Boston Consulting Group

5G, KI, IIoT, AR/VR: die digitalen Hotspots 2019

| Redakteur: Jürgen Schreier

Im Nachgang zum MWC19 in Barcelona hat das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) diejenigen Themen herausgearbeitet, die 2019 die "mobile Welt" beschäftigen (werden). Im Vordergrund stehen 5G, IIoT/Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz sowie AR/VR-Inhalte für den B2C- und B2B-Bereich.

Laut BCG wird sich 5G bei den Verbrauchern sehr gut positionieren können, kann der schnelle Mobilfunkstandard doch den stark wachsenden "Hunger" nach mobilem Video stillen. Nicht minder vielversprechende Anwendungen gibt es im B2B-Bereich.
Laut BCG wird sich 5G bei den Verbrauchern sehr gut positionieren können, kann der schnelle Mobilfunkstandard doch den stark wachsenden "Hunger" nach mobilem Video stillen. Nicht minder vielversprechende Anwendungen gibt es im B2B-Bereich.
( Bild: Pixabay/Mohamed Hassan / CC0 )

Wie in den Vorjahren wurde ein großer Teil der Presseberichterstattung über das MWC19 für die Einführung von Smartphones verwendet. Ein Großteil der diesjährigen Berichterstattung konzentrierte sich auf die ersten faltbaren Mobiltelefone (von Huawei, Samsung und Royole) sowie die ersten 5G-Smartphones. Insbesondere mit den faltbaren Smartphones soll offenbar der Versuch unternommen werden, einen schwächelnden Markt zu revitalisieren, der 2018 von einem Absatzrückgang um 4,1 Prozent geprägt war.

Weitgehend von der Bildfläche verschwunden ist das Thema "Sprachassistenten", da diese Produkte bereits zum Alltag vieler Nutzer gehören. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist ein stärkerer Fokus auf Sicherheitsaspekte erkennbar sowie die stärkere Nutzung von Video und Gaming, wobei der neue Mobilfunkstandard 5G, der vor dem Rollout steht, dank höherer Geschwindigkeit und niedrigerer Latenzzeiten für einen gewissen Rückenwind sorgt. Auch die Telekommunikationsdienstleister werden sich nach Einschätzung der BCG im Rahmen von 5G digital transformieren (müssen).

Konnektivität: 5G - aus dem Versprechen wird Realität

Nach drei Jahren intensiver Diskussion über Normen, Spezifikationen und Frequenzverfügbarkeit macht 5G spürbare Fortschritte und entwickelt sich vom Versprechen zur Realität. Erste Markteinführungen gab es bereits in Korea, in den USA und Australien. So soll das Smartphone S10 5G von Samsung im April 2019 in Korea eingeführt werden. In den USA sind bereits das Moto Z3 5G Mod sowie das LG V50 5G verfügbar, dazu das Huawei Mate X und das Xiaomi Mi Mix 3 5G. Mit Ausnahme des Mate X von Huawei beinhalten diese Geräte den Snapdragon 855 Chipsatz von Qualcomm in Verbindung mit dem X50 5G Modem, die am Qualcomm-Stand beim MWC19 besichtigt werden konnten.

Trendbarometer MWC19: Zu den stark diskutierten Themen gehören die digitale Transformation, KI & ML, Video & Gaming sowie Cyber Security.
Trendbarometer MWC19: Zu den stark diskutierten Themen gehören die digitale Transformation, KI & ML, Video & Gaming sowie Cyber Security.
( Bild: BCG )

Nach Einschätzung der BCG wird sich 5G bei den Verbrauchern sehr gut positionieren können, kann es doch den stark wachsenden "Hunger" nach mobilem Video zu stillen. Infolgedessen könnten Anwendungen wie Echtzeit-Multiplayer-AR/VR-Spiele eine enorme Steigerung ihrer Popularität erfahren.

