Die Affäre Huawei

5G: Ein Mobilfunkstandard wird zum Weltpolitikum

| Redakteur: Jürgen Schreier

US-Miltärbasis oder 5G-Mobilfunktechnik aus China? Vor dieser Wahl sieht sich offenbar das NATO-Land Polen. Auch andernorts trommelt Amerika gegen den 5G-Netzwerktechnikanbieter Huawei, dessen Produkte als Sicherheitsrisiko dargestellt werden. Ob es den USA aber allein nur um die Sicherheit geht, wird zunehmend bezweifelt.

Mit welchem Smartphone twittert eigentlich Donald Trump? Natürlich nicht mit dem neuen Huawei P 20 pro. Kenner der Szene vermuten, dass er ein älteres Samsung Galaxy benutzt.
Mit welchem Smartphone twittert eigentlich Donald Trump? Natürlich nicht mit dem neuen Huawei P 20 pro. Kenner der Szene vermuten, dass er ein älteres Samsung Galaxy benutzt.
( Bild: Pixabay / CC0 )

In den transatlantischen Beziehungen knirscht es gehörig. Nach dem Ausstieg der USS aus dem Atomabkommen mit dem Iran unter Androhung von Sanktionen gegen alle, die weiterhin Geschäfte dem Iran machen, wurde heute von in Paris Instex SAS (Instrument in Support of Trade Exchanges) in Kraft gesetzt, eine sogenannte Zweckgesellschaft, die dem Rest der Welt an Swift vorbei die Finanzierung eben jener sanktionierten Iran-Geschäfte ermöglichen soll.

Doch auch auf vermeintlichen "Nebenkriegsschauplätzen" wird kräftig aufmunitioniert - namentlich beim weltweiten Rollout der neuen Mobilfunkstandards 5G.

US-Administration macht (offenbar) Druck

Nach einem Bericht der New York Times werden offenbar auch NATO-Verbündete von US-Stellen zunehmend unter Druck gesetzt, beim Aufbau der 5G-Infrastruktur auf die Produkte Unternehmen zu verzichten, wobei vor allem in Shenzhen ansässige Huawei-Konzern ins Visier geraten ist.

Dem dem NYT-Bericht zufolge sah sich bereits Großbritanniens Außenminister Jeremy Hunt, der in vergangenen Woche in Washington weilte, mit unangenehmen Fragen in Sachen Huawei konfrontiert. Und NATO-Partner Polen soll "erpresst" werden, Huawei daran zu hindern, das 5G-Netz im Land (mit) aufzubauen. Andernfalls, so die "Warnung" von jenseits des großen Teichs, könnten zukünftige Einsätze amerikanischer Truppen - einschließlich der Aussicht auf eine permanente Basis mit der Bezeichnung "Fort Trump" - von Polens Entscheidung in der Causa Huawei abhängig gemacht werden.

Preisgünstige China-Technik auf Kosten der Bündnis-Sicherheit?

Auch in Deutschland, wo die internationalen Glasfaserstränge zusammenlaufen, soll laut New York Times im vergangenen Jahr eine US-Delegation aufgetaucht sein, um die hiesigen Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass der wirtschaftliche Nutzen preisgünstiger chinesischer Mobilfunktechnik mit einer Gefährdung der Sicherheit des NATO-Bündnisses erkauft würde.

Wir bereits berichtet, werden die Vereinigten Staaten seit langem von der Angst getrieben, dass die Chinesen eine "Hintertür" in die von ihnen gelieferten Telekommunikations- und Computernetzwerke einbauen könnten, die es den chinesischen Sicherheitsdiensten ermögliche, die Kommunikation von Militär, Regierung und Unternehmen abzufangen. Genährt haben diesen Verdacht verschiedene Hackerattacken auf amerikanische Unternehmen und Regierungsstelle, die von "Blackhats" angeblich im Auftrag des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit ausgeführt wurden.

China: Die Grenze zwischen Wirtschaft und Staat verschwimmt

Da die meisten Staaten rund um den Globus mit dem 5G-Rollout und der Beauftragung der Infrastrukturlieferanten beginnen, steigt in den USA offenbar nie Nervosität. Hinzu kommt der zunehmend autoritäre Charakter der chinesischen Regierung, der die Grenze zwischen (unabhängiger) Wirtschaft und Staat immer mehr verschwimmen lasse. So wäre es auf der Basis des Nationalen Nachrichtengesetzes aus dem Jahr 2017 der Regierung in Beijing möglich, in den von chinesischen Firmen aufgebauten 5G-Netzwerken, herum zu schnüffeln oder diese sogar zu übernehmen.

Allerdings hat die US-Administration nach laut NYT bisher keine eindeutigen Beweise auf den Tisch gelegt, dass Huawei tatsächlich solche versteckten Backdoors in seiner Hard- und Software implementiert hat. Folglich beginnen einige Länder zu zweifeln, ob es bei der Anti-Huawei-Kampagne der USA wirklich allein um die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gehe, oder ob nicht auch chinesische Anbieter daran gehindert werden sollen, sich mit preisgünstiger Technologie einen Wettbewerbsvorteil am Mobilfunkmarkt zu verschaffen.

Obendrein wird den USA, wie das IT-Nachrichtenportal Golem berichtet, von leitenden Angestellten der amerikanischen Telekommunikationsbranche hinter vorgehaltener Hand ein gewisser "technologischer Rückstand" attestiert. Wirklich nachprüfen lässt sich das aber kaum. Doch hat Huawei zumindest umsatzmäßig einige US-Platzhirsche abgehängt. So erzielte Huawei 2018 einen (Konzern-)Umsatz von 100 Milliarden Dollar und damit doppelt so viel wie Cisco und deutlich mehr als IBM.

Auch ohne "Backdoor" hat Huawei den Fuß in der Tür

Die chinesische Regierung - und natürlich auch Huawei - sieht im weltweiten Aufbau der 5G-Infrastrukturen hingegen eine Chance, "die Welt zu vernetzen". Hinzu kommt, dass in vielen Ländern bereits 4G/LTE-Netzwerktechnik von Huawei und seines Marktbegleiters ZTE installiert ist, die um 5G ergänzt bzw. erweitert werden können.

Trotzdem will sich die britische BT Group laut Presseberichten von einem Teil der bestehenden Huawei-Netzwerkinfrastruktur trennen, wobei die Gründe für diesen Schritt nicht ganz eindeutig sind. Auch der britische Telko-Riese Vodafone plant angeblich, den Kauf von Huawei-Geräten für Teile seines 5G-Netzes einstellen - wenigstens vorübergehend.

In Polen stoßen die Einlassungen der USA bezüglich Huawei durchaus auf offene Ohren. So zitiert der Bericht der NYT den früheren Leiter des polnischen Geheimdienstes Grzegorz Malecki, der sagt, dass es verständlich sei, dass die USA vermeiden wollten, ihre Truppen möglicherweise gefährden.

Die Kontrolle über ein 5G-Netzwerk (durch falsche Hände) sei ein potenziell gefährliches Werkzeug, so der ehemalige Oberst, der heute für einen sicherheitspolitischen Thinktank tätig ist. Aus polnischer Sicht überwiege die Sicherung der amerikanischen Truppenpräsenz alle anderen Bedenken, gab Malecki zu verstehen - eine Auffassung, die von vielen Polen angesichts der Nähe zu Russland geteilt werden dürften.

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