Mobilfunkstandards (4G / 3G) ist bei Otto Normalverbraucher - trotz bisher meist fehlender Nutzererfahrungen - überwiegend positiv. 5G wird im Vergleich überwiegend als "schneller", "stabiler/störungsfreier", "zukunftsfähiger", "unabhängiger von äußeren Bedingungen", "netzabdeckender" und in der Anwendung als "vielfältiger" wahrgenommen. Keine besonderen Vorteile werden 5G in puncto "Datensicherheit" und "Schutz der Privatsphäre" zugesprochen.

5G spricht emotional zunächst performanceorientierte Menschen an

Imageschwächen von 5G gegenüber 4G/3G zeigen sich in den Aspekten "akkuschonend" und "kostengünstig". Insgesamt gilt 5G bei den Verbrauchern als "überlegen", zugleich "eher teuer" und "ressourcenintensiv". Damit dürfte 5G emotional zunächst vor allem performanceorientierte und luxusorientierte Menschen ansprechen.

"Insgesamt hat 5G bei den Verbrauchern bereits im Frühstadium ein weitgehend positives Image erreicht" , sagt Matthias Starosta, Studienleiter bei Nordlight Research. "Deutlich bremsend könnte sich in der Breite aber beispielsweise auswirken, wenn Preisdifferenzen zum bisher Gewohnten als zu groß erlebt werden."

Huawei wird als 5G-Netzausrüster ambivalent beurteilt

Dass auch das chinesische Unternehmen Huawei am Ausbau der 5G-Netzinfrastruktur in Deutschland beteiligt wird, beurteilen die meisten Bundesbürger neutral bzw. unentschieden (47 Prozent). Ausdrücklich positive und negative Urteile halten sich in etwa die Waage: 29 Prozent begrüßen eine Mit-Beteiligung von Huawei (davon neun Prozent in sehr starkem Maße); 24 Prozent lehnen diese hingegen ab (davon zwölf Prozent in sehr starkem Maße). Einen grundsätzlichen Ausschluss von Huawei beim Infrastrukturausbau fordern die Bundesbürger also nur selten; weit verbreitet sind hier aber Unsicherheiten und Vorbehalte.

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