Opensignal-Prognose 3G, 4G, 5G: Das sind die Mobilfunk-Trends in 2020

| Redakteur: Jürgen Schreier

2019 war das Jahr, in dem 5G Realität wurde. Nicht flächendeckend, aber an bestimmten geografischen Hotspots. Doch was kann man im kommenden Jahr von 5G und vom "Rest" der mobilen Welt erwarten? Opensignal hat einen Blick in die Kristallkugel geworfen und präsentiert die Top-Mobilfunktrends für 2020.

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Der Blick in die Kristallkugel zeigt: Die Vermarktung von 5G auf dem Massenmarkt wird nicht einfach werden, da es keine einheitliche 5G-Erfahrung geben wird.
Der Blick in die Kristallkugel zeigt: Die Vermarktung von 5G auf dem Massenmarkt wird nicht einfach werden, da es keine einheitliche 5G-Erfahrung geben wird.
(Bild: gemeinfrei / Pexels)

Die Daten von Opensignal zeigen, dass 3G voraussichtlich weiterhin beliebter sein wird als 5G - und das keineswegs nur in den Schwellenländern. Die jüngste Analyse in Deutschland ergab, dass fast die Hälfte aller Opensignal-Nutzer keine Verbindung zu 4G-Netzen hat. Dennoch wird 5G für die Betreiber immer wichtiger werden, um die 4G-/LTE-Netze zu entlasten.

Die derzeitigen 5G-Netze haben eine begrenzte Reichweite (sind nur in einigen Hotspots verfügbar), sodass die überwiegende Mehrheit der Nutzer immer noch stark auf 4G angewiesen ist. Allerdings werden die Betreiber bestrebt sein, Nutzer mit hohem Datenverbrauch ins 5G zu verlagern, um das Mobilfunk-Erlebnis auf 4G zu verbessern. Die zunehmend Verbreitung von 5G wird zudem dafür sorgen, dass Multiplayer Mobile Gaming explodiert. Da sich Latenzzeiten in 4G- und 5G-Netzwerken verbessern, werden die Nutzer zunehmend Multiplayer-Spiele sowohl auf Mobilfunk- als auch auf WiFi-Verbindungen spielen und mit ihren Teamkollegen über Voice over IP kommunizieren.

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Trotz alledem wird die Vermarktung von 5G kein Zuckerschlecken werden, da es bis dato keine einheitliche 5G-Erfahrung gibt. Vielmehr hängt die erlebte Geschwindigkeit von der Art des Spektrums ab, das verwendet wird.

Die wichtigsten Aussagen der Opensignal-Prognose hat Peter Boyland, Senior Analyst bei Opensignal, zusammengefasst.

3G wird auch im Jahr 2020 beliebter sein als 5G. Ja, wirklich! Die Daten von Opensignal zeigen, dass 27,2 Prozent der per Opensignal-App "getrackten" Nutzer weltweit noch nie mit 4G verbunden waren und stattdessen nach wie vor auf 3G setzen. In Deutschland, hat fast die Hälfte der Nutzer keine Verbindung zu 4G-Netzen hergestellt Gartner prognostiziert, dass die Carrier und Anbieter von mobilen Kommunikationsdienstleistungen (Revenue Communication Service Provider, CSPs) mit 3G im Jahr 2020 mehr Gewinn erzielen werden als mit 5G.

Die Verwendung von 5G zur Entlastung von 4G-Netzen wird zu einem wichtigen Anwendungsfall für Betreiber werden. Die derzeitigen 5G-Netze haben eine begrenzte Reichweite, was zur Folge hat dass die überwiegende Mehrheit der Nutzer immer noch weitgehend auf 4G angewiesen ist. Weil aber Datennachfrage weiter steigt, sieht Opensignal Anzeichen für eine zunehmende Überlastung der 4G-Netze in reifen Märkten, die zu sinkenden Geschwindigkeiten führt - insbesondere zu Stoßzeiten. Da die Verfügbarkeit von 5G-Netzen zunimmt, was auch für die entsprechenden Endgeräte gilt, werden die Betreiber bestrebt sein, ihre Power-Datennutzer in Richtung 5G zu verlagern, um das Mobilfunk-Erlebnis auf 4G zu verbessern.

Die Vermarktung von 5G wird nicht einfach, das es kein einheitliches 5G-Erlebnis geben wird. Das 5G-Erlebnis hängt von der Art des verwendeten Spektrums ab. Wir sehen bereits deutliche Unterschiede in der Mobilfunk-Erfahrung bei 4G, abhängig von der verwendeten Bandbreite. Verbraucher, die sich mit 5G im Niederbandspektrum verbinden - wie 600 MHz oder 700 MHz - werden kein wesentlich besseres Erlebnis haben als bei 4G. Diejenigen, die mmWave verwenden, kommen in den Genuss extrem hoher Geschwindigkeiten, allerdings bei sehr geringer Abdeckung. Diejenigen, die das mittlere Spektrum zwischen 2 und 4 GHz verwenden, werden höhere Geschwindigkeiten als 4G und eine breitere Abdeckung als mmWave sehen. Doch alle diese Arten von Netzwerkerfahrung werden als 5G bezeichnet.

Für 5G wird es unterschiedliche Datentarife gebe, darunter auch unbegrenzte Datenflats. In Ländern, in denen im mittleren Frequenzbereich (2 bis 4 GHz) große verfügbare Kapazitäten gibt, werden die Betreiber wieder unbegrenzte Datenflatrates anbieten. Sobald jedoch die 5G-Netze ausgelastet sind, dürften die Netzbetreiber wieder zu traditionelleren Tarifansätzen zurückkehren.