Nicht minder vielversprechende Anwendungen gibt es im B2B-Bereich. Da die Unternehmen neue Robotertechnologien, Augmented Reality und Automatisierung in ihren Betrieben nutzen, ist ein leistungsfähiges (Drahtlos-)Netzwerk unentbehrlich. Die für 5G erforderlichen Netzwerk-Devices sind inzwischen vorhanden - und die Erwartungen an die Leistungsfähigkeit der Technologie sind enorm. Zudem gibt es einen wachsenden Optimismus bei Netzwerkausrüstern und Telekommunikationsunternehmen, was die Business Cases für 5G betrifft.

Allerdings verhalten sich einige Telcos nach wie vor vorsichtig und verweisen auf die Unsicherheit über die Monetarisierung von 5G, zumal beträchtlichen Investitionen in die Netzwerktechnik erforderlich sind. Auch die aktuelle "geopolitische Situation", kann erhebliche Auswirkungen auf die Entscheidungen der Mobilfunkbetreiber bezüglich der Auswahl "ihrer" Infrastrukturanbieter haben, was möglicherweise zu einem langsameren Rollout in einigen Märkten führt.

Telco-Branche: Etablierte Geschäftsmodelle funktionieren nicht mehr

5G wird allenfalls bei den den großen Playern am Telco-Markt für ökonomische Impulse sorgen. 5G ist technologisch weitaus disruptiver und innovativer als die früheren Upgrades im Bereich der Mobilfunktechnik und erfordert zudem weinen Paradigmenwechsel in der gesamten Telekommunikationsbranche. Das bisherige "Modell" des Aufbaus einer neuen Generation von Mobilfunknetzwerken alle zehn Jahre stellt für die Netzbetreiber eine erheblich Belastung dar.

Die stagnierenden Umsätze und der steigende Investitionsbedarf, die dieses Modell auszeichnen, sind nicht mehr nachhaltig. Telekommunikationsunternehmen können nur dann ein Umsatzwachstum erzielen, wenn sie durch neue Anwendungen wie IoT Wachstum generieren können.

Fortschrittlichsten Telcos werden ihren derzeitigen Ansatz für den Aufbau und das Management zukünftiger Netzwerke überarbeiten. Insbesondere werden sie ihre Betriebskosten senken, mehr Software und digitale Lösungen einsetzen und ihre Investitionsausgaben optimieren. Um die 5G-Akzeptanz in einer Weise zu beschleunigen, die das BIP-Wachstum und die Wertschöpfung in den verbundenen Ökosystemen unterstützt, ist man bei der BCG überzeugt, dass es zwei kritische Hebel gibt:

  • Die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren des Ökosystems ist entscheidend für die Steigerung der Akzeptanz. Chip-Hersteller, Anbieter, führende Telekommunikationsunternehmen und Technologieanbieter (Gaming, MR und IoT) müssen zusammenarbeiten, um Lösungen schneller auf den Markt zu bringen.
  • Ein unterstützendes Regulierungssystem ist von entscheidender Bedeutung, um neue Ökosysteme zu ermöglichen und sicherzustellen, dass die Betreiber ausreichende Anreize für Investitionen in den erforderlichen Frequenz- und Netzausbau haben. Wie in der jüngsten WEF-Studie "Financing a Forward-Looking Internet for All" festgestellt wurde, beträgt die gesamtwirtschaftliche Amortisation für Investitionen in digitale Infrastrukturen in Europa nur etwa sieben Monate, für Betreiber jedoch weiterhin etwa zehn Jahre.

Intelligente Vernetzung macht Industrie 4.0 möglich

Der MWC19 betonte das Zusammenwirken und -wachsen von IoT, Cyber Physical Systems, Cloud und Cognitive Computing als Schlüsselelemente der vierten industriellen Revolution. Um die Auswirkungen der Technologie auf die Telekommunikation und die gesamte Industrielandschaft zu verdeutlichen, gab es in Barcelona zahlreiche Unternehmen aus eher "traditionellen" Bereichen, die in den Bereichen Automotive, Gesundheitswesen, Industrie, Logistik und Smart City vertreten waren.

