„Winning the 5G Race“ 5G-Optimismus kann Sicherheitsbedenken nicht verdrängen

| Redakteur: Jürgen Schreier

Unternehmen weltweit begrüßen zwar den den neuen 5G-Mobilfunkstandard, hegen aber dennoch Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Technologie. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Umfrage „Winning the 5G Race“ des Beratungsunternehmens Accenture.

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Die Sicherheitsrisiken beginnen nach Einschätzung der Unternehmen hauptsächlich auf der Benutzerebene, und zwar unabhängig davon, ob es sich dabei um Geräte oder die sie bedienenden Personen handelt.
Die Sicherheitsrisiken beginnen nach Einschätzung der Unternehmen hauptsächlich auf der Benutzerebene, und zwar unabhängig davon, ob es sich dabei um Geräte oder die sie bedienenden Personen handelt.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash )

Die Erwartungen an 5G sind enorm. Das zeigt die Umfrage „Winning the 5G Race“ der Unternehmensberatung Accenture. Vier von fünf Befragten (79 Prozent) gaben an, dass 5G einen signifikanten Einfluss auf ihre Organisation haben wird. 57 Prozent von ihnen gehen zudem davon aus, dass der neue Mobilfunkstandard sogar „revolutionäre“ Auswirkungen mit sich bringen werde. Mit Blick auf 4G wollte lediglich ein Viertel (24 Prozent) der Befragten einen revolutionären Einfluss feststellen.

Interessant ist jedoch, dass aller Optimismus nicht die Sicherheitsbedenken um 5G verdrängen kann. Diese haben sogar leicht zugenommen. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Befragten äußerte sich in dieser Hinsicht negativ, während es in der letztjährigen Umfrage nur 32 Prozent waren. Darüber hinaus befürchten mehr als sechs von zehn Teilnehmern der Umfrage (62 Prozent), dass 5G sie anfälliger für Cyberangriffe machen könnte. In diesem Zusammenhang sehen die Unternehmen das Risiko begänne hauptsächlich auf der Benutzerebene, und zwar unabhängig davon, ob es sich dabei um Geräte oder die sie bedienenden Personen handelt.

Unternehmen wollen Sicherheitsrichtlinien definieren

„Die Verbindung zwischen 5G und dessen vermeintlichen Sicherheitsrisiken ist komplex“, kommentiert Boris Mauer, bei Accenture europaweit verantwortlich für die Telekommunikation und Medien-Industrien. „Laut unserer Umfrage glauben Führungskräfte, dass 5G zur Sicherheit ihrer Unternehmen beitragen kann. Gleichzeitig nehmen sie sehr wohl der 5G-Netzwerkarchitektur innewohnende Herausforderungen wahr – mit Blick auf die Privatsphäre der Benutzer, die Anzahl der angeschlossenen Geräte und Netzwerke sowie den Zugang zu Diensten und die Integrität der Lieferkette.“

Die Umfrage deutet außerdem darauf hin, dass Unternehmen durchaus vorausschauend planen, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen wollen. Drei Viertel (74 Prozent) der Befragten gaben an, Richtlinien und Verfahren im Zusammenhang mit Sicherheitsaspekten neu definieren zu müssen, sobald 5G eingeführt werde.

Die entstehenden Kosten durch die Umstellung auf 5G regen die Verantwortlichen zum Nachdenken an. Insbesondere die Kosten für die Operationalisierung von 5G sind ein heißes Thema – hier glauben vier von fünf Befragten (80 Prozent), dass die Kosten für die Verwaltung ihrer IT-Infrastruktur und Anwendungen steigen werden. Unterdessen äußerte fast ein Drittel (31 Prozent) die Meinung, die Vorlaufkosten für die Implementierung von 5G werden zu hoch ausfallen.

Unternehmen erkennen allmählich, dass sie, um das Potenzial von 5G zu erschließen, externe Unterstützung benötigen. So gaben fast drei Viertel (72 Prozent) der Befragten an, Unterstützung zu benötigen, um sich die künftigen Möglichkeiten für zusammenhängende 5G-Lösungen vorstellen zu können. Zudem ist der Prozentsatz der Unternehmen, die davon ausgehen, 5G-Anwendungen intern zu entwickeln, von 23 Prozent in der Vorjahresumfrage auf 14 Prozent in diesem Jahr gesunken.

5G soll Außendienstler noch mobiler machen

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Trotz der Herausforderungen, die 5G mit sich bringt, steht Unternehmen, die diese Technologie umsetzen, eine positive Zukunft bevor. Weltweit erkennen Unternehmen nun das enorme Potenzial, denn die Vorteile sind zahlreich und das Bewusstsein für diese Vorteile wächst. So erwarten 85 Prozent der Befragten (im letzten Jahr waren es noch 68 Prozent), 5G innerhalb der nächsten vier Jahre zur Unterstützung mobiler Mitarbeiter im Außendienst einzusetzen.

„Wer die passgenaue Geschäftsstrategie entwickelt und sich der Kooperation innerhalb von Ökosystemen öffnet, dem bieten sich überzeugende Anwendungsbeispiele für 5G, mit entsprechendem Effekt auf das Geschäftsergebnis“, resümiert Boris Maurer. „Die Anbieter von Kommunikationsdiensten sollten deshalb jetzt handeln, um sicherzustellen, dass sie im Zentrum des 5G-Ökosystems stehen und so ihr Wachstumspotenzial voll ausschöpfen. Der richtige Fokus auf Sicherheit und Kontrolle über Informationen und Daten kann dabei zu echter Differenzierung verhelfen.“

Sicherheitslücke im 4G-/LTE-Standard

Über eine Sicherheitslücke im Mobilfunkstandard 4G/LTE ist es Forschern der Ruhr-Universität Bochum gelungen, die Identität fremder Personen anzunehmen und in deren Namen kostenpflichtige Dienste buchen zu können, die über die Handyrechnung bezahlt werden.

Die Schwachstelle kann auch Folgen für Strafverfolgungsbehörden haben. Denn Angreifer können nicht nur im Namen des Opfers Käufe tätigen, sondern auch Webseiten aufrufen und dort mit der Identität des Opfers agieren - beispielsweise geheime Firmendokumente online stellen. Für die Netzbetreiber oder die Strafverfolgungsbehörden sähe es so aus, als ob das Opfer der Täter sei.

Von der neu entdeckten Schwachstelle betroffen sind alle Geräte, die LTE verwenden. Beheben ließe sie sich nur durch ein verändertes Hardware-Design.

Das Problem liegt in dem derzeit fehlenden Integritätsschutz: Zwischen Handy und Basisstation werden zwar verschlüsselte Datenpakete versendet, deren Inhalte normalerweise nicht einsehbar sind. Trotzdem ist es möglich, die ausgetauschten Datenpakete zu verändern und den verschlüsselten Datenverkehr zwischen Handy und Basisstation in Klartext umzuwandeln.

Für die Angriffe nutzen die Bochumer IT-Experten sogenannte Software Defined Radios (SDR). Mit diesen Geräten können sie sich zwischen die Kommunikation von Handy und Basisstation schalten. Das Handy denkt, dass das Software Defined Radio die Basisstation ist; für das echte Netz wiederum sieht es so aus, als ob das Software Defined Radio das Handy wäre. Damit das funktioniert, muss sich der Angreifer jedoch in der Nähe des Opferhandys und der Basisstation befinden.

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