Der Rollout von 5G wird die Kluft zwischen Stadt und Land verstärken. Opensignal hat kürzlich den Unterschied zwischen städtischen und ländlichen Gebieten analysiert, wobei in einer Reihe von Märkten ein erhebliche Unterschiede in der Erfahrung mit Mobilfunknetzen festgestellt wurde. Mit dem 5G-Betreiber-Rollout nach dem 4G-Modell und dem Fokus auf dicht besiedelten Regionen, wird die Durchschnittsgeschwindigkeiten für die städtischen Nutzer steigen, während die ländlichen Geschwindigkeiten weiter zurückgehen dürfte. Schließlich wird der 5G-Rollout auch in den ländlichen Gebieten erfolgen - aber wir erwarten dies erst in einigen Jahren.

Die Verfügbarkeit von Frequenzen wird einen beträchtlichen Einfluss auf das 5G-Erlebnis haben. Die Opensignal-Analyse zeigt, dass die für 4G verwendeten Frequenzen einen starken Einfluss auf das Mobilfunkerlebnis haben können. Die Mehrheit der frühen 5G-Starts hat das Mittelbandspektrum im Bereich von 2 bis 4 GHz genutzt. Diese Bänder sind ideal für den urbanen Rollout und bieten eine gute Mischung aus Datenkapazität, Reichweite und Durchdringung im Gebäude. In einigen Märkten - insbesondere in den USA - ist die Verfügbarkeit dieses Spektrums allerdings begrenzt, sodass Betreiber höhere mm-Wellenbänder verwenden. Mit mmWave-Bändern wird es aber schwierig, eine breite Abdeckung für 5G anzubieten. Ist weder das mittlere Frequenzband noch das mm-Wellenspektrum verfügbar, ist das 5G-Erlebnis unvollständig.

4G wird auch im Jahr 2020 eine wesentliche Basis für 5G-Dienste bleiben. Opensignal hat kürzlich festgestellt, dass nur ein Prozent der Geschwindigkeitstests, die US-Anwender mit 5G-New Radio-(5G NR-)fähigen Geräten durchgeführt haben, eine aktive 5G-Verbindung verwendeten, verglichen mit 20 Prozent der Geschwindigkeitstests, die in Südkorea durchgeführt wurden. Dies bedeutet, dass der Nutzer nicht das volle 5G-Erlebnis erhält. Diese Problematik wird sich auch 2020 fortsetzen, wenn nicht mehr 5G NR-Geräte verfügbar sind.

5G wird mehr Betreiber veranlassen, feste Breitbanddienste einzuführen. Betreiber brauchen neue Erlösquellen, um die 5G-Bereitstellungskosten zu amortisieren. Das Angebot von Breitbandangeboten für den festen drahtlosen Zugang (Fixed Wireless) wird sich als verlockende Möglich erweisen, Umsatz zu generieren. Die Betreiber müssen jedoch prüfen, wo freie drahtlose Kapazität vorhanden ist, die nicht benötigt wird, um Smartphone-Nutzer zu unterstützen - ansonsten wird die mobile Erfahrung ihrer Hauptkunden leiden, wenn die festen Dienste zu viel an Kapazität übernehmen. Die Betreiber werden zudem versuchen, 5G in der Breite zu vermarkten, indem sie Multiplay-Bundles sowie Multiuser-Familien- und gemeinsame Datenpläne fördern.

Der Einstieg von 1&1 Drillisch könnte Network-Sharing-Geschäften führen. Im Rahmen der deutschen 5G-Frequenzauktion konnte ein Newcomer im Netzbetreibergeschäft, die 1&1 Drillisch (United Internet), ein Frequenzpaket ersteigern. Der neue Player, der mit O2 derzeit über einen Virtual Network Operater verfügt, plant den Start eines eigenen 5G-Netzes und befindet sich in Gesprächen mit potenziellen 3G- und 4G-Roaming-Partnern. Das eröffnet die Möglichkeit von 5G-Roaming oder sogar eines Network-Sharing-Vertrags.

Up- und Download-Speed: Telekom weiter vorn

Die Bewertung der Telekom, die in früheren Berichten stets die Bestenliste dominierte, habe sich seit dem letzten Bericht nicht verbessert und die Bewertung der erlebten Download-Geschwindigkeit und 4G-Verfügbarkeit stagniert zunehmend. Dennoch gewann die Telekom bei Download- und Upload-Geschwindigkeiten mit einem komfortablen Vorsprung gegenüber der anderen zwei Anbieter.

Nutzer konnten allerdings in den letzten 6 Monaten keine Verbesserung in der Download- und Upload-Geschwindigkeit feststellen. Auch im Bereich 4G-Verfügbarkeit konnten Telekom-Nutzer nur wenig Verbesserung feststellen, während sich die Bewertung der Vodafone-Nutzer um mehr als zwei Prozentpunkte verbessert hat. Beim Drittplatzierten O2 wurde eine Verbesserung um 5 Punkte festgestellt.

Die Konkurrenten der Telekom haben in mehreren Kategorien fast aufgeschlossen, wobei sich insbesondere O2 in der Kategorie Verfügbarkeit und Latenz stark verbessern konnte. O2-Nutzer waren um fast 5 Millisekunden schneller als zuvor, während Vodafone-Nutzer eine Verbesserung von 0,6 Millisekunden feststellen konnten.

Beim Thema Voice-App ging das Rennen sehr knapp aus. Die drei Anbieter trennten nur 1,1 von insgesamt 100 Punkten, wobei die Telekom sich die knappe Führung sichert. Das Ergebnis zeigt allerdings, dass Nutzer generell mit der Verwendung von Voice Apps zufrieden sind, wenn auch mit kleineren Einschränkungen in Bezug auf die Anrufqualität.

Datenerfassungszeitraum: 1. Juli bis 28. September 2019 (Deutschland)

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