Campusnetze im Fokus 4G/5G - der neue Standard für die Fabrikvernetzung?

| Redakteur: Jürgen Schreier

Nokia hat zusammen mit ABI Research mehr als 600 internationale Entscheider in der verarbeitenden Industrie befragt. Drei Viertel von ihnen wollen ihre Kommunikations- und Steuerungsnetze in den nächsten zwei Jahren aufrüsten. Erwogen wird dabei Einsatz von 4G- und/oder 5G-Mobilfunk.

Firmen zum Thema

Nokia und ABI Research haben Entscheider in der verarbeitenden Industrie befragt: Mehr als 90 Prozent prüfen den Einsatz von 4G- und/oder 5G-Mobilfunk in ihren Betrieben.
Nokia und ABI Research haben Entscheider in der verarbeitenden Industrie befragt: Mehr als 90 Prozent prüfen den Einsatz von 4G- und/oder 5G-Mobilfunk in ihren Betrieben.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der finnische Netzausrüster Nokia hat zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen ABI Research mehr als 600 internationale Entscheider in der verarbeitenden Industrie befragt, um Investitionsstrategien im Zusammenhang mit der Fabrik-Vernetzung zu untersuchen.

74 Prozent der Befragten planen, ihre Kommunikations- und Steuerungsnetze bis Ende 2022 aufzurüsten. Mehr als 90 Prozent prüfen den Einsatz von 4G- und/oder 5G-Mobilfunk in ihren Betrieben. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) glaubt, dass die neueste Generation von Mobilfunktechnik (4G/LTE bzw. 5G) erforderlich sein wird, um die eigenen Transformationsziele zu erreichen.

Hauptmotiv: bestehende Infrastruktur digitalisieren

Diejenigen Unternehmen, die Investitionen in 4G oder 5G planen, wollen damit vor allem die bestehende Infrastruktur digitalisieren und verbessern (63 Prozent), mittels Robotik die Automatisierung vorantreiben (51 Prozent) und die Produktivität der Mitarbeiter erhöhen (42 Prozent).

Manish Gulyani, Vice President Marketing bei Nokia Enterprise, sagt: „Wir sind an einem Wendepunkt bei der Transformation in Richtung Industrie 4.0 angelangt, weil die dafür notwendige schnelle und sichere Konnektivität jetzt verfügbar ist. Die Untersuchung zeigt den großen Bedarf an industrietauglichen drahtlosen Netzwerken, um die transformativen Vorteile der Digitalisierung und Automatisierung nutzen zu können. Verbunden mit der Verfügbarkeit von einfach zu implementierenden privaten Campusnetzen wird dieser Bedarf nach unserer Auffassung zu einer schnellen Verbreitung führen.“

Die Untersuchung analysierte die kurzfristigen Faktoren, die die Investitionsentscheidungen für neue industrielle Systeme beeinflussen – und zwar in den Bereichen IT (Informationstechnologie) und OT (Operational Technology, d.h. Technik für die Steuerung der Produktionsabläufe).

Fast alle Befragten kennen Campusnetze

Die IT-Treiber sind in erster Linie die Reduktion von Ausfallzeiten (53 Prozent), die Verbesserung der operativen Effizienz (42 Prozent) und der Sicherheit (36 Prozent). Bei den OT-Treibern zeigt sich der Wunsch, veraltete Infrastruktur zu ersetzen (43 Prozent), die Effizienz zu verbessern (40 Prozent) und die Kapazität zu erhöhen (38 Prozent).

Weitere interessante Ergebnisse sind:

  • 88 Prozent der Befragten geben an, dass sie bereits mit 4G/5G-Campusnetzen vertraut sind
  • 84 Prozent derjenigen, die 4G/5G in Erwägung ziehen, favorisieren ein eigenes lokales Campusnetz in ihren Produktionsstätten
  • Vorrangige Investitionsbereiche sind die Automatisierung und Modernisierung von Maschinen (47 Prozent), IIoT-Initiativen (42 Prozent), gefolgt von Cloud-Infrastrukturen (37 Prozent)

Schaut man auf die Antworten der Befragten in Deutschland, zeigt sich folgendes Bild:

  • Auch hierzulande beschäftigen sich rund drei von vier Entscheidern (76 Prozent) mit dem Einsatz von 4G/5G in der Fertigung. Weitere 15 Prozent beschäftigen sich ausschließlich mit 5G.
  • Gefragt nach den wichtigsten Business Cases, die durch 4G oder 5G unterstützt werden könnten, nennen 22 Prozent der Befragten die Digitalisierung bestehender Anlagen und Maschinen, 17 Prozent das Thema Sicherheit/Überwachung.
  • Bei den Gründen für Investitionen in die industriellen Systeme geben 60 Prozent der Befragten als wichtigsten Faktor im IT-Bereich an, die Ausfallzeiten von Maschinen reduzieren zu wollen.
  • Im Bereich Operational Technology (OT) werden vorrangig Verbesserungen bei Qualität und Effizienz mit je 38 Prozent als Investitionstreiber gesehen. Im Ländervergleich ist das Thema Sicherheit (31 Prozent) für die Teilnehmer aus Deutschland besonders wichtig.

Unternehmen wollen sich nicht ganz auf Wi-Fi festlegen

Ryan Martin, Principal Analyst von ABI Research, sagt: „Wichtig ist: Die Ergebnisse zeigen, dass Industrieunternehmen eine Präferenz für drahtlose Campusnetze haben, die sich vollständig in ihrem Besitz befinden und von ihnen betrieben werden. Die Unternehmen bevorzugen dabei das Inhouse-Management, um Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. Offensichtlich wollen sich die Befragten nichtganz auf Wi-Fi/WLAN festlegen und ziehen die neuesten Funktechnologien in ihre Überlegungen ein. Infolgedessen ist 2020 ein entscheidendes Jahr für Netzwerkhersteller, um den Markt über die Vorteile von 4G/LTE und 5G aufzuklären.“

„Auf Basis dieser Untersuchung sehen wir auch die Notwendigkeit für die gesamte Branche, nicht nur den potenziellen Return on Investment von Investitionen in private Drahtlostechnik zu beziffern, sondern auch die Kosten des Nichtstuns klar zu ermitteln. Netzwerkausrüster sollten sich dafür aussprechen, heute in Industrie 4.0 zu investieren, um einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber denjenigen zu haben, die sich entscheiden zu warten.“

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46577542)