Richtfunk statt Glasfaser

5G: Mikrowellen-Verbindung erreicht 100 Gigabit pro Sekunde

| Redakteur: Jürgen Schreier

Eine neue Technologie für 5G-Anbindungen haben Ericsson und die Deutsche Telekom in Griechenland erprobt. Aufgebaut wurde eine Verbindung mit Richtfunk im Mikrowellen-Bereich (70 bis 80 Gigahertz), mit der ein ein Datendurchsatz von über 100 Gigabit pro Sekunde erreicht werden konnte.

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Mikrowellen-Richtfunk kann, wie Versuche zeigen, die Glasfaseranbindung von 5G ersetzen.
Mikrowellen-Richtfunk kann, wie Versuche zeigen, die Glasfaseranbindung von 5G ersetzen.
( Bild: Ericsson )

Ericsson und die Deutsche Telekom haben nach eigenem Bekunden einen neuen Meilenstein für die 5G-Technologie erreicht. Im Service Center in Athen haben beide Partner eine Verbindung mit Richtfunk im Mikrowellen-Bereich aufgebaut (70 bis 80 Gigahertz). Damit ließ sich ein Datendurchsatz von über 100 Gigabit pro Sekunde erreichen. Dies gelang über eine Strecke von 1,5 Kilometer.

MIMO verbessert Qualität und Datenrate

Das Besondere: Die Datenrate ist über zehn Mal höher als bisherige kommerzielle Technik in einem ähnlichen Frequenzspektrum. Basis dafür ist die sogenannte "MIMO"-Technologie. MIMO steht für "Multiple Input Multiple Output". Dieses Verfahren nutzt mehrerer Sende- und Empfangsantennen zur drahtlosen Kommunikation. Dadurch verbessern sich Qualität und Datenrate einer drahtlosen Verbindung deutlich.

Alex Jinsung Choi, Senior Vice President Strategy & Technology Innovation der Deutsche Telekom, sagt: "Die neuartige Richtfunk-Technologie ist enorm leistungsstark. Im 5G- Zeitalter ist sie eine ernstzunehmende Variante für eine sehr hohe Datenübertragung. Das hat der Test in Athen bestätigt." Per Narvinger, Head of Product Area Networks bei Ericsson, ergänzt: "Mit Mikrowellen stellen wir über die Luft Kapazitäten ähnlich wie bei Glasfaser bereit. Die Technik kann auch dort eingesetzt werden, wo Glasfaser keine praktikable Lösung ist."

Funkanbindung statt Glasfaser

Die Tests in Griechenland zeigen: Die Anbindung über Richtfunk erreicht die Qualität von Glasfaser-Verbindungen. Damit wird die Richtfunk-Technologie im Mikrowellen-Bereich eine Alternative zum Aufbau von 5G-Netzen. Denn nicht alle 5G-Standorte lassen sich über Glasfaser anbinden. Zum Beispiel sind im schwer erreichbaren Gelände teilweise keine Tiefbau-Maßnahmen möglich. Herkömmliche Methoden wie Funkanbindung im Millimeter-Bereich sind bei 5G nicht mehr ausreichend. Erst Ende 2018 durchbrachen Ericsson und Telekom die Schallmauer von 40 Gigabit pro Sekunde. Dabei nutzen die Partner ebenfalls das Spektrum im Mikrometer-Bereich.

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