Technologieneutralität

Autonomes Fahren: 5G jetzt mit im Boot

| Redakteur: Jürgen Schreier

Die EU-Mitgliedstaaten haben einen Vorschlag der Europäischen Kommission abgelehnt, in vernetzten Fahrzeugen primär Wi-Fi-basierte Technologien einzusetzen. Damit wäre der neue Mobilfunkstandards 5G möglicherweise außen vor geblieben.

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Venetztes Fahren: Während die EU-Kommission bisher die Wi-Fi-Technolgie favorisierte, soll nach dem Veto der Mitgliedsländer jetzt eine technologieneutrale Lösung (inklusive Mobilfunk) zum Zuge kommen.
Venetztes Fahren: Während die EU-Kommission bisher die Wi-Fi-Technolgie favorisierte, soll nach dem Veto der Mitgliedsländer jetzt eine technologieneutrale Lösung (inklusive Mobilfunk) zum Zuge kommen.
( Bild: gemeinfrei / Pexels )

Die EU-Kommission hatte sich bisher für die Wireless-LAN-Technologie (Wi-Fi) als Kommunikationsstandard für autonome Fahrzeuge entschieden. Doch auch in der Automobilindustrie gingen die Meinungen bisher auseinander. Während Deutschlands größter Automobilhersteller Volkswagen, General Motors Co. und die Volvo Group den Regelungsentwurf für Wi-Fi-Systeme unterstützen präferierten BMW, der Modulhersteller Qualcomm und die Deutsche Telekom eine Mobilfunklösung.

5G Automotive Association: Starkes Signal für Technologieneutralität

Die Wi-Fi-Gegner hatten die EU-Gesetzgeber aufgefordert, ihr Veto einzulegen. Ein Grund ist die Befürchtung, dass diese zusätzliche Investitionen tätigen müssten, um eine Technologie einzubauen, die schon bald veraltet sein würde. Außerdem böte Wi-Fi eine schlechtere Leistung als eine zellulare Technologie, die mit zukünftigen 5G-Netzen kompatibel sei.

Bitkom-Präsident Achim Berg: „Mobilfunk funktioniert auch über große Entfernungen. So können insbesondere schlecht geschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer perspektivisch über ihr Smartphone im intelligent vernetzten Verkehr sicher eingebunden werden."
Bitkom-Präsident Achim Berg: „Mobilfunk funktioniert auch über große Entfernungen. So können insbesondere schlecht geschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer perspektivisch über ihr Smartphone im intelligent vernetzten Verkehr sicher eingebunden werden."
( Bild: Till Budde )

Die Entscheidung, so der Nachrichtendienst Bloomberg, sei ein Sieg für die 5G-Technologie, da sich Länder auf der ganzen Welt auf die Einführung ultraschneller 5G-Mobilfunknetze vorbereiteten, die alles von selbstfahrenden Autos bis hin zu intelligenten Fabriken versorgen sollen.

"Die Mitgliedstaaten haben heute ein starkes Signal an die Kommission gesendet, dass sich die Technologieneutralität durchsetzen sollte", sagt Maxime Flament, Chief Technology Officer bei der 5G Automotive Association, der Qualcomm und die Daimler AG angehören. "Nur gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen den bestehenden Technologien werden eine sicherere und effizientere Mobilität auf europäischen Straßen ermöglichen."

Bitkom: Offener Ansatz bietet große Vorteile

Auch der Digitalverband Bitkom begrüßt die Entscheidung. Bitkom-Präsident Achim Berg: „Mit ihrer heutigen Entscheidung macht die EU den Weg frei für eine technologieneutrale Lösung bei der Kommunikation vernetzter Autos. Diese ist notwendig, um Verkehrsströme sicherer, effizienter und umweltschonender zu machen – durch den Einsatz intelligenter digitaler Technologien. Ein offener Ansatz, der neben WLAN- auch Mobilfunktechnologien berücksichtigt, bietet große Vorteile für eine ungehinderte technologische Entwicklung. Neben der netzunabhängigen direkten Vernetzung von Verkehrsteilnehmern funktioniert Mobilfunk auch über große Entfernungen. So können insbesondere schlecht geschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer perspektivisch über ihr Smartphone im intelligent vernetzten Verkehr sicher eingebunden werden. Jetzt ist die Europäische Kommission gefragt, dem heutigen Votum zu folgen und zügig einen neuen Entwurf für einen delegierten Rechtsakt vorzulegen. Dieser muss dem Anspruch von Technologieneutralität und Zukunftsoffenheit Rechnung tragen. Die internationale Konkurrenz aus den USA und China wartet nicht auf Europa.“

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