So waren beispielsweise mehrere Automobilhersteller - Daimler, BMW, Ford, Tesla - anwesend, und Keynote Speaker des Daimler/BMW Mobilitäts-JV sprachen über ihre Zukunftsvision von Mobilität. Der Prototyp iNEXT/Natural Interaction von BMW zeigte eine nahe Zukunft (Start 2021), in der einfache Gesten und Sprachbefehle eine Vielzahl von Aktionen auslösen, die das Fahrzeug ausführt: z.B. das Öffnen eines Fensters, das Buchen von Kinotickets und das Bereitstellen von Informationen über Restaurants in der Nähe.

AT&T präsentierte in Barcelona mehrere IoT-Business Cases aus dem eHealth-Bereich - z.B. vernetzte Geräte, die zu einer schnelleren Diagnose und einem verbesserten Medikamentenmanagement führen sollen. Hinzu kamen Smart-Farming-Anwendungen wie Bodensensoren, die Echtzeit-Informationen über den Zustand der Pflanzen liefern, sowie Tools, die den Landwirten helfen sollen, den Zustand ihrer Produkte während des Transports zu überwachen. Ericsson stellte mehrere Massive-IoT-Anwendungsfälle vor, darunter Smart Metering, den Einsatz von Breitband-IoT zur Fernsteuerung unbemannter Schiffe und autonomer Fahrzeuge sowie das industrielle IoT zur Steuerung von Pumpen und Robotern.

Zu sehen waren auf dem MWC19 außerdem diverse Smart-City-Lösungen, etwa zum Verkehrs- und Stadtklimamanagement. Solche Anwendungen sowie Industrie 4.0 bzw. das IIoT eröffnen dem Telekommunikationssektor neue Geschäftschancen und verändern gleichzeitig die Wettbewerbsdynamik in den Branchen, die derartige Anwendungen einsetzen. Um diese Chancen zu nutzen, müssen die Telekommunikationsunternehmen enger und anders als bisher mit erfolgreichen Unternehmen in den relevanten Branchen zusammenarbeiten, um Plattformen, End-to-End-Lösungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

KI - ein 70-Milliarden-Dollar-Markt bis 2020

Natürlich war die KI ein allgegenwärtiges Gesprächsthema auf dem MWC19. Zu bestaunen gab es zahlreiche Demonstrationen KI-bezogener Anwendungen im Netzwerkmanagement (Ericsson's Operations Engine für Managed Services), im Einzelhandel (RealNetworks' SAFR-Lösung zur Echtzeit-Gesichtserkennung, die das Alter und die Stimmung der Probanden bestimmt) oder im Consumer-Bereich wie die HiVision AI-App von Huawei auf dem Mate20 zur Identifizierung von Lebensmitteln und zur Kalorienzählung oder der Personal Assistant for Android Messages von Google.

Trotz der klar erkennbaren Vorteile solcher Anwendungen, stehen die Anbieter dieser Lösungen vor der Herausforderung, wie man den Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und Datenschutz, die mit dem Einsatz von KI-Technologien verbunden sind, am besten begegnen kann. Das Potenzial der KI, Arbeitsplätze zu ersetzen und/oder wesentlich zu verändern, führt zu weiterem Unbehagen.

Der Appetit auf immersiven Content wächst

Augmented, Mixed und Virtual Reality waren eine starke Präsenz auf der MWC19 und prägten die Diskussion. Zum Beispiel kamen Besucher am Stand der Boston Consulting Group vorbei, um das Produkt Magic Leap One auszuprobieren. Und Microsoft hat offiziell HoloLens2 auf den Markt gebracht, ein neues AR-Headset.

Diese Geräte werden immer benutzerfreundlicher. Kontinuierliche Verbesserungen des Formfaktors, überzeugende Content-Anwendungen und Preissenkungen werden ihre Attraktivität im B2C-Bereich weiter erhöhen, ist man bei der BCG überzeugt.

Im Bereich der B2B-Anwendungen ist die Akzeptanz gegeben, sofern es klare Anwendungsfälle im industriellen und kommerziellen Umfeld gibt und der ROI schnell nachweisbar ist. Microsoft hob die Vorteile der HoloLens2 etwa bei Wartungsaufgaben im industriellen Umfeld hervor. So können Techniker ihre Aufgaben "hands free" erledigen, während sie Unterstützung und Anleitung über die HoloLens2 erhalten.

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