5G-Frequenzversteigerung

5G: Das ganz große Verlustgeschäft?

| Redakteur: Jürgen Schreier

Bei 5.889.358.000 Euro lag das Ergebnis der Runde 360 der 5G-Frequenzversteigerung, die am 19. März 2019 gestartet wurde. Der Milliardenpoker um die 5G-Frequenzbänder ist jedoch umstritten. Michael Pickhardt, Vorstandschef der TDT AG, einem Hersteller von Routern, Gateways und Antennen, hat dazu eine klare Meinung.

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Michael Pickhardt ist Experte für digitale Kommunikation und Vorstandsvorsitzender der TDT AG.
Michael Pickhardt ist Experte für digitale Kommunikation und Vorstandsvorsitzender der TDT AG.
( Bild: TDT/Geckeler Photography )

Am vergangenen Wochenende hatte Autorin Laura Esslinger auf www.bild.de eine Frage an die breite Öffentlichkeit gestellt: "Was wurde eigentlich aus der 5G-Versteigerung? Und was bedeutet die Preis-Explosion für Verbraucher?" Michael Pickhardt, Vorstandsvorsitzender des Netzwerkspezialisten TDT AG, greift diese Diskussion auf. Anlässlich der laufenden 5G-Auktion hat er als Pionier der Datenkommunikation die Interessenslagen von Verbrauchern, Providern und Politik analysiert. Sein ernüchterndes Fazit: "Der aktuelle 5G-Milliarden-Poker kennt am Ende nur Verlierer."

Die erste Welle der Versteigerungen von 5G-Freqenzen läuft in der neunten Woche. Selbst Insider können nicht abschätzen, wie lange sich die Auktion der teilnehmenden Bieter (Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica Deutschland und die United-Internet-Tochter Drillisch) noch hinziehen wird. Doch wie sieht es mit der Interessenslage der Verbraucher, der Provider und auch der Politik aus?

Was benötigen die Verbraucher?

"Sie erwarten ein möglichst flächenabdeckendes 5G-Netz", betont Michael Pickhardt: "Am liebsten noch mit nationalem Roaming, unabhängig vom eigentlichen Provider - so dass ich überall, wo ich bin, über 5G verfüge. Und wenn mein Provider-Netz mal ausfallen sollte, habe ich dank nationalem Roaming ein Back-up. Und das Ganze soll natürlich bezahlbar sein."

Dazu kommt ein Faktor, der häufig zu wenig Beachtung findet: Ob Industrie, Handwerksbetrieb, mittelständischer Unternehmer oder Ich-AG - für alle wird der Online-Zugang immer überlebenswichtiger. "Ein Standard-Internetzugang, beispielsweise auf Basis von DSL oder Glasfaser, hat in der Regel eine Verfügbarkeit von rund 97 Prozent", führt Michael Pickhardt aus. Sein Unternehmen, die TDT AG, managt Kunden-Datennetze mit zehntausenden Anschlüssen in Deutschland. Daher weiß Pickhardt, dass der daraus resultierende Ausfall von rund drei Prozent - dies entspricht immerhin vollen zehn Tagen pro Jahr - wirtschaftlich fatal sein kann. Die Lösung: "Eine terrestrische Anbindung und zusätzlich ein Back-up-Weg über ein zweites Medium, einen breitbandigen Weg über die Luft. Dafür ist 5G prädestiniert und ich erreiche dadurch eine Verfügbarkeit von weit über 99 Prozent", erklärt Pickhardt.

Was erhoffen sich die Provider?

"Sie wollen mit den neuen 5G-Möglichkeiten viel Umsatz machen und Gewinne schreiben. Und das ist ja auch ihr gutes Recht als Unternehmen", unterstreicht Michael Pickhardt: "Dieses Ziel erreichen sie nur, wenn sie schnell und flächendeckend ihr 5G-Netz ausbauen. Dass dies sehr hohe Investitionen erfordert, versteht sich von selbst."

Ein heute eher unbeliebtes Thema der Bieter ist das nationale Roaming. Dazu Pickhardt: "Diejenigen Anbieter, die schon jetzt massiv in den Ausbau der Flächeninfrastruktur investiert haben und diese Infrastruktur auch für 5G nutzen werden, laufen Gefahr, nun "Steigbügelhalter" für Wettbewerber zu werden, die bisher wenig oder nichts für diese Infrastruktur getan haben. Bei der Einführung von nationalem Roaming müsste dieser Unterschied wirtschaftlich fair kompensiert werden."

Was ist die Aufgabe der Politik?

"Die Politik muss die Anforderungen der Anwender mit ihren digitalen Bedürfnissen erfüllen, um der Rolle Deutschlands als Wirtschaftsstandort und Export-Champion in der digitalen Gegenwart und Zukunft endlich gerecht zu werden", wünscht sich Michael Pickhardt: "Doch der Weg, den die Politik bisher bei der Versteigerung der 5G-Frequenzen eingeschlagen hat, ist hier leider nicht zielführend."

Was läuft bei der 5G-Versteigerung falsch?

Das Fazit von Michael Pickhardt: "Der aktuelle 5G-Milliarden-Poker kennt am Ende nur Verlierer!" Denn: "Die Milliarden schweren Ausgaben wird nur der Verbraucher bezahlen. Rund 300 Millionen Euro pro Jahr, zwanzig Jahre lang - und wir sprechen hier nur von der ersten 5G-Frequenz-Versteigerung, der ja noch weitere folgen werden!" Schon heute sind die Mobilfunktarife in Deutschland deutlich höher als im Ausland, auch ein Resultat vergangener Milliarden-Versteigerungen und dies bei einer bestenfalls durchschnittlichen Flächenabdeckung. Und die Mobilfunkanbieter? Jede Milliarde, die ein Provider in die laufende Versteigerung investiert, fehlt ihm für den Aus- und Neubau des 5G-Netzes - eine absehbare lückenhafte Flächenabdeckung ist die Folge, die Providern und vor allen Dingen der Politik angelastet werden wird.

Deshalb fordert Michael Pickhardt ein Umdenken: "Der richtige Ansatz wäre: Der Staat verzichtet auf kurzfristige Milliardeneinnahmen und richtet die 5G-Auktion danach aus, in welchem Zeitraum der jeweilige Provider sich verpflichtet, eine maximale Flächenabdeckung zu garantieren. Für den Fall, dass er dies nicht einhält, müsste hier über hohe Geldstrafen bis hin zur Neuvergabe der Lizenzen gegengesteuert werden. Dadurch würden dann die Provider gewinnen, die belegbar, schnell und flächenabdeckend liefern."

Michael Pickhardt arbeitet seit dem Jahr 1984 in der Telekommunikationsbranche und ist heute Vorstandsvorsitzender der TDT AG, die seit über vier Jahrzehnten ein Pionier für Lösungen in der digitalen Kommunikation ist. TDT stellte beispielsweise auf der Cebit 1990 die erste digitale deutsch-deutsche Datenverbindung auf Basis von Satellitentechnologie vor.

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